Holzindustrie

Nach Unwettern: Wälder in Norditalien voll mit Schadholz

Für Österreichs Holzbau und die Holzindustrie gehört Italien zu den wichtigsten Handelspartnern. Nach verheerenden Unwettern des Vorjahres liegen riesige Mengen Holz in den Wäldern Norditaliens.

Genau ein Jahr nach den schweren Unwettern, die riesige Wälder in den norditalienischen Regionen Trentino Südtirol, Friaul, Venetien und Lombardei verwüstet haben, liegen noch 60 Prozent der rund 14 Millionen gefallenen Bäume am Boden. Riesige Holzmengen sind noch auf einer Fläche von 41.000 Hektar verstreut, schätzt der italienische Bauernverband Coldiretti.

Wichtigster Auslandsmarkt für Österreichs Holzbauindustrie

Italien ist der wichtigste Auslandsmarkt der international sehr erfolgreichen österreichischen Holzbauwirtschaft. Im Rückblick: Italien investiert Milliarden in erdbebensicheres Bauen >>

Aus Österreich importiert Italien 20 Prozent seines Holzbedarfs. Holz und Möbel im Wert von 1,2 Mrd. Euro wurden 2018 aus Österreich nach Italien exportiert, geht aus einem Bericht des österreichischen Außenwirtschaftscenter Mailand hervor. Österreich ist Italiens wichtigster Lieferant für den Rohstoff Holz (144,5 Mio. Euro), von Holzerstverarbeitungen (493,6 Mio. Euro) und Baumaterialien (215,3 Mio. Euro). Der Anteil der Holz-und Möbelindustrie am gesamten italienischen Produktionsumsatz belief sich 2018 auf 4,7 Prozent.

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"Ein Jahr nach der Tragödie droht dieses noch herumliegende Schadholz, das ökologische Gleichgewicht in breiten Berggebieten zu gefährden. In den Bergen fehlen Bäume, die den Boden stabilisieren. Bei starken Regenfällen kommt es daher häufiger zu Erdrutschen. Man muss auch die Auswirkungen des Bäume-Einsturzes auf die vielen Tiere bedenken, die in den Wäldern wohnen", betonte der Coldiretti-Verband in einem Bericht.

Orkanartige Winde schlugen am 29. Oktober 2018 wie ein Tornado breite Schneisen der Verwüstung in die Dolomiten-Wälder und knickten tausende Bäume wie Streichhölzer. Tagelange Niederschläge hatten den Boden aufgeweicht. Winde mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h vernichteten ganze Waldteile. Zerstört wurde auch ein beträchtlicher Teil des Waldes von Paneveggio in der Dolomiten-Gemeinde San Martino di Castrozza im Osten der Provinz Trient. Hier waren Tannen zu finden, deren Holz sich besonders zum Bau von Musikinstrumenten wie Geigen eignet. Hotels mussten repariert und Skipisten von Geröll und Baumstämmen befreit werden.

Neben den Umweltschäden sind die betroffenen Gebiete auch mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert. Private Waldeigentümer müssen selber für die Entfernungskosten der gefallenen Bäume und die Wiederaufforstung aufkommen. Schadholz wird zu Schleuderpreisen verkauft. Große Probleme gibt es auch mit Schädlingen wie den Borkenkäfern. Von diesen Insekten befallene Fichten müssten schnell aus dem Wald entfernt werden, weil sie sich in rasender Geschwindigkeit auf Nachbarbäume ausbreiten.

Welchen Ausweg gibt es aus dieser Lage? Die betroffenen Gemeinden arbeiten an einem Plan, der die Aufforstung mit lokalen Baumarten vorsieht. Diese sind dank tieferer Wurzeln besser in der Lage, auch extremen Niederschlägen Stand zu halten. Hinzu will man den Kauf von Schadholz fördern, sodass größere Mengen von herumliegendem Holz entfernt werden sollen. Die Wälder dürfen nicht mehr vernachlässigt werden, forderte Coldiretti.

"In Italien besteht viel Raum für einen Neubeginn der Aufforstung. Italien importiert 80 Prozent des Holzes, das für seine Möbel- oder Papierindustrie, sowie zur Heizung notwendig ist. Das entspricht einem Betrag von vier Milliarden Euro. Italiens Holzindustrie ist die stärkste Europas, doch das dafür notwendige Holz stammt aus Nachbarländern wie Österreich, Frankreich und der Schweiz", kritisierte Coldiretti. (apa/red)

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