Autoindustrie

Daimler will die Mehrheit an Beijing Benz - bekommt sie aber nicht

Daimler Mercedes-Benz Auto Autos Autoindustrie Automobilindustrie - Niedersachsen Alhorn: Zahlreiche Fahrzeuge von Mercedes-Benz stehen auf dem ehemaligen Flugplatz Ahorn auf einer Landebahn (Luftaufnahmen aus einem Tragschrauber). Tausende Neuwagen von Mercedes warten derzeit auf ihre Auslieferung. Hersteller Daimler betonte dass die Zwischenlagerung von Fahrzeugen ein ganz normaler Vorgang sei.
© APA/dpa/Mohssen Assanimoghaddam

Daimler will Insidern zufolge die Mehrheit an seinem Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Autobauer BAIC übernehmen, stößt in China aber bisher auf Widerstand. Der deutsche Autokonzern strebe an, seinen Anteil an dem Joint Venture Beijing Benz Automotive auf 75 Prozent von bisher 49 Prozent zu erhöhen, erfuhr Reuters von eingeweihten Personen. Auch andere Möglichkeiten würden geprüft.

Erste Gespräche darüber, die 2018 geführt wurden, verloren an Fahrt, weil chinesische Behörden solche Pläne nicht unterstützten. Auch diesmal könnte Daimler mit seinem Ansinnen scheitern, warnten die Insider, weil einige Stimmen innerhalb BAICs die Kontrolle über das profitable Unternehmen nicht aufgeben wollten. Daimler lehnte einen Kommentar ab, bei BAIC war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die erneuten Bemühungen des Daimler-Konzerns, die Mehrheit an seinem größten Joint-Venture in China zu übernehmen, treffen auf eine pikante politische Lage: Denn die Debatte in Deutschland, ob sich der chinesische Netzausrüster Huawei am Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes beteiligen kann, wird in China kritisch gesehen. Erst am Wochenende warnte der chinesische Botschafter in Berlin, ein Ausschluss Huaweis würde Konsequenzen haben, und verwies in diesem Zusammenhang auf die Autoindustrie. Die USA, ihrerseits in einen Handelsstreit mit China verwickelt, haben ihre Verbündeten aufgefordert, Huawei aus dem 5G-Aufbau herauszuhalten, weil sie dem Konzern eine zu große Nähe zur chinesischen Regierung vorwerfen und Spionageabsichten vermuten. Huawei und China haben das stets zurückgewiesen.

Außerdem will BAIC Insidern zufolge seinerseits größter Anteilseigner des Stuttgarter Autobauers werden und den heimischen Rivalen Geely, der 9,69 Prozent der Daimler-Anteile besitzt, überflügeln. Dazu habe BAIC begonnen, seine im Juli verkündete Beteiligung von fünf Prozent zu erhöhen und am Markt Aktien zu kaufen. BAIC peile eine Verdoppelung auf rund zehn Prozent an, hatten Insider Reuters gesagt. Dann wären fast 20 Prozent an Daimler im Besitz chinesischer Investoren - genug, um wichtige Entscheidungen auf einer Hauptversammlung zu blockieren.

China hatte im vergangenen Jahr die strikte Regel, dass ausländische Konzerne keine Mehrheit an chinesischen Firmen halten können, gelockert. Daimlers Erzrivale BMW, der in China in den ersten neun Monaten 2019 mehr Autos verkaufte als die Stuttgarter, bekam von China die Erlaubnis, den Anteil an seinem Joint Venture mit Brilliance China Automotive Holdings im Jahr 2022 zu erhöhen. Daimler verfolgt seitdem ähnliche Pläne und wirbt auch in Berlin für politische Unterstützung dafür.

China ist der wichtigste Wachstumsmarkt für die Autobauer. Das hochprofitable Joint Venture mit BAIC verkaufte im vergangenen Jahr rund 485.000 Autos in China, rund 70 Prozent des Absatzes von Daimler auf dem weltgrößten Automarkt. (reuters/apa/red)