Baustoffe

RHI Magnesita: Derzeit keine Schließungen in Österreich geplant

Die Fusion von RHI mit Magnesita könnte für die Werke in Österreich von Vorteil sein, sagt Konzernchef Stefan Borgas. Der Feuerfestkonzern meldet außerdem mehr Umsatz und Gewinn, aber zugleich auch Probleme bei der Rohstoffversorgung aus China.

Der börsennotierte Feuerfestkonzern RHI hat im ersten Quartal 2017 mehr Umsatz und Gewinn erzielt. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 7,5 Prozent auf 418,8 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) lag mit 32,6 Mio. Euro um 20,3 Prozent über dem Vorjahr. Der Quartalsgewinn nach Steuern stieg um 25 Prozent auf 18,5 Mio. Euro, teilte das Unternehmen mit. Weitere Zahlen hier am Ende dieses Artikels.

Fusion mit Magnesita in Arbeit

Zum geplanten Zusammenschluss mit Magnesita wurden Ende März in Brasilien und Anfang Mai in Europa bei den Wettbewerbsbehörden die kartellrechtlichen Genehmigungen beantragt. Voraussichtlich Ende des ersten Halbjahres 2017 werde man mehr über die Ergebnisse der Verfahren wissen. Auf Basis der Jahresabschlüsse für das Geschäftsjahr 2016 beliefen sich die summierten Umsätze von RHI und Magnesita auf rund 2,5 Mrd. Euro.

"Gehen davon aus, dass Österreich von Schließungen nicht betroffen ist"

Für die Werke in Österreich sollte der Zusammenschluss mit Magnesita eher ein Vorteil sein. RHI sei "noch tief in der analytischen Phase", was Werksschließungen nach der Fusion betreffe, so Konzernchef Stefan Borgas. Wie früher bekannt gegeben, gelte demnach weiterhin die Schätzung, dass fünf bis zehn Werke geschlossen werden könnten.

"Wir gehen davon aus, dass Österreich von echten Schließungen nicht betroffen ist" sagte Borgas in einer Telefonkonferenz. Er fügte jedoch hinzu, dass derzeit noch nicht endgültig klar sei, welche Standorte es treffen werde.

Mögliche Vorteile für Werke in Österreich

Produktion, die woanders ausfalle, müsse in den restlichen Werken ergänzt werden, so Firmenchef Borgas. Darum könnten sich die österreichischen Werke Vorteile ausrechnen. In Summe soll die durchschnittliche Auslastung der Werke von derzeit unter 70 Prozent auf künftig 80 bis 85 Prozent steigen. In einigen Werken könnten zusätzliches Personal oder auch eine zusätzliche Schicht nötig werden. Auch das mit Magnesita größere Vertriebsnetz sollte den Verkauf stützen, insbesondere für Spezialprodukte aus Österreich.

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Strategie in China noch offen

Sobald der Zusammenschluss mit Magnesita über die Bühne gegangen ist, will RHI über die weitere Entwicklung des Marktes China entscheiden, den "größten Feuerfest-Markt der Welt". Noch habe RHI nur einen "relativ kleinen Vertrieb" in China und eine lokale Produktion, die eher auf Exporte ausgerichtet ist. Um in China Fuß zu fassen, werde man Forschung zur Entwicklung lokaler Produkte brauchen. Werke müsse man nicht unbedingt zukaufen, angesichts großer Leerkapazitäten sei auch eine Anmietung denkbar.

Aktuelle Versorgungsprobleme wegen China

RHI kämpft mit Versorgungsproblemen: Im abgelaufenen Quartal ergaben sich Unsicherheiten infolge einer Verknappung der Versorgungssituation an Feuerfestrohstoffen in China. Um Umwelt- und Sicherheitsstandards zu verbessern führten chinesische Behörden verschärfte Auflagen ein.

Dies habe dazu geführt, dass im abgelaufenen Quartal viele lokale Hersteller von Schmelz- und Sintermagnesia ihre Produktion vollständig einstellen mussten, dadurch steigen derzeit die Marktpreise.

"Wann eine Entspannung eintritt, kann momentan nicht abgeschätzt werden. Aufgrund der unsicherer werdenden Versorgungssituation aus China werden im RHI Konzern laufend die Versorgungskonzepte angepasst", heißt es in der Unternehmensmitteilung.

Wechsel an die Börse in London "frühestens" im November

Der vom RHI-Management angestrebte Wechsel aus dem Leitindex ATX der Wiener Börse an die Börse London könnte im besten Fall im November geschehen, sagte RHI-Chef Stefan Borgas. Zugleich würde die RHI in Wien in den dritten Markt wechseln. Dazu  bedarf es jedoch noch der Zustimmung der Kartellbehörden in Brasilien und Brüssel.

Die endgültigen Unterlagen zum Zusammenschluss seien nun eingereicht, man wisse aber trotz intensiver Vorgespräche noch nicht, wie die Kartellbehörden reagieren werden. "Da kann noch einiges passieren", so Borgas. Auch zeitlich sei eine Genehmigung im Juli lediglich der "best case".

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Gründe für eine Listung in London

Nach London wolle der neue Konzern, weil es dort wesentlich mehr Liquidität und mehr Interesse von Analysten gebe. Konkurrent Vesuvius etwa werde in London von 14 Analysten bewertet, die RHI komme nur auf sieben professionelle Beobachter. Die schärferen Regeln (Corporate Governance) würden gerade die Kleinaktionäre besser schützen, erwartet Borgas.

Parallel zu London bleibe RHI am Dritten Markt in Wien gelistet, "damit sich für Kleinaktionäre praktisch nichts ändert", insbesondere auch keine höheren Gebühren anfallen. Beim Wechsel nach London werde der Startkurs der in Pfund umgerechnete Schlusskurs von Wien sein, mittelfristig erhofft sich RHI aber aus dem höheren Interesse steigende Aktienkurse.

Weitere Quartalszahlen

Der Absatz des RHI-Konzerns erhöhte sich im ersten Quartal gegenüber der Vergleichsperiode 2016 um 4,8 Prozent auf rund 483.000 Tonnen.

Die Division Stahl verzeichnete einen Anstieg von 5,3 Prozent wegen höherer Auslieferungen in Europa, Nordamerika, Afrika sowie dem Nahen Osten. Der Absatz der Division Industrial wuchs um 10,4 Prozent aufgrund einer besseren Entwicklung der Nachfrage in fast allen Geschäftsbereichen.

Das Eigenkapital betrug zum Stichtag 31. März 555,0 Mio. Euro, die Eigenkapitalquote lag bei 30,5 Prozent. Die Nettoverschuldung verringerte sich geringfügig von 332,8 Mio. Euro zu Jahresende 2016 auf 325,2 Mio. Euro per Ende März. Zum Ende des abgelaufenen Quartals waren 7.460 Mitarbeiter beschäftigt.

(red/apa)