Währungen

Türkische Lira fällt weiter - Türkei in der Abwärtsspirale

Nach der Entlassung des türkischen Notenbankchefs kommen massive Zweifel an der Unabhängigkeit der türkischen Notenbank - während die Wirtschaft des Landes in einer Abwärtsspirale gefangen ist, fällt die türkische Lira gegenüber dem Euro und dem Dollar weiter.

Nach der Entlassung des Chefs der türkischen Notenbank durch Präsident Recep Tayyip Erdogan ist die Landeswährung Lira vorübergehend um mehr als zwei Prozent eingebrochen. Analysten hatten die Reaktion vorhergesehen und gesagt, die Entscheidung vom Samstag habe Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank verstärkt.

Zuletzt gab die Lira zum US-Dollar wie zum Euro rund 1,5 Prozent nach - ein Dollar kostete 5,71 Lira, für einen Euro gab es 6,42 Lira. Bei der Einführung der neuen Lira Anfang 2005 war diese 1,8 Euro wert. Heuer hat die türkische Währung schon rund 8 Prozent an Wert verloren - nach einer Abwertung um 30 Prozent im Vorjahr. Die türkische Wirtschaft ist Anfang 2019 das zweite Quartal in Folge deutlich geschrumpft.

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Bisheriger Notenbankchef muss gehen

Der bisherige Notenbankchef Murat Cetinkaya, der den Posten seit April 2016 innehatte und bis 2020 bleiben sollte, wurde durch seinen bisherigen Stellvertreter Murat Uysal ersetzt. Die Zeitung "Hürriyet" berichtete am Sonntag, Erdogan habe nach der Entscheidung vor Abgeordneten seiner Regierungspartei AKP gesagt: "Wir haben ihm auf Wirtschaftstreffen immer wieder gesagt, dass er die Zinsen senken soll. Wir haben gesagt, wenn die Zinsen sinken, sinkt auch die Inflation. Er hat aber das Nötige nicht getan."

Deutliche Zinssenkung erwartet

Analysten gehen nun davon aus, dass die türkische Zentralbank in ihrer Sitzung am 25. Juli die Zinsen deutlich senken wird. Die Zentralbank hatte seit September den Leitzins bei 24 Prozent beibehalten, um der Inflation entgegenzuwirken. Die ist seit Oktober von rund 25 Prozent auf rund 15 Prozent gesunken. Erdogan ist entgegen der gängigen Wirtschaftslehre allerdings gegen hohe Zinsen und hatte immer wieder verlangt, sie zu senken.

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Investoren verunsichert

Die Verunsicherung der Märkte und Investoren kommt für die türkische Wirtschaft zur Unzeit. Ein Waffendeal mit Russland hat einen scharfen Konflikt mit den USA ausgelöst. Die Türkei hat von Russland das Raketenabwehrsystem S-400 gekauft, das die USA für ein Sicherheitsrisiko für den NATO-Raum halten. Die ersten Lieferungen sollen schon diese Woche in der Türkei ankommen. Die USA drohen nun mit Sanktionen. Bei einem anderen Konflikt mit den USA im vergangenen Jahr hatten US-Sanktionen die Lira schwer einbrechen lassen.

Der neue Chef der Notenbank hatte am Wochenende versichert, die Bank bleibe unabhängig. Uysal war seit 2016 Stellvertreter an der Spitze der Bank. Eine Pressekonferenz sei "in den kommenden Tagen" geplant. (dpa/Reuters/apa/red)

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