Zulieferindustrie

Wollsdorf Leder erwartet Wachstum dank Innovationen

Der steirische Zulieferer Wollsdorf Leder hat im Vorjahr um ein Fünftel weniger Umsatz erwirtschaftet und seinen Personalstand in Österreich um 50 Mitarbeiter reduziert. Nun hofft der Zulieferer auf zusätzliche Aufträge und ein Wachstum dank Innovationen.

Der steirische Zulieferer Wollsdorf Leder erwartet zusätzliche Aufträge und ein Wachstum dank Innovationen. Das vergangene Wirtschaftsjahr 2018/2019 schloss man wie erwartet bei einem Umsatz von 130 Mio. Euro mit einem Umsatzminus von 20 Prozent. Der Rückgang betraf den rückläufigen Automotive-Bereich, sagte Geschäftsführer Andreas Kindermann bei der Pressekonferenz in Graz.

Kein weiterer Personalabbau geplant

Am Standort in Österreich habe Wollsdorf Leder im vergangenen Wirtschaftsjahr den Personalstand um 50 Mitarbeiter reduziert, laut Kindermann durch natürliche Abgänge. Ein weiterer Personalabbau sei nicht geplant. Damit sind derzeit 650 Mitarbeiter in Wollsdorf beschäftigt, wobei 2020 für das Stammwerk in Wollsdorf eine neue Werksausrichtung geplant sei.

Infrastruktur und Maschinen werden erneuert und zwei bis drei Mio. Euro investiert. Mit dieser Investition will man die Produktpalette erweitern und das Stammwerk absichern. "Trotz eines schwieriges Umfelds sind wir zuversichtlich, erfolgreich zu sein", so Kindermann. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 1.200 Mitarbeiter.

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Trotz des gesunken Umsatzes sei das Ergebnis positiv, näheres wollte Kindermann nicht bekanntgeben. "Das Eigenkapital ist gleich geblieben." Gelungen sei das durch Einsparungen und Kostenreduktionen. Gleichzeitig habe man stark investiert und das neue Werk in Mexiko fertig gebaut. Die Produktion sei bereits angelaufen, die Kapazität liege derzeit bei 50 Prozent und soll bis Juni 2020 die 100 Prozent erreichen.

"Klasse in Österreich, Masse in Mexiko"

In Österreich wurde laut Kindermann in weitere Trocknungsanlagen und neue effiziente Trocknungstechnologien investiert. Details dazu: Zulieferer Wollsdorf: Neuer Standort in Mexiko trotz erwarteter Rückgänge >>

Die Strategie von Wollsdorf Leder lautet: "Klasse in Österreich, Masse in Mexiko." In Österreich werde weiterhin die europäische Qualitätsware hergestellt und weniger wertvolle Rohware aus Amerika in Mexiko verarbeitet. Das Leder aus Amerika sei durch die Art der Aufzucht weniger qualitätsvoll als das europäische, weil es Sonnenbrand und Verletzungen aufweise.

Hoffnung auf Aufträge dank Innovationen

Für die kommenden Jahre erwartet das Unternehmen Zuwächse trotz der allgemein rückläufigen Tendenz in der Automobilbranche. Steigerungen erhofft man sich in erster Linie durch Innovationen und im Bereich der Luftfahrt, der von derzeit 10 Prozent Umsatzanteil auf 15 Prozent steigen soll. Kindermann präsentierte vier neue Entwicklungen im Bereich Innovation, die den österreichischen Standort absichern sollen.

Das erste sei "EVO+ Oberflächenveredelung", ein Material, das in das Leder eingearbeitet wird und mit dem alle Bakterien abgetötet werden - und zwar langfristig. Dadurch bleibe das Material länger sauber und habe eine längere Lebensdauer. Das Material sei im Leder integriert und bleibt dort über Jahre drinnen. Diese Innovation sei besonders für Lenkräder interessant. "Wir erwarten uns von diesem Produkt viel für die Zukunft."

Die zweite Innovation sei Smart-Leder, also Technologien, mit denen etwa die Heizung und (für später geplant) Sensoren in das Leder eingearbeitet werden und verschiedene Funktionen erfüllen. Das Leder wird damit quasi wieder zu einer wärmenden und empfindenden Haut.

Mehr dazu:
Steirischer Autozulieferer Wollsdorf baut Sensoren in Leder ein >>

Umweltverträgliches neues synthetisches Gerbmittel

Fortschritte vermeldete Kindermann auch bei der Gerbung, der Haltbarmachung von Leder. Wollsdorf Leder verwendet ein neues synthetisches Gerbmittel, das "absolut umwelt- und hautverträglich" sein soll und sogar "geschluckt werden kann". Diese Methode sei nicht nur umweltfreundlich, sondern das Leder werde damit sogar noch besser, weicher und farbintensiver. Zusätzlich setzt das Unternehmen auf die Entwicklung von Leichtleder, das 25 Prozent weniger Gewicht hat und damit bei Autos und Flugzeugen Energie einspart. (apa/red)

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