Handelsabkommen

Voestalpine-Chef Eder: „Produktionsverlagerung war der richtige Schritt“

Der Handelsdeal von USA und Mexiko gibt der Voestalpine Rückenwind: "Damit zeigt sich, dass unser Schritt, die Produktion von den USA teilweise nach Mexiko zu verlagern der richtige war", so Konzernchef Wolfgang Eder.

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"Wenn jetzt alles, was von Mexiko in die USA geht, nicht mehr beaufschlagt wird, dann ist das ein positiver Effekt für uns“: Das neue Handelsabkommen zwischen den USA und Mexiko lässt den heimischen Stahlkonzern Voestalpine aufatmen. Denn Voestalpine hat wegen der von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahlprodukte im Frühjahr begonnen, Teile der Produktion für die Autoindustrie nach Mexiko zu verlagern. Im Herbst soll der Schritt, der laut Eder relativ einfach umzusetzen ist, abgeschlossen sein.

Die USA und Mexiko haben sich nach monatelangem Ringen zu Wochenbeginn auf ein neues Handelsabkommen geeinigt. Teile eines Autos müssen künftig zu 75 Prozent aus einem der beiden Länder kommen, wenn das Fahrzeug zollfrei handelbar sein soll. Zuvor waren es 62,5 Prozent. Die Voestalpine zählt in Mexiko sieben Standorte, an denen vor allem Karosseriebauteile für die großen deutschen Premium-Automobilhersteller hergestellt werden. Auch die deutschen Autobauer profitieren von einem reibungslosen Handel zwischen den USA und Mexiko, denn sie verkaufen in Mexiko produzierte Fahrzeuge auf dem US-Markt. Wie viel die Voestalpine durch die Produktionsverlagerung umgehen könne, wollte Eder nicht beantworten. "Es wäre unseriös, eine Ziffer zu nennen, die Dinge sind viel zu sehr im Fluss."

Was macht Voestalpine in Mexiko?

Kürzlich wurden zwei Standorte eröffnet: Der Standort Aguascalientes wurde auf Basis eines Großauftrages 2016 aufgebaut und hat mit der Produktion von Karosserie- und Strukturteilen  die etwa bei Querträgern, Dachrahmen oder dem Heck zum Einsatz kommen, den Vollbetrieb aufgenommen. Seit 2016 investierte der Konzern 15 Millionen Euro in den Aufbau des neuen Werkes – bis 2019 werden die Kapazitäten um eine Investitionssumme in ähnlicher Höhe nochmals erweitert. Damit werden dort auf einer Gesamtfläche von 10.000 Quadratmetern rund 80 Mitarbeiter an zehn Assembly-Anlagen beschäftigt sein.

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Ende letzten Jahres ist im Werk Zacatecas die Fertigung von anspruchsvollen Rohrkomponenten für den Automobilbau angelaufen, die etwa im Fahrzeugunterbau, in Lenksystemen und der Karosserie Anwendung finden. Das Werk beschäftigt 40 Mitarbeiter. Produziert wird auf fünf High-Tech-Anlagen.

Fast alle großen Autohersteller sind seit den letzten Jahren in Mexiko vertreten, jährlich laufen hier bis zu vier Millionen Fahrzeuge vom Band. „Vor allem die Nähe zu unseren Kunden sowie die beeindruckende Nachfrageentwicklung im Land waren entscheidend dafür, unsere Automotive-Aktivitäten in Mexiko deutlich auszuweiten. Gleichzeitig beobachten wir die handelspolitischen Entwicklungen im gesamten NAFTA-Raum sehr genau und können mit den neuen Standorten noch flexibler als bisher auf die jeweiligen Rahmenbedingungen reagieren“, erklärt der Voestalpine-Chef. 

Insgesamt ist die Voestalpine in Mexiko an insgesamt 13 Standorten mit 565 Mitarbeitern vertreten, die im Geschäftsjahr 2017/18 einen Gesamtumsatz von 274 Millionen Euro erwirtschafteten. Neben der Automobilindustrie, die mit über 28 Prozent den größten Anteil des Umsatzes ausmacht, ist der Konzern hier auch in den Bereichen Bahninfrastruktur und Maschinenbau sowie in der Energie-, Bau- und Konsumgüterindustrie tätig.

Nicht Zölle geben Grund zur Sorge

Grundsätzlich seien die Auswirkungen der Zölle überschaubar. Maximal 400 Mio. Euro des 1,3 Milliarden Euro schweren US-Geschäfts seien betroffen. Voestalpine hat 48 amerikanische Standorte. Die US-Werke seien von den Zöllen nicht betroffen, da sie als amerikanische Betriebe gelten.

Insgesamt erreichte der Konzern mit weltweit knapp 52.000 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2017/18 einen Rekordumsatz von 12,9 Mrd. Euro. Bis 2020/21 peilt Eder einen Umsatz von 15 Mrd. Euro an. "Wenn wir in diesem Jahr gut 13 Milliarden Euro erreichen, sind die 15 Milliarden Euro in zwei Jahren kein unrealistisches Ziel."

Stahlimporte sind das Problem

Sorgen bereiten vielmehr die Stahlimporte aus Europa in die USA. Um weiterhin exportieren zu können, hat Voestalpine - wie andere Firmen auch - Zoll-Ausnahmen beantragt, da etwa bestimmte Spezialstähle in den US-Stahlwerken überhaupt nicht hergestellt würden. "Wir haben 3.000 Ausnahmeanträge gestellt und in den letzten Tagen erste Antworten bekommen", sagte Eder. Von bisher 37 Antworten sei ein Drittel positiv, zwei Drittel negativ. Für allgemeine Rückschlüsse sei es aber noch zu früh, betonte der Firmenchef. Der 66-Jährige gibt im kommenden Sommer nach 15 Jahren an der Spitze des Konzerns das Ruder an seinen Vorstandskollegen Herbert Eibensteiner ab, der derzeit die Sparte Stahl leitet.

Grundsätzlich sei der US-Markt für Voestalpine nach wie vor attraktiv. "Die Nachfrage in den USA nach Autos ist stabil hoch, vor allem nach europäischen Autos", sagte Eder. Anzeichen einer Abschwächung seien nicht erkennbar. Allerdings müsse man auch sehen, dass es seit vier Jahren nur nach oben gegangen sei. Die Herausforderung sei derzeit eher, wie man das Wachstum kontrolliert steuern könne. Die Automotive-Sparte ist mit einem Anteil von 34 Prozent der wichtigste Kundenbereich. Ein Wachstum um das eine oder andere zusätzliche Prozent sei noch machbar, "massiv höher darf es aber nicht gehen." Erfreulich sei auch, dass die Voestalpine nun eine Größe erreicht habe, um von den US-Riesen beachtet zu werden. "Die amerikanischen Autohersteller zeigen zunehmendes Interesse, von uns beliefert zu werden". Ähnliches gelte für chinesische Autobauer. (apa/Reuters)

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