Digitalisierung

Studie: "Smart Factories" erhöhen die Gewinnmarge um ein Drittel

Die Beratungsfirma Capgemini hat 1.000 Manager von Industriekonzernen in acht Ländern nach ihren Einschätzungen zur Digitalisierung befragt. Wenig überraschend sieht die Mehrheit der Führungskräfte diesen Trend sehr positiv - und erwartet stark steigende Effizienz bei sinkenden Kosten.

Investitionen in sogenannte "Smart Factories" können in den nächsten fünf Jahren die Produktion um 27 Prozent effizienter machen. So lautet das Ergebnis einer Managerbefragung, die die Beratungsfirma Capgemini jetzt veröffentlicht hat. Umgerechnet auf die weltweite Wirtschaftsleistung wären das 500 Milliarden US-Dollar.

Methodik der Untersuchung

Für den Bericht hat die Beratungsfirma Capgemini im Februar und März dieses Jahres etwa 1.000 Führungskräfte in acht Industrieländern befragt, und zwar in den USA, in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Schweden, Italien, Indien und China. Die Befragten seien aus sechs Branchen ausgewählt worden: der Fertigungsindustrie, der Automobilindustrie, der Energie und Versorgung, der Luftfahrtindustrie und Waffenproduktion, der Pharmaindustrie sowie der Konsumgüterindustrie.

Angesichts der Zahl der Befragten im Verhältnis zur Grundgesamtheit ist die Studie alles andere als repräsentativ. Capgemini führt jedoch an, dass es sich um Führungskräfte in Firmen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar handele.

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Das Rennen ist eröffnet

Digitalisierte Fabriken verwenden Technologien wie das Internet der Dinge, Datenanalyse, künstliche Intelligenz und Robotertechnik. Typisch seien etwa vernetzte Roboter, Augmented-Reality-Komponenten und Maschinen, die bei Wartungsbedarf selbständig entsprechende Benachrichtigungen verschicken würden, heißt es in dem Papier.

"Die nächsten fünf Jahre werden entscheidend sein", sagt Michael Danninger, Leiter des bei Capgemini für die herstellende Industrie zuständigen Bereichs. Einige Branchen gehören demnach zu den Vorreitern, darunter etwa die Luftfahrtindustie, der Waffenbau oder die Automobilbranche.

So sollen dem Bericht zufolge in Deutschland 76 Prozent der Hersteller schon heute eine "smarte Fabrik" betreiben oder zumindest planen, bald eine in Betrieb zu nehmen. Allerdings seien trotz der hohen Investitionen "nur zwölf Prozent zufrieden mit ihrem Fortschritt bei der Umsetzung", so Danninger.

Digitalisierung der Industrien im Westen viel weiter als in Asien

Beim Vergleich einzelner Länder zählen die Studienautoren die USA und Westeuropa zu den "frühzeitigen Anwendern". Diese Länder seien bereits weit gekommen: "In den USA, Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich hat bereits die Hälfte der Befragten intelligente Fabriken umgesetzt." Ganz im Gegensatz zu den Ländern Asiens. So gaben in Indien 28 Prozent und in China 25 Prozent der Befragten an, schon smarte Fabriken eingeführt zu haben.

Eine Trennung ist demnach auch zwischen den Branchen zu erkennen: 67 Prozent der Betriebe in der Fertigungsindustrie und 62 Prozent der Hersteller aus Luftfahrt und Waffenproduktion haben Pläne für smarte Fabriken. Dagegen geben in der Pharmaindustrie nur etwa 37 Prozent der Befragten an, digitale Technologien in der Produktion zu nutzen.

Das Ziel: Eine steigende Rendite

Als großen Vorteil der Digitalisierung nennen die Studienautoren die stark sinkenden Kosten. Sie erwarten, dass beispielsweise ein durchschnittlicher Automobilhersteller seine Gewinnmarge mit der Digitalisierung um 36 Prozent steigern könnte.

Grégoire Ferré, der die Digitalisierung des französischen Autozulieferers Faurecia verantwortet, meint dazu, den größten Erfolg gebe es dort, wo Arbeiter "Hand in Hand" mit Maschinen arbeiten. Faurecia nutze Roboter dort, wo es ergonomische Herausforderungen gebe, so Ferré: "Damit geben wir den Arbeitern Zeit, sich auf andere Aufgaben zu konzentrieren."

Roboter als häufigster Grund für Kündigungen

Oder einfach gleich ganz der Fabrik fern zu bleiben. Denn über diesen wohl größten Vorteil der umfassenden Digitalisierung reden Firmenchefs sehr ungern: Mit den schlauen Maschinen lässt sich ein hoher Anteil an Mitarbeitern komplett einsparen - und ihre hohen Lohnkosten ebenfalls.

Was vor kurzem noch klang wie übertriebene Ängste der Gewerkschaften, wird inzwischen von einer Mehrheit der Manager beinhart bestätigt.

Das zeigt eine aktuelle Studie mit dem Titel "Global CEO Survey" des Beratungsunternehmens PriceWaterhouseCoopers (PwC), aus der die "Presse" zitiert. Demnach geben in Österreich 88 Prozent aller Firmenchefs an, bei den im Jahr 2017 geplanten Mitarbeiterkündigungen seien neue Roboter und künstliche Intelligenz der ausschlaggebende Grund.

(red)

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