Interview

"Zwei Rivalen, die zusammengehen wollen"

Die Fusion der Börsenriesen RHI und Magnesita erlebte Barbara Potisk-Eibensteiner an vorderster Front. Mit ihrem Wechsel zu Alfred Heinzels Papier- und Zellstoffimperium nahm die Finanzerin von einer Welt der kurzfristigen Ergebnismaximierung Abschied – und würde jederzeit wieder so handeln.

Ein verglastes Eckgebäude mitten im 22. Wiener Gemeindebezirk, gleich neben der alten Donau, beherbergt das funktionale, helle Büro von Heinzel-CFO Barbara Potisk-Eibensteiner. Sie war fast ihre gesamte Laufbahn über in börsennotierten Unternehmen beschäftigt und maßgeblich an der Fusion von RHI und Magnesita beteiligt. Diesen Mega-Deal brachte sie schließlich mit dem Prinzip "Geht nicht gibt es nicht" über die Bühne. Es scheint, als könnte sie nichts aus der Ruhe bringen; sie wirkt im Gespräch sehr gelassen, lässt sich für ihre Antworten Zeit und beantwortet sie konkret und auf den Punkt gebracht.

Ihre Tätigkeit in einem privat geführten Unternehmen könnte man auch als Entschleunigung betrachten. Der Fokus nicht auf Quartale, sondern auf längerfristige Ziele sind Gründe, warum Potisk-Eibensteiner einen Wechsel von einem börsennotierten in ein Familienunternehmen anstrebte. Nachhaltigkeit ist dabei sowohl ein privates Anliegen, als auch eines, das im Unternehmen einen hohen Stellenwert hat. So ist die Heinzel Group etwa kürzlich der Allianz „4evergreen“ beigetreten die das Ziel verfolgt, den Anteil von faserbasierten Verpackungen zu erhöhen, um so die Klima- und Umweltbelastungen nachhaltig zu verringern.

Frau Potisk-Eibensteiner, welchen Unterschied macht es für Sie, in einem Familienunternehmen zu arbeiten - im Gegensatz zu einem börsennotierten Unternehmen, wie RHI oder Böhler-Uddeholm eines war?

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Barbara Potisk-Eibensteiner Börsennotierte Unternehmen denken stark in Quartalen, Familienunternehmen in Generationen. Das macht eine nachhaltige Umsetzung der Strategie möglich, man ist nicht dem ständigen Treiben von Analysten oder dem Kapitalmarkt unterworfen. Börsennotierte Unternehmen haben eine gewisse Effizienz im Finanzbereich aber ich glaube, dass familiengeführte Unternehmen ein ganzes Stück nachhaltiger arbeiten.

Apropos Nachhaltigkeit: Die Heinzel-Gruppe sucht ihren USP im deutlichen Einsatz für Umweltschutz und Nachhaltigkeit - was kann ein CFO konkret zu diesen Unternehmenswerten beitragen?

Potisk-Eibensteiner Wir sind in unseren Organisationen immer wieder auf der Suche nach guten Ideen, wir versuchen sie über unsere Finanzmodelle zu bewerten - es muss natürlich alles einen gewissen Return zeigen - aber in der Diskussion mit unseren Managern zu sein, Projekte zu treiben und zu unterstützen – hier sehe ich meine Aufgabe bezüglich Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Und Nachhaltigkeit betrifft nicht nur den grünen Gedanken, es geht auch darum wie man Mitarbeiter behandelt, welche Werte ein Unternehmen hat, wie wir in den Gemeinden auftreten, in denen wir produzieren und vieles mehr. Es geht darum, langfristig den Unternehmenserfolg abzusichern, aber auch eine Umgebung zu schaffen, die für alle zufriedenstellend ist.

Wie verstehen Sie sich mit Aufsichtsratsvorsitzendem Alfred Heinzel?

Potisk-Eibensteiner Alfred Heinzel ist für mich eine faszinierende Person. Er hat in sehr wenig Zeit ein Imperium aufgebaut, war extrem visionär und hat viel Risiko genommen. Ich würde sagen er ist einer der echten Unternehmer, die Österreich hat.

In einem Gespräch erwähnten Sie, dass Sie als junges Mädchen den Traumberuf "Investmentbankerin" hatten. Was haben Sie sich als Kind unter einer "Investmentbankerin" vorgestellt?

Potisk-Eibensteiner Eigentlich alles, was man in Filmen gesehen hat: viele, große Bildschirme, Hektik, die große weite Welt, extremer Arbeitseinsatz, aber eine interessante Aufgabe. So habe ich den Job als Kind wahrgenommen. Ich bin jemand, der es gerne turbulent hat. Es ist das abwechslungsreiche am Job, das mich fasziniert hat.

Wie nahe kommt das, was sie heute tun, ihren Kindheitsträumen?

Potisk-Eibensteiner Ich habe all das schon erlebt – allerdings nicht immer als Investmentbankerin. Wir haben eine große Börsenflaute gesehen, das war die langweiligste Zeit in meinem Berufsleben. Was mich auch fasziniert hat war gute Bezahlung – und ich muss sagen auch das habe ich bis zu einem gewissen Grad erreicht.

Was war bisher Ihre größte berufliche Herausforderung?

Potisk-Eibensteiner Höchstwahrscheinlich der RHI-Magnesita-Deal: Zwei Rivalen, die zusammengehen wollen, große Widerstände in der Organisation, teilweise auch im Management, große Fragezeichen, ob man das heben kann oder nicht, und sicher auch dieser große kulturelle Unterschied zwischen Europäern und Südamerikanern – auch im Verständnis, Geschäfte miteinander zu machen.

Sie waren an vorderster Front bei der Mega-Fusion – gerade zu der Zeit, in der Ihr Chef, Vorstandsvorsitzender Strutzl, schwer erkrankte. Man hört, ihr Einsatz war elementar für das Zustandekommen der Fusion. Wie schätzen Sie die Situation im Rückblick ein?

Potisk-Eibensteiner Diese Fusion war für mich der einzige wirkliche strategische Wurf, der für die RHI möglich war, und wo man auch langfristig für einen Konzern reüssieren kann. Dass ich wesentlich am Zustandekommen der Fusion beteiligt war kann ich bestätigen, ich hatte sicherlich einen Arbeitseinsatz der jenseits der 18 Stunden täglich war, Conference Calls um 23.00 waren gang und gebe. Die größte Herausforderung daran war, gesund zu bleiben und auf der anderen Seite die Organisation mitzuziehen – also intern auch gegen Widerstände anzukämpfen und auch meinen Vorstandskollegen mit im Boot zu haben. Es gab aber auch diese positive Energie, dass man eine Phase durchtaucht und immer wieder die Kraft aufbringt so etwas zu meistern - und das große Bestreben, das Ziel erreichen zu wollen. Ich bin stolz darauf und blicke gerne zurück.

Was konnten Sie aus diesem Megaprojekt für sich persönlich und Ihren Beruf mitnehmen?

Potisk-Eibensteiner Ich lebe nach dem Prinzip ‚Geht nicht gibt es nicht‘. Ich habe allerdings gelernt, dass manche Transaktionen einer gewissen Ausdauer bedürfen: Wir haben immer wieder versucht, mit Magnesita einen Deal zu machen, was bis dahin nie möglich war. Plötzlich hat es funktioniert.

Sie sind einige Zeit nach dem Closing zu Heinzel gewechselt. Was war der Grund?

Potisk-Eibensteiner Es waren persönliche Motive. Meine Tochter war zu diesem Zeitpunkt gerade am Anfang ihrer Pubertät und ich habe bemerkt, dass ich nicht mehr viel Zeit habe um mitzubekommen, in welche Richtung sie sich entwickelt. Ich habe viel Zeit in mein Berufsleben hineingesteckt und wollte wieder mehr Zeit für sie haben. Mir ist das Privatleben sehr wichtig, deswegen wollte ich in ein privat geführtes Unternehmen, das sehr international ist, bei dem der Job aber mit wesentlich weniger Reisen verbunden ist. Und ich wollte mal weg von einem börsennotierten Unternehmen. Das war spannend für mich – eine ganz neue Umgebung.

>> Hören Sie hier auch den ausführlichen Podcast mit Barbara Potisk-Eibensteiner

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Barbara Potisk-Eibensteiner wurde im September 2017 zur CFO der Heinzel Holding bestellt. Davor war sie bei RHI tätig - fünf Jahre als CFO - und dort maßgeblich für die Fusion mit Magnesita zuständig. Nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre stieg sie als Investment Bankerin bei der Creditanstalt AG ein, bevor sie für Böhler-Uddeholm zwölf Jahr lang Group Treasurer war. 2007 wechselte die gebürtige Steirerin zu RHI, wo sie seit 2012 als CFO dem Vorstand angehörte.

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