Ölpreise

Ölpreise: Konktrakte waren der Treiber hinter dem Absturz

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Die Zeiten auf dem Ölmarkt sind historisch: Zum Wochenbeginn stürzten die Preise für die US-Referenzsorte WTI erstmals in der Geschichte ins Negative und landeten an der New Yorker Börse bei minus 37,63 Dollar (minus 34,65 Euro) pro Barrel. Das heißt: Wer Öl hat und es loswerden will, musste dafür Geld bieten.

Auslöser für diese dramatische Entwicklung sind die eingebrochene Nachfrage in der Coronakrise sowie ein technischer Effekt: sogenannte Termingeschäfte, die aus dem schwarzen Gold zumindest kurzfristig eine schwere finanzielle Last werden ließen.

Termingeschäfte: Das sollte man wissen

Bei Termingeschäften zahlen Händler im Voraus einen bestimmten Preis für Öl, das erst zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich geliefert werden soll. Verträge für die US-Sorte WTI mit Liefertermin Mai können noch bis diesen Dienstag gekündigt werden. Dieser Termin fällt nun mitten in die Coronakrise: Weltweit ist der Fahrzeug- und Flugverkehr eingebrochen, Fabriken wurden geschlossen. Die Nachfrage nach Öl ist historisch niedrig. Schon allein das drückte die Preise.

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Zudem sind die Öllager mittlerweile voll. Nach Angaben der US-Energieagentur EIA wuchs die eingelagerte Menge innerhalb einer Woche um 19,2 Millionen Barrel an. Es handelte sich um den stärksten jemals verzeichneten Zuwachs. In der Stadt Cushing im US-Bundesstaat Oklahoma, wo das Rohöl der Sorte WTI eingelagert wird, war laut dem Analysten Rystad Energy noch Platz für nur noch 21 Millionen Barrel.

Abnehmer von Erdöl händeringend gesucht

Erdöl-Investoren stehen damit vor einem Dilemma: Einerseits sind die Lager voll und die Aufbewahrung teuer, andererseits finden sie zumindest kurzfristig kaum Abnehmer für den Rohstoff. Deshalb waren zum Wochenbeginn viele Händler bereit, für Termingeschäfte im Mai Geld auf den Tisch zu legen, damit Kunden das Öl doch noch nehmen.

"Mittelgroße Akteure bezahlen die 'Käufer', um ihre Ölmengen abzusetzen, denn die physische Grenze für die Lagerung ist in Kürze erreicht. Und sie bezahlen teuer dafür", erklärt Louis Dickson von Rystad Energy. Für manche Erdöl-Produzenten sei es mittlerweile sogar günstiger, Ölquellen zu schließen oder Insolvenz anzumelden, als Millionen Dollar zu bezahlen, nur um ihr Öl loswerden.

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Nächste Woche dürfte der Preis wieder steigen

Ein Blick über den kommenden Monat hinaus zeigt indessen ein optimistischeres Bild. Der Preis für WTI mit Liefertermin im Juni lag zuletzt bei 20,43 Dollar. Für Juli und August waren die Preise noch höher: 26,28 beziehungsweise 28,51 Dollar.

Die Händler setzen also darauf, dass bis dahin die weltweite Wirtschaft wieder anspringt und die Nachfrage nach Öl deutlich ansteigt. Analysten warnen mit Blick auf die Nordseesorte Brent zudem davor, den Preisabsturz bei der Sorte WTI überzubewerten. Der am meisten nachgefragte Vertrag für Brent läuft im Juni aus - der Preis zu Wochenbeginn lag bei vergleichsweise stabilen 25,57 Dollar. (afp/apa/red)