Autoindustrie

Geld statt Auslagerung: Mehr als 1.300 Entwickler verlassen Opel

Bei der Auslagerung von 2.000 Entwicklern von Opel an den französischen Dienstleister Segula machen hunderte Ingenieure nicht mit - und gehen. Diese Entscheidung eigener Mitarbeiter sei ein sehr klares Zeichen dafür, was die Belegschaft vom Verkauf des Entwicklungszentrums an Segula halte, so die Gewerkschaft.

Bei der geplanten Auslagerung von 2.000 Opel-Arbeitsplätzen an den französischen Dienstleister Segula ziehen die Beschäftigten am Stammsitz Rüsselsheim nicht mit. Insgesamt haben sich 1.340 Mitarbeiter des Entwicklungszentrums entschieden, das Unternehmen freiwillig zu verlassen, wie Opel einen Bericht der "Wirtschaftswoche" bestätigte. Sie nehmen Abfertigungen, Altersteilzeit oder Vorruhestand in Anspruch, wie es im März mit dem Betriebsrat vereinbart worden war.

Zusätzlich hätten sich 140 Beschäftigte bereit erklärt, zu Segula zu wechseln, so dass nun noch rund 550 Mitarbeiter für den geplanten Betriebsübergang zu Segula ausgewählt werden müssten, hieß es. Für sie besteht nun keine Möglichkeit des finanziellen Ausgleichs mehr.

"Klares Signal gegen den Verkauf"

In der Belegschaft war das Geschäftsmodell stark angezweifelt worden, mit dem Segula als Dienstleister für Opel und andere Kunden Auftragsarbeiten erledigen will.

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Die IG Metall im Betriebsrat wertete das Ergebnis als klares Votum der Belegschaft gegen einen Teilverkauf des Zentrums an Segula. Zudem sei der Personalüberhang mit den 1.340 Austritten komplett abgebaut. Im Sinne des Betriebsfriedens müssten die Verkaufsverhandlungen mit Segula sofort gestoppt werden.

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Schon 2018 haben 3.700 Mitarbeiter Opel verlassen

Die beteiligten Unternehmen planen hingegen weiterhin den Betriebsübergang. Segula sieht sich gut aufgestellt, den Betrieb Anfang August mit rund 1.000 Mitarbeitern aufzunehmen. Bisher lägen 380 Bewerbungen aus den Reihen der Opel-Beschäftigten sowie 691 von externen Arbeitskräften vor, hatte der Dienstleister berichtet. Bereits im vergangenen Jahr hatte Opel nach der Übernahme durch den PSA-Konzern in seinen deutschen Werken 3.700 Mitarbeiter mit Geld zum Gehen bewegt.

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Segula ist "startklar"

Am Opel-Stammsitz Rüsselsheim sieht sich der französische Ingenieurdienstleister Segula bereit, Anfang August den Betrieb mit rund 1.000 Mitarbeitern aufzunehmen. Dann soll der Teilverkauf des Opel-Entwicklungszentrums an PSA vollzogen werden. Bisher lägen 380 Bewerbungen aus den Reihen der Opel-Beschäftigten sowie 691 von externen Arbeitskräften vor, berichtete das Unternehmen.

Der Dienstleister hatte erstmals einen Haustarifvertrag mit der IG Metall abgeschlossen, der das Niveau des Flächentarifvertrags wie auch bei Opel abbildet. Nach wie vor ist aber unklar, wie viele Opelaner letztlich zu Segula wechseln. Diese Woche geht die mit den Arbeitnehmervertretern vereinbarte Phase für freiwillige Übertritte zu Ende. Danach will Opel einen Betriebsübergang organisieren, in dessen Verlauf bestimmte Beschäftigte auch ohne eigene Zustimmung zum neuen Arbeitgeber wechseln müssten. Der Betriebsrat hatte den Betroffenen geraten, diese Entscheidung abzuwarten.

Das stark wachsende Unternehmen mit mehr als 12.000 Mitarbeitern sieht sich profitabel und erwirtschaftet nach eigenen Angaben eine operative Marge von 6 bis 8 Prozent (Ebitda). Rüsselsheim werde mit einem Engineering Campus zum Hauptsitz auf dem wichtigen deutschen Automotive-Markt ausgebaut. (dpa/apa/red)

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