Energiewirtschaft

Verbund will bald 500.000 Endkunden haben

Österreichs größter Energieversorger nimmt sich vor, noch heuer mehr als eine halbe Million Endkunden zu haben. Bei Haushaltskunden und Gewerbekunden hat der Verbund einen Marktanteil von acht Prozent, bei Industriekunden 20 Prozent.

Der Verbund-Stromkonzern möchte noch heuer die Marke von 500.000 Kleinkunden durchstoßen. Das sagte Vize-Vorstandschef Michael Strugl. Strugl ist im Vorstand des Verbund für Vertrieb, Trading, Marketing, Personal und Innovationen zuständig.

Im Privatkundenbereich zählte der Verbund Ende Juni 478.000 Stromkunden und Gaskunden. Bei Haushalts-und Gewerbekunden beträgt der Marktanteil 8 Prozent, bei Industriekunden 20 Prozent. Im Vertrieb liege man deutlich über den budgetierten Zahlen.

Der Ergebnisbeitrag in dem Bereich sei natürlich nicht so groß wie im Upstream, das Geschäft sei kleinteilig, und es gebe einen Margendruck, so Strugl. Man setze auf dieses Segment aber, weil die Kunden künftig zu Prosumern würden, die auch selbst Strom erzeugen. "Daher haben wir uns entschlossen, uns nicht aus diesem Markt zurückzuziehen", sagte Strugl im "Salon Z".

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Gute Speicher gesucht

Beim Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien werde Strom eine große Rolle spielen, getrieben sei die Dekarbonisierung von der Klimapolitik. Die aufgrund der Digitalisierung möglichen "smarten Systeme" seien nötig zum Ausgleich der Schwankungen im Stromnetz aufgrund der volatilen erneuerbaren Energien. Man brauche Speicherlösungen, um die Stromüberschüsse vom Sommer in den Winter zu bringen, aber auch grünen Wasserstoff aufbewahren zu können. Durch Photovoltaik und Windkraft stehe eine gewaltige Steigerung auf Erzeugungsseite in Europa bevor, die das System sehr fordern werde.

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"Erfreuliche Strompreise"

Der Verbund ist demnach in seiner Erzeugung schon heute zu 95 Prozent CO2-frei und betreibt 128 Wasserkraftwerke. Wasserkraft werde immer das große Rückgrat des Konzerns bei der Erzeugung bleiben, so der Manager, "weil wir dort zu sehr niedrigen spezifischen Preisen Strom erzeugen können. Das wird unser Kerngeschäft bleiben." Die aktuellen Strompreise auf Großhandelsebene von 48 bis 51 Euro je Megawattstunde (MWh) seien "erfreulich".

Allerdings sei ein völlig neu gebautes Wasserkraftwerk teurer als eine Wind- oder eine PV-Anlage, selbst wenn es nur rund 1.200 Volllast-Sonnenstunden im Jahr gebe. Sonnenstrom wird künftig der billigste werden, ist Strugl überzeugt, und das werde auch die Geschäftsmodelle im Sektor verändern. International werde aber - leider - vielfach noch auf eine Kombination von Sonne und Atom gesetzt.

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Schlüsselrolle für Wasserstoff

Wasserstoff, vor allem grüner Wasserstoff, werde künftig eine wichtige Rolle spielen, davon gehe auch der Verbund aus. Derzeit seien in diesem Bereich aber alle Projekte unwirtschaftlich. Damit sich das ändere, müsste "einiges passieren", auch die Regulatorik könnte hier etwas zur Unterstützung tun, "falls die Politik das will".

In der Energiespeicherung könne Wasserstoff unterstützen, trotz der recht hohen Energieverluste von circa 30 Prozent bei jedem Umwandlungsvorgang. E-Mobilität werde seines Erachtens sehr stark in den Ballungsräumen eine Rolle spielen, "bei Wasserstoff ist das noch nicht zu sehen". Es werde auch länger dauern, bis Wasserstoff in die Fläche komme; letztlich könne er aber in der Mobilität auch bei Schienen- oder Schiffsverkehr eine Rolle spielen. Dass Elektro-Lkw "funktionieren", kann sich Strugl dagegen weniger vorstellen.

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Vor seinem Wechsel in den Verbund-Vorstand per Anfang 2019 war der 56-jährige in Oberösterreich Landeshauptmann-Stellvertreter und Wirtschaftslandesrat - in einer Landesregierung aus ÖVP und Grünen. "Die schwarz-grüne Zusammenarbeit in Oberösterreich hat funktioniert", gab Strugl auf eine Publikumsfrage seine Privatmeinung kund. Ob das auch auf Bundesebene so wäre, könne er aber nicht beurteilen. Es hänge immer an den handelnden Personen - dann seien auch sehr schwierige Fragen lösbar. (apa/red)