Maschinenbau

Gasturbinensparte von Siemens: "Strategische Partnerschaft" mit China

Nach Berichten über Gespräche von Siemens mit Mitsubishi teilt der Konzern jetzt mit, eine "strategische Partnerschaft" mit einem großen staatlichen Versorger in China fixiert zu haben.

Siemens will seiner kriselnden Kraftwerkssparte durch eine weitreichenden Zusammenarbeit mit einem der staatlichen Versorger in China neue Geschäftschancen auf dem riesigen Markt eröffnen. Vorstandschef Joe Kaeser habe mit dem Chef der State Power Investment Corp (SPIC), Qian Zhimin, ein "strategisches Partnerschaftsabkommen" unterzeichnet, teilte der Münchner Industriekonzern mit.

Das betrifft auch Siemens Österreich

Entscheidungen zu dieser Sparte betreffen auch Siemens Österreich: Hierzulande betreibt diese Sparte von Siemens auch einen Standort in Wien. 2017 waren für Wien wegen rückläufiger Aufträge rund 200 Stellenstreichungen angekündigt worden.

Chinesen entwickeln Turbinen selbst - Siemens ist behilflich

Bei dem jüngsten Deal mit Chinesen steht das Geschäft mit großen Gasturbinen im Vordergrund. Die SPIC-Tochter China United Heavy-Duty Gas Turbine Company (UGTC) will eine eigene Gasturbine für den heimischen Markt entwickeln, Siemens soll dabei technische Unterstützung geben und bekommt dafür Geld. Bis die chinesische Turbine marktreif ist, hofft der Konzern auf Aufträge für seine eigenen Gasturbinen, wie ein Sprecher sagte. Die ersten Prototypen aus chinesischer Produktion sollen 2023 fertig sein.

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Die Zusammenarbeit mit SPIC, die auf einem Grundsatzabkommen von vorigem Sommer fußt, soll aber über die Gasturbinen hinausgehen. Geplant sind etwa Projekte zur Digitalisierung von Kraftwerken, bei Wasserstoff und beim Energiemanagement. SPIC ist einer der fünf größten Versorger in China und deckt mit einer Kapazität von 126 Gigawatt (GW) 7,5 Prozent der Stromproduktion des Landes ab. Dabei will China angesichts der Luftverschmutzung die Versorgung zunehmend von Kohle auf Gas umstellen.

SPIC will auch außerhalb Chinas Gaskraftwerke bauen

"Mit dieser Vereinbarung werden beide Parteien von dem zu erwartenden strukturellen Wachstum im chinesischen Stromerzeugungsmarkt profitieren", sagte Kaeser. "Das Ziel ist eine langfristige Partnerschaft über den Rahmen der heute angekündigten Vereinbarungen hinaus." SPIC will auch außerhalb Chinas Gaskraftwerke bauen.

China ist mit einem Anteil von 30 Prozent der größte Markt für große Gasturbinen geworden. Im Westen sind angesichts der Energiewende Gas- und Kohlekraftwerke immer weniger gefragt, worunter die großen Turbinen-Hersteller wie Siemens, GE und Mitsubishi Heavy Industries leiden.

Siemens will bis Anfang Mai eine Entscheidung zur Turbinensparte bekannt geben

Eine umfassende Lösung für die schrumpfende Gasturbinen-Sparte, in der Siemens bereits 6.000 Stellen abgebaut hat, ist die Vereinbarung mit China aber wohl nicht. Ein chinesischer Partner für das weltweite Geschäft würde zumindest in den USA auf Missfallen der staatlichen Regulierer stoßen. Siemens-Chef Kaeser will Insidern zufolge bis zum Kapitalmarkttag am 8. Mai eine Lösung finden.

Laufende Gespräche mit Mitsubishi Heavy Industries

Dazu seien die Gespräche mit der japanischen Mitsubishi Heavy Industries zuletzt wieder intensiviert worden, die vorher eingeschlafen waren. "Es ist aber noch nichts spruchreif", sagte einer der Insider. Kaeser sondiere noch in mehrere Richtungen. Aktuell dazu: Insider: Siemens verhandelt über seine Kraftwerksparte mit Mitsubishi >>

Im Neugeschäft schreibt Siemens mit den großen Turbinen bereits Verluste, nur das lukrative Servicegeschäft verhindert insgesamt rote Zahlen. 2017/18 (per 30.9.) ist der Gewinn bei Power & Gas aber um drei Viertel auf 377 Millionen Euro eingebrochen, der Umsatz schrumpfte um 19 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro. (reuters/apa/red)

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