Stahlindustrie

Produktion von Rohstahl wegen Dumpingpreisen unter Druck

Stahlhersteller in Deutschland produzieren deutlich weniger Rohstahl. Nach einem Minus von einem knappen Prozent in 2015 rechnen Fachverbände für heuer mit einem Rückgang von drei Prozent. Als zentraler Grund werden die Dumpingpreise bei Stahl aus China genannt.

Der Rückgang der deutschen Stahlproduktion hat sich im Dezember 2015 fortgesetzt. Die Branche um Thyssenkrupp und Salzgitter erzeugte acht Prozent weniger als im Dezember 2014. Im November 2015 hatte das Minus im Vergleich zum Vorjahresmonat noch rund 3 Prozent betragen.

Minus 0,6 Prozent in 2015, minus drei Prozent in 2016

Insgesamt produzierten die Stahlhütten im vergangenen Jahr 42,7 Millionen Tonnen Rohstahl. Sie kamen damit "ein knappes Prozent unter dem Vorjahreslevel aus", wie die Wirtschaftsvereinigung Stahl hier mitteilt. Die Hersteller kämpfen seit Jahren mit einer schwächelnden Nachfrage, Preisdruck, Überkapazitäten und chinesischen Billigimporten. Die Schwerindustrie beschäftigt in Deutschland rund 90.000 Mitarbeiter.

Für 2016 rechnet der Verband mit Rückgängen im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Die Rohstahlproduktion in der Bundesrepublik werde voraussichtlich um drei Prozent auf 41,5 Millionen Tonnen sinken, hatte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung, Hans Jürgen Kerkhoff, bereits im Dezember 2015 prognostiziert.

Chinesen unterbieten europäische Selbstkosten

Für die zu erwartenden Rückgänge in 2016 seien vor allem die Importe aus China verantwortlich, so eine Sprecherin der Wirtschaftsvereinigung Stahl gegenüber der dpa. Sie sprach von "Dumpingpreisen", mit denen die chinesischen Stahlproduzenten auf die Märkte in Europa drängen würden. Der Fachverband hat bereits zuvor mehrfach auf Billigimporte aus China hingewiesen.

Aus Europa kamen in den letzten Wochen immer wieder Forderungen nach Schutzmaßnahmen gegen die Dumpingpreise. "Die EU muss Maßnahmen gegen unfaire Handelspraktiken ergreifen", forderte etwa Ende Dezember der Deutschlandchef von Arcelormittal, Frank Schulz. "Wir haben eine massive Belastung des Stahlmarktes in Europa", so Schulz gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Die Verkaufspreise von chinesischem Stahl sind zuletzt immer weiter gefallen - und das sogar unterhalb der europäischen Produktionskosten.

Was die Aussichten für 2016 angeht, so erwarten auch andere Vertreter der deutschen Stahlbranche für 2016 eher ein Nullwachstum für ihre Branche. "Wenn's gut läuft, gehe ich allenfalls von einer Seitwärtsbewegung aus", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger, im Dezember 2015 zur dpa. Eine Prognose sei schwierig, weil der Konjunkturverlauf "mehr in der Hand der Notenbanken liegt als in der Hand der Kunden und der Hersteller".

Stahlproduktion geht weltweit zurück

Auch bei nichtrostendem Stahl ist weltweit die Erzeugung in den ersten drei Quartalen 2015 gegenüber dem selben Zeitraum des Vorjahres um einen halben Prozent gesunken. Das teilt der in Brüssel ansässige Interessensverband International Stainless Steel Forum (ISSF) mit.

Laut den Daten des ISSF war die Entwicklung in den einzelnen Regionen der Welt relativ ungleich verteilt. So war der Rückgang in Mitteleuropa und Osteuropa mit über sieben Prozent am stärksten. Die Produktion in China legte leicht um 0,7 Prozent zu, die Produktion in den beiden Kontinenten Amerikas erreichte sogar ein Plus von 2,3 Prozent - bleibt allerdings weiter auf einem vergleichsweise bescheidenen Niveau. Genauere Daten zu den Regionen der Welt sind vorerst nicht verfügbar.

Stahlproduktion in China soll sinken

Für China erwartet zugleich ein staatliches chinesisches Institut für Industriestuden, dass die Produktion von Rohstahl im kommenden Jahr deutlich sinken wird. Grund seien die enormen Überkapazitäten. Mehr zu dieser Prognose hier. (red/dpa/reuters/apa)