Stahlindustrie

Thyssen: Umbau der Stahlsparte - Unruhe in der Aufzugsparte

Beim deutschen Industrieriesen Thyssenkrupp prüfen gerade Betriesräte und die Gewerkschaft einen neuen Plan zum Umbau der Stahlsparte. Gleichzeitig demonstrieren tausende Mitarbeiter der Aufzugsparte gegen den geplanten Verkauf.

Thyssenkrupp will nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall seine Stahlsparte teilweise neu aufstellen. "Dem Aufsichtsrat wurde ein komplexes Strategie- und Planungspapier vorgelegt. Dieses beinhaltet Investitionsplanungen in erheblichem Umfang, aber auch Restrukturierungsmaßnahmen", sagte der nordrhein-westfälische IG Metall-Chef Knut Giesler.

Das Konzept werde jetzt von der Gewerkschaft und dem Betriebsrat geprüft und mit dem Arbeitgeber diskutiert. "Dabei liegt unser besonderes Augenmerk darauf, wie der angekündigte Umbau des Produktionsnetzwerks sich auf Standort und Beschäftigung auswirkt." Thyssenkrupp wollte sich am Abend dazu nicht äußern.

Stahlsparte: "Wir haben etwas Zeit gewonnen"

Der Konzern kam Giesler zufolge den um ihre Jobs fürchtenden Stahlkochern entgegen, indem er eine Ende Dezember auslaufende Vereinbarung mit weitgehenden Kündigungsschutz für die Zeit der Beratungen verlängerte. "Für diesen Prozess haben wir etwas Zeit gewonnen." Denn es gebe die Zusage, dass der Ergänzungstarifvertrag zum Tarifvertrag "Zukunft Stahl" um mindesten drei und maximal sechs Monate verlängert werde. "Für uns bleibt klar: Am Ende darf der ganze Prozess nicht zu betriebsbedingten Kündigungen führen."

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Diese Woche hatten mehrere Tausend Stahlkocher vor der Zentrale von Thyssenkrupp Steel Europe in Duisburg demonstriert. Sie forderten ein klares Konzept, massive Investitionen und den Schutz für die rund 27.000 Stahlkocher und die Standorte. Thyssenkrupp will weltweit rund 6.000 der etwa 160.000 Jobs streichen, darunter etwa 2.000 beim Stahl.

Tausende Mitarbeiter der Aufzugsparte gehen auf die Straße

Gleichzeitig haben diese Woche vor der Konzernzentrale von Thyssenkrupp in Essen rund 2.500 Mitarbeiter der Aufzugssparte des Industriekonzerns demonstriert. Die Beschäftigten sind beunruhigt, weil Thyssenkrupp sich zumindest von Teilen des profitablen Aufzugsgeschäfts trennen will, um Geld in die leeren Kassen zu bekommen.

Die IG Metall wirft dem Konzern vor, die Arbeitsplätze in der Aufzugssparte zum Spekulationsobjekt zu machen. Die Verhandlungen über einen Zukunftstarifvertrag für die Beschäftigten stockten. Das Management weigere sich beharrlich, die erforderlichen Sicherheiten für Arbeitsplätze und Standorte zu geben.

Was genau passiert, ist noch nicht entschieden

Ob es bei der Aufzugssparte zu einem Börsengang, einem Komplett- oder einen Teilverkauf kommen soll, ist nach Unternehmensangaben noch nicht entschieden.

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"Die Forderungen der IG Metall nach langfristiger Standort- und Beschäftigungssicherheit können wir natürlich verstehen und nehmen sie auch ernst", erklärte der Konzern. Deshalb habe man bereits im Mai eine Grundlagenvereinbarung mit der IG Metall abgeschlossen.

Thyssenkrupp Elevator hat weltweit mehr als 50.000 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von rund 8 Milliarden Euro. (reuters/dpa/apa/red)

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