Kunststoffe

Kärntner Kunststoffhersteller Chemson will kräftig expandieren - in Übersee

Vier Jahre nach der Übernahme durch eine Gruppe aus der Türkei will der Arnoldsteiner Kunststoffspezialist Chemson wieder in neue Standorte investieren - in China und den USA. Die Kärntner haben als bisher einzige Firma weltweit PVC für 3D-Drucker entwickelt.

Firmenchef Alexander Hofer: "Chemson bei Additiven eines der führenden Unternehmen weltweit"

Der Arnoldsteiner Kunststoffspezialist Chemson setzt auf Wachstum. Seitdem 2013 die türkische OYAK-Gruppe das Unternehmen übernommen hat, gebe es die Voraussetzungen für eine stabile Expansion, sagte Firmenchef Alexander Hofer im Gespräch mit der APA. Neue Werke der Gruppe mit derzeit weltweit 550 Mitarbeitern und 210 Mio. Euro Umsatz sollen in China und den USA entstehen.

Neue Standorte in Übersee

Das Produkt der Firma klingt nicht aufregend: Zusatzmittel für PVC (Polyvinylchlorid), die dem Kunststoff erst die Eigenschaften geben, die die Industrie braucht. Bei diesen "Additiven" ist Chemson aber eines der führenden Unternehmen weltweit und hat in seinen Nischen in Europa und den USA einen "hohen zweistelligen Marktanteil".

Genauer will Hofer nicht sein, denn der Markt ist eng. Ohne Additive könnten Fensterrahmen der Sonneneinstrahlung nicht widerstehen, Rohre brüchig werden und Kabelmäntel nicht so biegsam sein.

White Paper zum Thema

Einziger Hersteller weltweit mit PVC für 3D-Drucker

Besonders stolz ist Hofer darauf, dass Chemson als bisher einziges Unternehmen weltweit PVC für 3D-Drucker entwickelt hat. Dazu müsse der gesamte Produktionszyklus beachtet werden, aber in zwei oder drei Jahren sollten auch einfache handelsübliche 3D-Drucker PVC verarbeiten können. PVC ist sehr haltbar und brennt besonders schlecht.

Ertragszahlen veröffentlicht die Chemson-Gruppe nicht. Hofer sagt nur, "wir schreiben steigende Gewinne". Laut Firmenbuch machte die Österreich-Firma, die Chemson Polymer-Additive AG, die etwa die Hälfte der gesamten Gruppe mit sieben Standorten weltweit ausmacht, 2015 mit 250 Mitarbeitern 8,5 Mio. Euro Gewinn bei 117 Mio. Euro Umsatz. Der Standort in Arnoldstein ist aus dem Chemiebereich der Bleiberger Bergwerksnion (BBU) hervorgegangen.

Die Pläne sehen nicht mehr Mitarbeiter in Arnoldstein vor

In fünf Jahren will Chemson dank Investitionen den Umsatz um 50 Prozent gesteigert haben. Klar ist aber: In Arnoldstein wird zwar in eine qualitative Aufwertung der Produktion investiert, aber die Mitarbeiterzahl wird voraussichtlich in den nächsten Jahren nicht steigen. Erweitert wird die Produktion in China und den USA. In China hat Chemson bei der Tochtergesellschaft jüngst den Anteil von 60 auf 100 Prozent aufgestockt.

Mit einer zweistelligen Millionensumme soll ein neues Werk entstehen, die Produktion in China soll sich verdoppeln. Das neue Werk soll erstmals in China PVC-Additive ohne Schwermetalle herstellen. Chemson verzichtet dann auch in China auf Blei als Inhaltsstoff für seine Additive, in der EU ist Blei seit Ende 2015 abgeschafft. Nur noch in Brasilien und in Arnoldstein - für den Export nach Russland - setzt Chemson Blei ein.

Der Riesenmarkt PVC

Weltweit werden 40 Mio. Tonnen produziert, davon 12 Mio. Tonnen in China. Das ist etwa ein Achtel der gesamten Kunststoffproduktion von 310 Mio. Tonnen. Das Material geht großteils in die Bauwirtschaft.

In den USA wird derzeit nach einem Standort für ein weiteres Werk gesucht. Überlegungen, die aber noch nicht umsatzreif sind, gibt es auch für Indien. Abgesehen davon hat Chemson jetzt schon Standorte in Brasilien, Australien, Großbritannien und Deutschland.

PVC ist ein Riesenmarkt. Weltweit werden 40 Mio. Tonnen produziert, davon 12 Mio. Tonnen in China. Das ist etwa ein Achtel der gesamten Kunststoffproduktion von 310 Mio. Tonnen. Das Material geht großteils in die Bauwirtschaft. (apa/red)

Verwandte tecfindr-Einträge