Luftfahrtindustrie

Krise bei Boeing: Produktion des 737 Max vorübergehend gestoppt

Boeing gerät wegen der Folgen der Abstürze des einstigen Erfolgsmodells 737 Max immer stärker unter Druck - und seine Zulieferer auch. Nach Kosten von rund neun Milliarden Dollar stoppt der Flugzeugbauer jetzt die Produktion komplett.

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Boeing gerät immer tiefer in den Strudel des Skandals um das Unglücksmodell 737 Max. Weil die US-Luftfahrtbehörde FAA eine Wiederzulassung des Fliegers für dieses Jahr ausschließt, stoppt Boeing die Fertigung der 737 Max ab Jänner vorübergehend komplett. Für den Airbus-Rivalen ist es die größte Produktionsunterbrechung seit mehr als 20 Jahren.

Auswirkungen auf Zulieferer und gesamte US-Wirtschaft

Die 737 MAX war der Hoffnungsträger für Boeing. Die Stilllegung und der Produktionsstopp sind ein Desaster für den Konzern. Zum ersten Mal seit über 20 Jahren muss der Flugzeugbauer die Arbeiten in den Fertigungshallen der Modellreihe ruhen lassen. 1997 hatten Probleme bei Lieferketten einen Produktionsstopp der 737 und der 747 zur Folge.

Die Entscheidung dürfte auch Auswirkungen auf Zulieferer und Fluggesellschaften sowie die US-Wirtschaft haben. Der Kongressabgeordnete Rick Larsen, der den Bundesstaat Washington im US-Repräsentantenhaus vertritt, sprach von einem schweren Schlag für die Mitarbeiter von Boeing und die Wirtschaft in der Region. "Die einzige Rettung ist, dass die Führungsmannschaft von Boeing versprochen hat, keine Mitarbeiter zu entlassen", sagte er.

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In der 737-Max-Produktion in Renton in der Nähe von Washingtons größter Stadt Seattle beschäftigt der Flugzeugbauer rund 12.000 Mitarbeiter. Die 737 Max ist seit März aus dem Verkehr gezogen, nachdem bei zwei Abstürzen in Indonesien und Äthiopien 346 Menschen innerhalb von fünf Monaten ums Leben kamen.

Milliardenkosten

Boeing kosteten die Folgen der Tragödie bisher mehr als neun Milliarden Dollar (8,1 Mrd. Euro). Trotz des Startverbots hatte Boeing die Fertigungsrate nur leicht auf 42 von zuvor 52 Flugzeuge des Typs monatlich gedrosselt. Die Auslieferungen liegen auf Eis, bis der einstige Boeing-Kassenschlager wieder eine Starterlaubnis erhält. Etwa 400 Maschinen sind derzeit auf Lager.

Boeing-Aktien notierten am Dienstag vorbörslich 1,3 Prozent schwächer. Die Anteilsscheine der größten europäischen Zulieferer Safran und Senior brachen dagegen in der Spitze um vier beziehungsweise um rund neun Prozent ein, während Airbus-Aktien leicht zulegten. Die Analysten der Credit Suisse erklärten, es sei schwer, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Entscheidung von Boeing einzuschätzen, ohne mehr über die Dauer des Produktionsstopps und die Lieferbedingungen zu wissen. Andere Experten sagten, dieser Schritt sei unvermeidlich gewesen. "Es ist keine Überraschung, dass sie keine Flugzeuge mehr herstellen, die kein Zuhause haben", sagte Adam Pilarski von der US-Beratungsfirma Avitas.

Auswirkungen auch auf Fluggesellschaften

Auch die Fluggesellschaften stehen teils vor großen Herausforderungen. Immer wieder müssen sie ihre Flugpläne wegen der fehlenden Maschinen umstellen und ihre Wachstumsziele verschieben. Der irische Billigflieger Ryanair etwa, dem in Österreich die Gesellschaft Laudamotion gehört, schließt deshalb Basen, kappt sein Flugangebot für den Sommer 2020 und streicht Jobs.

Southwest Airlines, der größte Kunde der 737 Max, vereinbarte jüngst eine Entschädigungsvereinbarung mit Boeing für einen Teil der Ergebnisbelastungen, die die Fluggesellschaft durch die Probleme in diesem Jahr verdauen muss. Dem weltgrößten Reisekonzern TUI brockte das Flugverbot für die 737 Max im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinneinbruch um rund ein Viertel ein.

Wie lange Produktionsstopp dauert, ist offen

Boeing machte diese Woche weder Angaben zu den finanziellen Auswirkungen noch zur Dauer des geplanten Produktionsstopps. Der Konzern betonte, letzteres sei Sache der FAA. Frühere Aussagen des Unternehmen, wann die 737 Max wieder in Betrieb genommen werden könnte, hatten scharfe Kritik der US-Aufsichtsbehörde nach sich gezogen.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte vergangene Woche die Hoffnungen Boeings zunichtegemacht, bald wieder mit den Jets starten zu können. Vor einer erneuten Zulassung seien fast ein Dutzend Punkte zu bearbeiten, hieß es. Boeing drohten zudem Strafzahlungen, falls Informationen über Probleme nicht rechtzeitig weitergegeben worden seien.

Zum Produktionsstopp bei Boeing wollte sich die Behörde nicht äußern. Die FAA arbeite weiter mit den weltweiten Regulierungsbehörden zusammen, um die vorgeschlagenen Änderungen an der 737 Max zu überprüfen. "Sicherheit ist unsere oberste Priorität und wir haben keinen Zeitrahmen für das Ende der Arbeiten festgelegt", hieß es von der FAA. Eine erneute Zulassung wird nicht vor Februar erwartet und könnte sich bis in den März hinziehen.

Eine Software, gegen die Piloten machtlos waren

Nach bisherigen Erkenntnissen waren die beiden Maschinen vor allem wegen der fehlerhaften Steuer-Software MCAS abgestürzt, die einen Sturzflug automatisch verhindern soll.

Rückblick dazu:
Boeing-Software MCAS: Wenn Computer Flugzeuge abstürzen lassen >>  
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Auch in China äußerte die dortige Behörde Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit und Sicherheit des Flugzeugs auf der Grundlage der vorgeschlagenen Änderungen an Software und Flugsteuerungssystemen. (reuters/apa/red)

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