Opel-Verhandlungen

Opel und Peugeot könnten Kleinwagen gemeinsam produzieren

Opel könnte mit Peugeot bei Kleinwagen nach dem gleichen Muster sparen, so ein Insider: Das Modell "Corsa" könnte in Zukunft auf einer Plattform von Peugeot produziert werden. Damit wächst die Sorge um das PSA-Werk in Villaverde in Spanien.

Der Opel-Corsa könnte Insidern zufolge unter dem Dach des künftigen Mutterkonzerns PSA künftig auf der gleichen Plattform gebaut werden wie die passenden Kleinwagen von Peugeot und Citroen. Die Architektur von Corsa, Peugeot 208 und Citroen C3 solle auf Basis von PSA-Technologie vereinheitlicht werden, sagten mehrere mit den Überlegungen Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters.

PSA-Chef Carlos Tavares habe diesen Plan auf der Vorstandssitzung am Mittwoch vorgestellt. Das wäre eines der Projekte für die von PSA angepeilten Einsparungen durch einheitliche Plattformen, falls die Übernahme von Opel Wirklichkeit werde. Tavares hatte erklärt, es ließen sich in der Produktion ziemlich schnell deutliche Kostensenkungen umsetzen. Details nannte er jedoch nicht.

Erst mit der übernächsten Generation "Geschwister"

Bei einer gemeinsamen Plattform sind viele Teile der Fahrzeuge gleich, vor allem nicht direkt sichtbare wie Bodenplatte oder Auspuffanlage, oft auch der Motor. Ihren eigenen Charakter erhalten die Autos dann durch die Karosserie und den Innenausbau. Die Peugeot-Kleinwagen könnten aber erst mit der übernächsten Generation des Corsa um 2025 herum Geschwister werden, denn die Neuauflage des absatzstarken Opel-Klassikers ist schon weit entwickelt. Wie Opel im Dezember bekannt gab, soll er ab 2019 im spanischen Saragossa vom Band laufen. Der bisherige Corsa-Produktionsstandort Eisenach soll dann den Nachfolger des Mokka produzieren.

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Eine gemeinsame Kleinwagen-Plattform ist kein ganz neues Projekt: Die Opel-Mutter General Motors und PSA planten eine solche bereits 2012. Das Projekt sei damals gescheitert, weil GM Größenvorteile durch eine stärkere Vereinheitlichung mit Chevrolet-Modellen erreichen wollte, wie PSA-Entwicklungschef Gilles Le Borgne erklärte. Auf die neue Lage im Fall einer erfolgreichen Übernahme von Opel könnten sich seine Ingenieure rasch einstellen. "Es wäre dumm, den nächsten Zyklus zu verpassen", ergänzte er.

Die große Frage ist, wie sich eine neue Plattformstrategie für die Kleinwagen auf die Beschäftigung an den fünf betroffenen Standorten auswirken wird. Neben Opel in Eisenach und Saragossa sind das auf Seiten von PSA die beiden französischen Werke in Poissy und Mulhouse sowie die Fabrik im slowakischen Trnava. Bisher hat sich PSA dazu bekannt, bestehende Zusagen zu Standorten und Beschäftigung einzuhalten, die bis 2020 gelten. "Darüber werden wir zu einem späteren Zeitpunkt reden", sagte ein PSA-Sprecher.

Nach Informationen von Insidern peilt Tavares durch die Übernahme jährlich bis zu 2 Mrd. Euro Einsparungen an. Das wird nach Einschätzung von Analysten unweigerlich mit einem Arbeitsplatzabbau einhergehen. So erwartet Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI den Wegfall von mindestens 5.000 Jobs in der Produktion und die Schließung von drei Werken bis 2021. Das könnte die Werke mit der niedrigsten Auslastung betreffen: Eisenach, den Vauxhall-Standort Ellesmere Port sowie das PSA-Werk im spanischen Villaverde.

Standort in Spanien nicht ausgelastet

"Die Arbeiter in Villaverde machen sich Sorgen, der Standort ist nicht ausgelastet", hieß es in spanischen Gewerkschaftskreisen. Doch hoffen die Arbeitnehmer, dank der vergleichsweise niedrigen Lohnkosten ungeschoren davonzukommen.

Analysten schätzen, dass die Fabrik mit ihren 1.700 Arbeitern, die den Citroen C4 Cactus bauen, nur zu 40 Prozent ausgelastet ist. PSA wollte sich zu den Befürchtungen und den Zahlen nicht äußern. Wie bei Opel in Eisenach kam es auch in Villaverde im vorigen Jahr zu Kurzarbeit. Die Cactus-Produktion könnte PSA nach Saragossa oder ins PSA-Werk Vigo verlegen.

Die beiden Standorte sammeln bereits Erfahrung mit bestehenden Gemeinschaftsprojekten von Opel und PSA. So wird im spanischen Opel-Werk noch in diesem Jahr der Citroen C3 Picasso gefertigt, in Vigo soll der Kleintransporter Opel Combo vom Band laufen.

Während in Deutschland und Großbritannien die Regierungschefinnen Angela Merkel und Theresa May persönlich das Gespräch mit Tavares über die Zukunft der Opel- und Vauxhall-Standorte einschalten, hielt sich die spanische Regierung bisher zurück.

Autoindustrie ist für Spanien sehr wichtig

Die Autoindustrie macht zehn Prozent der Wirtschaftsleistung Spaniens aus. Ein Sprecher des Industrieministeriums in Madrid erklärte, die Regierung habe gute Beziehungen zu beiden Autobauern. Die Folgen einer Übernahme seien bisher nicht angesprochen worden. (reuters/apa/red)

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