Bahnindustrie

Massiver Druck aus China auf österreichischen Weltmarktführer Plasser&Theurer

Der in Wien, Linz und Niederösterreich ansässige Hersteller von Bahnbaumaschinen meldet für das Vorjahr einen Gewinneinbruch. Grund ist der massiv gestiegene Konkurrenzdruck aus China - der sich "mit hoher Unterstützung" aus Peking noch weiter verschärfen dürfte. Trotzdem sei das jüngste Ergebnis "zufriedenstellend", hieß es.

Der Bahnbaumaschinen-Hersteller Plasser&Theurer mit Firmenzentrale in Wien und Stammwerk in Linz hat 2017 wegen der Konkurrenz aus China einen Gewinneinbruch erlitten. Das Betriebsergebnis ging gegenüber 2016 um fast 24 Mio. Euro - von 29,3 auf 5,5 Mio. Euro - zurück. Zum Vergleich: In den Jahres 2014 bis 2012 lagen die Betriebsgewinne noch in der Größenordnung von ungefähr 50 Mio. Euro jährlich.

Chinesische Firmen bekommen massive Unterstützung direkt aus Peking

Plasser&Theurer bekam im Vorjahr einen massivem Konkurrenzdruck aus China zu spüren. "Chinesische Unternehmen drängen mit hoher wirtschaftlicher und politischer Unterstützung der Regierung auf die internationalen Märkte und lösen damit einen Preiskampf mit hohem Druck auf die Margen aus", erklärte das Unternehmen auf APA-Anfrage. "Diese Entwicklung dürfte sich in den kommenden Jahren noch verschärfen."

Nach mehreren Jahren des Umsatzwachstums waren die Erlöse 2017 erstmals rückläufig. Der Umsatz sank um rund 10 Prozent auf 522 Mio. Euro. Die durchschnittliche Mitarbeiteranzahl des in Familienbesitz stehenden Unternehmens stieg hingegen von 1.806 auf 1.904.

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Investitionen für technologischen Vorsprung

In der der APA übermittelten Stellungnahme kündigte Plasser&Theurer an, mit einem gezielten Maßnahmenpaket auf die Konkurrenz aus China zu reagieren. Einerseits will das Unternehmen seine Kostenstruktur verbessern, anderseits soll der technologische Vorsprung durch ein Investitionsprogramm abgesichert werden.

Kein Zweifel an Standorten in Österreich

An den Werken in Österreich hält Plasser&Theurer aber fest: "Die Eigentümerfamilie bekennt sich zum Produktionsstandort Österreich - der Großteil der Investitionen fließen demnach in den Ausbau von Know-how, Produktionskapazitäten und technischen Optimierungen am Standort Österreich." Neben dem Stammwerk in Linz hat Plasser&Theurer auch eine Produktionsstätte in Purkersdorf, Niederösterreich.

Dank eines Gewinnvortrags von über 222 Mio. Euro schloss Plasser&Theurer 2017 mit einem Bilanzgewinn in ähnlicher Höhe ab, geht aus der im Firmenbuch veröffentlichten Konzernbilanz hervor. Davon wurde aber wie schon im Jahr davor nichts an die drei Gesellschafter der Familie Max-Theurer ausgeschüttet. Nach Steuern stand 2017 unterm Strich ein Gewinn von 4,9 Mio. Euro, 2016 waren es 51,7 Mio. Euro.

"Sehr schwieriges Marktterrain" in China, Indien und Staaten der GUS

Im Lagebericht zum Jahresabschluss heißt es, 2017 sei ein "mäßig erfolgreiches Jahr in China" gewesen. Reorganisationen und Chinas Einsparungspolitik würden keinen positiven Ausblick erlauben. In Indien gebe es zwar Wachstumspotenzial - in den nächsten fünf bis zehn Jahren sollen bis zu 2.500 Maschinen neu ausgeschrieben werden - "die indische Eisenbahn gibt allerdings die Einkaufsbedingungen und Preise vor", berichtete Geschäftsführer Johannes Max-Theurer. Auch in den GUS-Staaten "herrscht derzeit ein sehr schwieriges Marktterrain für Plasser&Theuer und seine Partner".

"Ein zufriedenstellendes Ergebnis" - trotz allem

"Trotz dieser schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Plasser&Theurer in Asien konnte der Konzern ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen", erklärte Max-Theurer. Dem Lagebericht zufolge sahen die Prognosen für das laufende Jahr 2018 positive Wachstumsraten vor. "Dem allgemeinen Wirtschaftstrend folgend hat sich die Auftragslage für Plasser&Theurer verbessert".

Knapp die Hälfte der Umsätze in der EU

Der Traditionsbetrieb der österreichischen Bahnindustrie ist extrem exportorientiert. Plasser&Theurer erwirtschaftete 2017 im Inland lediglich 31,4 von 521,9 Mio. Euro, 228 Mio. Euro Umsatz kamen aus der EU, 262,5 Mio. Euro aus Drittländern. Asien hatte beim Einbaugarnituren-Umsatz wie schon 2016 den größten Anteil, gefolgt von Europa. (apa/red)

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