Industriekonjunktur

Fronius-Chefin Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß: "Jungen Menschen Mut machen"

Warum das Pettenbacher Technologieunternehmen Fronius bei der Fachkräfteausbildung nicht zurückschaltet, erzählt Geschäftsführerin Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß im Interview.

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"Wir versuchen, die Krise aus eigener Kraft zu stemmen": Fronius-Geschäftsführerin Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß im Interview.

INDUSTRIEMAGAZIN: Frau Engelbrechtsmüller-Strauß, wie kommt das Unternehmen durch die Krise?

Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß: Fronius ist ein international tätiges Unternehmen mit einer Exportquote von 93 Prozent. So verwundert es nicht, dass die derzeitige Krise neben der gesundheitlichen Gefährdungslage eine enorme wirtschaftliche Herausforderung für uns darstellt. 

Unser Erfolg ist stark von den weltweiten Entwicklungen beeinflusst, weshalb es teils zu kurzfristigen Einschränkungen innerhalb der Lieferketten und in einigen Bereichen auch zu einem Rückgang der Nachfrage gekommen ist. Dennoch versuchen wir die Krise aus eigener Kraft zu stemmen, haben niemanden in Kurzarbeit geschickt und arbeiten weiterhin an innovativen Projekten. Wir sehen dies als wichtige Investition in die Zukunft und in den Standort Österreich.

Wie läuft es im Bereich der Schweißtechnik? 

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Engelbrechtsmüller-Strauß: Im April – und somit während des Lock Downs in Österreich – haben wir die Heiß-Aktiv-Plasma-Technologie (HAP) innerhalb der Business Unit Perfect Welding angesiedelt. Mit dem Produkt „Acerios“ ist ein neues und innovatives Plasmaverfahren zur Oberflächenbehandlung für unsere Kunden verfügbar. Es handelt sich konkret um eine Technologie zur ökonomischen und ökologischen Reinigung von Bauteilen ohne nasschemische Prozesse.

Außerdem ist erst vor kurzem die Entscheidung gefallen, im Spätherbst ein neues Prototypen-Zentrum am Fronius Standort Wels in Betrieb zu nehmen. Speziell durch die Elektromobilität entstehen neue Anforderungen der Automobilindustrie an die Fügetechnik. Wir werden künftig mit Zulieferfirmen noch enger zusammenarbeiten und sie bei der Produktion neuartiger Bauteile unterstützen. Damit entstehen auf Kundenseite keine Investitionen für eigene Prototypen-Zentren, womit wir zusammen mit unserem Schweiß-Know-how eine Rundumlösung anbieten.

Gibt es auch positive Nachrichten aus dem Solarbereich? 

Engelbrechtsmüller-Strauß: Trotz der COVID-19-Pandemie haben sich auch viele Märkte unserer Business Unit Solar Energy gut entwickelt. Fronius konnte bislang die Produktion und Auslieferung auf hohem Niveau aufrecht halten und die Sicherung der vorgelagerten Zulieferprozesse sehr gut meistern. Und damit nicht genug: Mitten im Krisenjahr erwarten wir mit Spannung den Launch eines neuen und sehr wichtigen Produkts. Im September kommt der Hybridwechselrichter „Fronius Symo GEN24 Plus“ auf den Markt, der in zahlreichen unabhängigen Tests wie der Speichersimulation der HTW Berlin hervorragend abgeschnitten und Bestwerte erzielt hat. Der vielseitige Wechselrichter erhielt darüber hinaus bereits zahlreiche Auszeichnungen wie den Intersolar AWARD 2020.

Als Ausbildungsbetrieb: Können Sie die Drehzahl hoch halten?

Engelbrechtsmüller-Strauß: Während andere Unternehmen die Zahl der Auszubildenden zurückfährt, möchten wir bei einem jährlichen Plus von rund 50 zukünftigen Fachkräften bleiben. Wir sind ein zukunftsorientiertes Unternehmen, Kontinuität und Langfristigkeit gehören zu unserem Grundwortschatz. Wir möchten den jungen Menschen Mut machen, denn es wird definitiv eine Zeit nach der Krise geben – und für diese Zeit wollen wir uns rüsten. Nur so können wir auch auf lange Sicht die Fachkräfte von morgen in unseren eigenen Reihen ausbilden.