Vorsorge

Wie können Unternehmen den Wertverlust bekämpfen?

Die Niedrigzinsphase hat die Grundgesetze der Geldanlage ausgehebelt. Eine ganze Generation von Führungskräften steht vor der Frage, wie in Zukunft wertgesichert für die Zukunft vorgesorgt werden kann. INDUSTRIEMAGAZIN bat Experten um ihre Tipps.

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"Tiefzinsphase wird uns erhalten bleiben"
Alois Wögerbauer, Geschäftsführer 3-Banken-Generali

Geldanlage hat sich verändert. Etwa 60 Prozent der Staatsanleihen der Euro-Zone weisen derzeit Renditen im negativen Bereich aus, auch im Bereich der Unternehmensanleihen gibt es bereits negative Renditen. Als erfahrenem Börsianer fällt es mir immer noch schwer zu akzeptieren, dass man für Schulden machen keine Zinsen bezahlt, sondern Geld bekommt. Damit werden Grundgesetze außer Kraft gesetzt. Bei Nullzins und Negativrenditen ist es nicht mehr möglich, mit reinen sogenannten sicheren Anleihen eine in ationsgesicherte Altersvorsorge darzustellen. Auch ist es wichtig zu erkennen, dass das aktuelle Zinstief kein Zyklus ist, den man einfach durchtaucht. Die Tiefzinsphase wird uns noch lange erhalten bleiben. Als Möglichkeit bleiben vor allem höhere Aktienquoten. Wir finden sowohl in Österreich als auch global viele attraktive Unternehmen mit soliden Bilanz und Geschäftsmodellen und mit Dividendenausschüttungen von drei Prozent und mehr. Leider wird in Österreich durch Aussagen der Politik die Aktie immer wieder als Spekulation dargestellt – das ist es nicht. Aktien sind Beteiligungen an Unternehmen. Jeder muss sich aber vorher selber die Frage stellen, ob er bereit ist, die Kursschwankungen auch auszuhalten. Auch Immobilien sind ein sinnvoller Teil einer Anlagestrategie – die selbst genutzte Immobilie ist wohl die beste Vorsorge überhaupt. Aber: Ob Immobilien, Gold oder was auch immer, eine Asset-Klasse sollte nicht als „das einzige Wahre“ bezeichnet werden. Wenn ein Segment nur gelobt wird, dann wird’s meistens gefährlich. Derzeit sind viele Anleger der Meinung, dass Immobilien gar nicht fallen können. Die Geschichte lehrt uns, dass das nicht stimmt.

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Noch ist es nicht mehr als ein Fünkchen Hoffnung: Zwar mehren sich die Zeichen, dass die US-Notenbank Fed im Dezember den Leitzins anheben wird. Doch selbst nach dieser dann bereits zweiten Erhöhung in den USA dürfte die Zinswende in Europa weiter auf sich warten lassen. Die Folgen der Niedrigzinspolitik sind bereits schmerzlich spürbar: Seit 2010 haben die Sparer in Österreich 17,4 Milliarden Euro an Wert verloren, wie Experten vorrechnen. Wie Sie weiteren Wertverlusten künftig entgehen – und wie Sie sich auf mögliche steigende Zinsen vorbereiten, verraten vier Experten, die INDUSTRIEMAGAZIN befragt hat.

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"Tiefzinsphase wird uns erhalten bleiben"
Alois Wögerbauer, Geschäftsführer 3-Banken-Generali

Geldanlage hat sich verändert. Etwa 60 Prozent der Staatsanleihen der Euro-Zone weisen derzeit Renditen im negativen Bereich aus, auch im Bereich der Unternehmensanleihen gibt es bereits negative Renditen. Als erfahrenem Börsianer fällt es mir immer noch schwer zu akzeptieren, dass man für Schulden machen keine Zinsen bezahlt, sondern Geld bekommt. Damit werden Grundgesetze außer Kraft gesetzt. Bei Nullzins und Negativrenditen ist es nicht mehr möglich, mit reinen sogenannten sicheren Anleihen eine in ationsgesicherte Altersvorsorge darzustellen. Auch ist es wichtig zu erkennen, dass das aktuelle Zinstief kein Zyklus ist, den man einfach durchtaucht. Die Tiefzinsphase wird uns noch lange erhalten bleiben. Als Möglichkeit bleiben vor allem höhere Aktienquoten. Wir finden sowohl in Österreich als auch global viele attraktive Unternehmen mit soliden Bilanz und Geschäftsmodellen und mit Dividendenausschüttungen von drei Prozent und mehr. Leider wird in Österreich durch Aussagen der Politik die Aktie immer wieder als Spekulation dargestellt – das ist es nicht. Aktien sind Beteiligungen an Unternehmen. Jeder muss sich aber vorher selber die Frage stellen, ob er bereit ist, die Kursschwankungen auch auszuhalten. Auch Immobilien sind ein sinnvoller Teil einer Anlagestrategie – die selbst genutzte Immobilie ist wohl die beste Vorsorge überhaupt. Aber: Ob Immobilien, Gold oder was auch immer, eine Asset-Klasse sollte nicht als „das einzige Wahre“ bezeichnet werden. Wenn ein Segment nur gelobt wird, dann wird’s meistens gefährlich. Derzeit sind viele Anleger der Meinung, dass Immobilien gar nicht fallen können. Die Geschichte lehrt uns, dass das nicht stimmt.

© Stephan Huger

"An Wertpapieren führt kein Weg vorbei" 
Paul Severin, Investmentexperte, Erste Asset Management

Die Ausgangslage hat sich im Vergleich zu der vor der Wirtschaftskrise massiv verändert. Die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank lagen vor der Krise noch bei 4,25 Prozent, deutsche Staatsanleihen warfen eine Rendite von rund vier Prozent ab. Heute sprechen wir von einer Nullzinspolitik und von einer Negativrendite bei zehnjährigen deutschen Bundesanleihen. Wer auf längere Sicht vorsorgen und ansparen möchte, kommt daher an Wertpapieren nicht vorbei.
Wenn Sie im verzinslichen Bereich bleiben möchten, sollten Sie Ihr Geld vermehrt außerhalb der Eurozone oder in höher rentierenden Unternehmensanleihen in den Schwellenländern anlegen. Auch sind Staatsanleihen unserer Nachbarländer in Osteuropa wieder interessant.
Neben verzinslichen Wertpapieren spricht einiges für Aktien, gerade auf längere Sicht. Mit einem breit gestreuten, global ausgerichteten Aktienfonds partizipiert man von den Dividendenzahlungen und der Entwicklung der Weltwirtschaft.
In den USA hat die amerikanische Zentralbank bereits im Dezember 2015 begonnen, den Leitzinssatz langsam von der Null-Prozent-Linie nach oben zu bewegen. Andere wichtige Zentralbanken haben ihre extremen Geldpolitiken allerdings beibehalten. Das hat zu einer Festigung des US-Dollar und zu Kapitalzuflüssen in die USA geführt, wodurch wiederum das Ausmaß der möglichen US-Leitzinsanhebungen gedämpft wurde. Wir gehen davon aus, dass dies in den kommenden Monaten so bleiben wird. Aus diesem Grund favorisieren wir in unseren gemischten Veranlagungslösungen nach wie vor Unternehmensanleihen in den USA und Staatsanleihen der Schwellenländer. Die niedrig rentierenden Staatsanleihen in der Eurozone sind nicht mehr attraktiv.

© Sabine Mach

"Um alternative Investments ergänzen" 
Sabine Mach, Beraterin Wealth Management der Hypo Vorarlberg in Wien

Die Europäische Zentralbank hält die Geldmarktzinsen bereits seit Längerem im negativen Bereich. Die langfristigen Zinsen der Staats- und Unternehmensanleihen werden mit Hilfe von Käufen in Milliardenhöhe ebenfalls künstlich tief gehalten. In Konsequenz kann am Geldmarkt nichts mehr verdient werden, während die Kurse der Staatsanleihen schon seit der Jahrtausendwende Jahr für Jahr steigen, was wiederum zu einer gefährlichen Blasenbildung führt. Nachdem die wichtige Ankerfunktion dieser sonst als sicher geltenden Anlageklassen verloren geht, herrscht an den Aktienbörsen zunehmend Orientierungslosigkeit. Dies erschwert auch die private Vorsorge. Der mögliche Schlüssel ist die Ergänzung der traditionellen Anlageklassen um alternative Investments wie Immobilien, Rohstoffe, Hedgefonds oder Private Equity. Im Vergleich zu den klassischen Anlageklassen orientieren sich alternative Investments nicht an bekannten Indizes bzw. sogenannten Benchmarks. Im Fokus ist die Gewinnerzielung, unabhängig von der jeweiligen Marktsituation oder Entwicklung der herkömmlichen Anlageklassen. Die Investmentfondsbranche bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Der risikobewusste Investor versucht, mit aktiven Investmentfonds eine überdurchschnittliche Performance zu erzielen. Viele Investoren engagieren sich in sogenannte Exchange Traded Funds (ETF), mit welchen man am Erfolg der jeweiligen Anlageklasse partizipieren kann. Allen gemein ist die Suche nach einer zusätzlichen Ertragsquelle. So investiert auch das Asset-Management der Hypo Vorarlberg vermehrt in diesem Segment. Es gilt, von einer breiteren Streuung bei gleichzeitig neuem Renditepotenzial zu profitieren.

© www.camera-obscura.at

"Wollen Sie einlegen oder anlegen?"
Wolfgang Ules, CIO der Capital Bank

Mehr denn je entscheidet die Antwort darauf über den Erfolg der Altersvorsorge. Die privaten Haushalte Österreichs haben laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) Einlagen von 232 Milliarden Euro bei heimischen Banken. Dem stehen lediglich 76,4 Milliarden Euro in Portfolioinvestitionen gegenüber. Besonders interessant: Die OeNB stellt trotz der herrschenden Niedrigzinspolitik wieder einen Trend zu Einlagen fest. Österreichs Anleger haben ihre chronische Angst vor Aktien also noch immer nicht abgelegt. Helfen könnte die einfache 72er-Regel! Dividieren Sie die Zahl 72 durch den erwarteten Ertrag Ihrer Einlage/Anlage und Sie erhalten die Anzahl der Jahre, die es braucht, Ihr Vermögen zu verdoppeln. Ein Beispiel: Neue Sparbucheinlagen werden laut OeNB aktuell durchschnittlich mit 0,31 Prozent verzinst. Nach Abzug der KESt bleiben 0,2325 Prozent netto. Dividiert man die Zahl 72 durch diesen Nettoertrag ergibt sich eine Laufzeit von 310 Jahren, um das Vermögen zu verdoppeln. Bei einer Portfolioinvestition mit einem durchschnittlichen Nettoertrag von drei Prozent verzweifacht sich das Vermögen hingegen in 24 Jahren. Das heißt, plus 100 Prozent. In derselben Zeit bleibt der Nominalwert des Geldes am Sparbuch nahezu unverändert. Gerade einmal fünf Prozent betragen die über die Jahre "angehäuften" Zinsen. Dazu ein Praxisbeispiel: Angenommen, Sie sind heute 40 Jahre alt und planen, mit 65 in Pension zu gehen. Sie waren fleißig und sparsam und konnten bereits 300.000 Euro ansparen. Dann stehen ohne weitere Ansparungen entweder 600.000 oder 315.000 Euro zum Pensionsantritt zur Verfügung. Das ist der Unterschied zwischen "Einlegen" und "Anlegen". Übrigens: Auch Notenbanken wie die Schweizer SNB und die Bank of Japan kaufen bereits Aktien.