Emissionshandel

Wolfgang Anzengruber fordert mehr "Kostenwahrheit" bei Emissionen

Gäbe es eine Kostenwahrheit beim Preis für die Emission einer Tonne Kohlendioxid, würde niemand ein Atomkraftwerk bauen, sagt Verbund-Chef Anzengruber. Umweltministerin Elisabeth Köstinger verspricht, sich auf europäischer Ebene für einen Mindestpreis einzusetzen.

Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) will sich für einen CO2-Mindestpreis auf europäischer Ebene stark machen. Dies kündigte sie in einer Podiumsdiskussion im Anschluss an die Präsentation des Entwurfs der Klima- und Energiestrategie an. "Kostenwahrheit" werde das Schlüsselwort der Zukunft sein, auch die nächste Steuerreform werde maßgeblich auf eine CO2-Reduktion abzielen. Aktuell dazu: Regierung präsentiert geplante Maßnahmen für mehr Umweltschutz >>

Anzengruber: Ölproduktion unter Waffenschutz kostet - Atommüll auch

Davor hatte Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber für mehr Kostenwahrheit in den Kalkulationen plädiert, samt Aufnahme eines realistischen CO2-Preises in die Kalkulationen - und dafür erhielt er vom 250-köpfigen Auditorium an der Wirtschaftsuniversität Wien auch kräftigen Applaus.

Niemand würde ein AKW bauen, wenn es Kostenwahrheit gebe. Es gehe um Faktoren bis hin zu Gesundheits- und anderen Folgekosten. Auch eine Ölproduktion unter militärischer Aufsicht koste etwas, auch die Atommülllagerung. Wolle man wirklich mit Kostenwahrheit agieren, "dann gehört auch CO2 dazu - egal wie wir das ausgestalten".

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Neue Klimastrategie erwähnt  "CO2-Mindestpreis auf europäischer Ebene"

Ein "CO2-Mindestpreis auf europäischer Ebene" wird im 62-seitigen Kompendium zur Klimastrategie unter den "notwendigen ökonomischen Rahmenbedingungen" genannt. Die Umsetzung eines CO2-Mindestpreises könne das Emissionshandelssystem (ETS) der EU ergänzen, heißt es darin. Die Höhe des Preises müsse so gewählt werden, dass eine ausreichende Lenkungswirkung erreicht werde, also ein Brennstoffwechsel in der Stromerzeugung weg von der CO2-intensive Kohle.

Die ETS-Auktionserlöse in Österreich sollten vorrangig für klimarelevante Maßnahmen verwendet werden, also etwa für Low-Carbon-Technologien in energieintensiven Industrien. Und die effizientesten 10 Prozent der Carbon-Leakage-gefährdeten Industrieanlagen sollten - damit sie nicht abwandern - bis 2030 Gratiszuteilungen im Ausmaß von 100 Prozent erhalten, heißt es im Strategiegiepapier.

Über den Stromsektor hinaus: Neue Strategie "nicht so eindimensional wie früher"

Anzengruber begrüßte, dass der Ansatz bei der Klima- und Energiestrategie der Regierung sektorübergreifend erfolge und "nicht so eindimensional wie früher", als allein der Strom im Fokus gestanden sei. Jetzt würden auch der Mobilitätsbereich und Wärme einbezogen. Wichtig sei auch eine technologieoffene Diskussion und ausreichend Raum für Forschung. Er sehe die Strategie als ein "Wirtschaftspapier" für viel Innovationen und Unternehmergeist. Die Umsetzung müsse aber in einem Wettbewerbsumfeld erfolgen. (apa/red)

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