Stahlindustrie

Thyssen und Tata: Gewerkschaft fürchtet massive Nachteile für deutsche Werke

Der indische Stahlriese Tata will offenbar die Gewinne an seinen früheren Standorten weiter voll kontrollieren. IG Metall droht mit Blockade: Es sei möglich, dass allein die deutschen Standorte für die Verluste in England oder den Niederlanden aufkommen müssten.

Deutsche Standorte von Thyssenkrupp könnten mit den Verlusten defizitärer Stahlwerke, etwa von Port Talbot in England (im Bild), belastet werden.

Die IG Metall hat neue Bedenken gegen die Fusion der Stahlsparte von Thyssenkrupp mit Tata Steel und droht mit einer Ablehnung des Deals. Grund hierfür seien Vereinbarungen des Tata-Managements in den Niederlanden mit den dortigen Gewerkschaften, berichtet hier die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" sowie die Nachrichtenagenturen Reuters und dpa.

Diese sähen vor, dass Tata Steel in dem Land weiterhin die Verfügungsgewalt über die erzielten Gewinne behalten solle. "Dieser Sachverhalt ist uns bislang völlig neu. Das ist zu keinem Zeitpunkt von Thyssenkrupp erwähnt worden", sagte Detlef Wetzel, der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von Thyssenkrupp Steel Europe und frühere Gewerkschaftschef, dem Blatt. Sollte sich das als Tatsache erweisen, wäre dies für die Gewerkschaft völlig inakzeptabel. "Unter solchen Voraussetzungen könnten wir dem auf keinen Fall zustimmen."

Die IG Metall befürchtet, dass die deutschen Standorte alleine für mögliche Verluste etwa im britischen Tata-Stahlwerk Port Talbot aufkommen müssten. "Das machen wir nicht mit", sagte der IG- Metall-Gewerkschaftssekretär und Stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats der Thyssenkrupp AG, Markus Grolms.

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Thyssenkrupp schweigt

Thyssenkrupp wollte sich dazu nicht äußern. Der deutsche Konzern hatte aber bereits deutlich gemacht, das die Hausaufgaben nach der fast abgeschlossenen Bücherprüfung nun beim indischen Konzern Tata liegen. So müssten in den Niederlanden und Wales noch Vereinbarungen mit der Mitbestimmung getroffen werden. "Die Führungs- und Finanzstruktur des Joint Ventures muss es von Anfang an möglich machen, dass ein gemeinsames Unternehmen entsteht", sagte eine mit der Situation vertraute Person aus Konzernkreisen gegenüber Reuters.

Politik stellt sich auf die Seite der Gewerkschaft

Rückendeckung bekam die IG Metall von Andreas Pinkwart, dem Wirtschaftsminister des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. "Für uns war immer klar, dass eine Fusion nur auf Augenhöhe und mit gleichen Rechten und Pflichten für beide Partner Sinn macht. Wir gehen daher davon aus, dass dies nach der überzeugenden Bereitschaft auf Seiten von ThyssenKrupp auch von Tata Steel in gleicher Weise sichergestellt wird. Nur so kann es eine für alle Beteiligten akzeptable und damit dauerhaft erfolgreiche Lösung geben", erklärte der FDP-Politiker in Düsseldorf.

Prüfung der Bücher kurz vor dem Abschluss

Wie berichtet steht im Zuge der Megafusion die Prüfung der Bücher - die sogenannte Due Diligence - kurz vor dem Abschluss. Aktuell dazu: Vor Fusion mit Tata: ThyssenKrupp schließt Bücherprüfung ab >>

Eckdaten zur Großfusion

ThyssenKrupp will mit Tata den zweitgrößten Stahlkonzern in Europa mit Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden schmieden. Mit der IG Metall hatte ThyssenKrupp unter anderem eine Beschäftigungsgarantie für die 21.000 Mitarbeiter der Stahlsparte bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung vereinbart. Der Vertrag zwischen TyssenKrupp und Tata soll nach den bisherigen Planungen voraussichtlich im Mai besiegelt werden.

(red/reuters/dpa/apa)