Stahlindustrie

Salzgitter fordert Geld vom Staat für die Senkung der Abgase

Der deutsche Stahlriese fordert von der öffentlichen Hand Hilfe bei der Umstellung auf Produktionsverfahren, die weniger umweltschädlich sind. Nur mit Anschubfinanzierung könnte die Stahlindustrie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, so Konzernchef Fuhrmann.

Der Salzgitter-Konzern fordert politische und finanzielle Hilfe für die Umstellung der Stahlproduktion auf klimafreundlichere Verfahren. "Die Stahlindustrie ist zwar in der Lage, einen substanziellen eigenen finanziellen Beitrag zur CO2-Minderung unserer Gesellschaft zu leisten, aber ohne eine öffentliche Anschubfinanzierung wird das nicht umzusetzen sein", so Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann.

"Grenzausgleich denkbar"

Mit dem entsprechenden politischen Willen könne viel bewegt werden, sagte Fuhrmann der Zeitung "Welt" und verwies auf andere Subventionsfälle. "Airbus ist auch anschubfinanziert worden und zig andere ebenfalls. Batteriezellen-Fabriken zum Beispiel werden bezuschusst, Braunkohlegebiete sogar in einem ganz hohen Maße."

Auch auf EU-Ebene könne der Einsatz von "grünem Stahl" gefördert werden, sagte der Salzgitter-Chef. Denkbar sei ein "Grenzausgleich": "Dabei ist auf Import-Stahl mit großem CO2-Rucksack so viel Aufschlag zu zahlen, so dass er preislich mit dem klimafreundlich produzierten Stahl aus Deutschland und Europa gleichgestellt ist."

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Der Direktor der Denkfabrik Agora Energiewende, Patrick Graichen, sieht nach Angaben des Blattes auch die Verbraucher in der Pflicht. "Denkbar ist auch eine Klimaumlage für die Konsumenten", sagte er der "Welt". "Letztlich wäre das wie ein Grüner-Punkt-System, nur in diesem Fall nicht zur Finanzierung des Recyclings von Verpackungsmüll, sondern zur Förderung von grünem Stahl."

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Der Weg zur klimaneutralen Produktion in der Stahlindustrie ist technisch besonders anspruchsvoll. In den Hochöfen werden große Mengen Kohle bei der Rohstahlerzeugung eingesetzt. Sie müssen bis 2050 weitgehend durch Wasserstoff ersetzt werden. Für die deutsche Stahlindustrie bedeutet die Umstellung nach früheren Angaben ihres Branchenverbands einen zusätzlichen Strombedarf von mindestens 130 Terawattstunden im Jahr. Rund 12.000 Windräder an Land seien nötig, um so viel grünen Strom zu erzeugen.

Für die ohnehin unter Druck aus Asien stehenden deutschen Stahlkonzerne ist das eine riesige Herausforderung. Allein bei der Rohstahlerzeugung seien Investitionen von rund 30 Milliarden Euro erforderlich, schätzte unlängst die Wirtschaftsvereinigung Stahl. (dpa/apa/red)

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