Gasindustrie

Linde profitiert von Konjunkturerholung

Rasante Zuwächse im zweiten Quartal geben dem weltgrößten Industriegase-Hersteller Linde noch mehr Zuversicht für das laufende Jahr.

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Vorstandschef Steve Angel stellte für den amerikanisch-deutschen Konzern am Freitag einen um Sondereffekte bereinigten Gewinn von 10,10 bis 10,30 Dollar (8,5 bis 8,7 Euro) je Aktie in Aussicht; das wäre bis zu ein Viertel mehr als 2020. Erst im Mai hatte er die Gewinnprognose auf 9,60 bis 9,80 Dollar je Aktie erhöht.

Die neue Zielmarke entspricht einem bereinigten Gewinn von mindestens 5,3 Milliarden Dollar. "Das Unternehmen wird auch 2021 ein weiteres herausragendes Jahr liefern", erklärte Angel. Allein im zweiten Quartal sprang das operative Ergebnis um 39 Prozent auf 1,84 Mrd. Dollar, der Nettogewinn legte sogar um 41 Prozent auf 1,42 Mrd. Dollar zu und übertraf damit Angels Erwartungen deutlich.

An der Frankfurter Börse legte die im Leitindex DAX enthaltene Linde-Aktie nur leicht um 0,3 Prozent auf 252,55 Euro zu.

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Linde profitierte von der deutlichen Erholung der Konjunktur in vielen Teilen der Welt. Insgesamt schnellte der Umsatz um 19 Prozent auf 7,6 Mrd. Dollar nach oben. Die Preise zogen um vier Prozent an, das Absatzvolumen legte um 15 Prozent zu. Am stärksten war der Umsatzzuwachs eigentlich in Europa, dem Nahen Osten und Afrika mit 25 Prozent, wegen des stärkeren Euro blieb davon in Dollar aber nur ein Plus von 16 Prozent übrig. In Nord- und Südamerika sind die Margen weiterhin am höchsten. Die größten Zuwachsraten verzeichneten die produzierende Industrie und die Metallbranche. Im vergangenen Jahr hatten medizinische Gase und Kunden aus der Elektronikbranche die Coronakrise abgefedert.

Im Anlagenbau von Linde, der in München angesiedelt ist, gingen Umsatz und operativer Gewinn dagegen im zweiten Quartal um rund ein Fünftel zurück, weil weniger Anlagen fertiggestellt wurden. Der Konzern verwies aber auf einen Auftragsbestand für Anlagenbau-Projekte von 4,1 Mrd. Dollar; dazu kommen Gas-Aufträge über 3,4 Mrd. Dollar.

Angel hat den Konzern seit der Fusion von Praxair und Linde auf Effizienz getrimmt. In Deutschland waren kürzlich Pläne für einen weiteren Stellenabbau bekannt geworden. Insidern zufolge sollen bis Ende 2022 rund 500 der 6000 Arbeitsplätze wegfallen, die meisten davon in den Gase-Abfüllanlagen. Bereits 2020 hatte Linde in Deutschland gut 800 Stellen gestrichen. (apa/reuters)