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Finanzierungsstrukturen in Corona-Zeiten auf dem Prüfstand: Was Exportunternehmen wirklich brauchen

Unternehmen und Banken haben in der COVID-19-Krise schneller reagiert als in der Finanzkrise 2008/09. Aber reicht das, um exportorientierte Firmen nachhaltig durch die Pandemie zu bringen?

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Die bisherigen Erfahrungen deuten darauf hin, dass sowohl Unternehmen als auch Banken bis dato wesentlich schneller und zielgerichteter auf die COVID-19-Krise – Stichwort Planung unter Unsicherheit, steigender Working Capital-Bedarf wegen fehlender Limits bei den Warenkreditversicherern, Kunden/Lieferanten, „Cash is King“ – reagiert haben als noch bei der Finanzkrise 2008/09. Die Finanzierungsstrukturen waren vor der Krise wesentlich langfristiger ausgerichtet und das altbekannte Thema der nicht mit der Bank auskorrespondierten Linien war weniger manifest.

Klar ist aber auch, dass es nicht „das“ Krisenszenario gibt; Auswirkungen, Dauer und Tiefe sind schon jetzt von Branche zu Branche - aber auch von Unternehmen zu Unternehmen - höchst unterschiedlich.

Worauf es in der Krise ankommt

Wenngleich die unmittelbaren Auswirkungen durch den kurzfristigen Einsatz der Unternehmen, Banken, aber auch des Staates, so z. B. über OeKB, aws und ÖHT, behoben werden konnten, bleiben aus meiner Sicht – neben den unberechenbaren wirtschaftlichen Auswirkungen – folgende Fragen offen:

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  • Wie kann der Ausgleich zwischen Vorhalten von Liquidität versus Kosten der Liquiditätshaltung insbesondere in Hinblick auf Verwahrgebühren aussehen?
  • Wie könn(t)en Verluste langfristig finanziert werden? Sind Eigenmittelmaßnahmen notwendig?
  • Müssen sich Banken, Unternehmen und andere für die nächsten Jahre an langfristig schlechtere Finanzkennzahlen und Ratings bei den Banken gewöhnen, oder werden diese krisenbedingt akzeptiert?
  • Wie erkenne ich die viel zitierten „Zombie-Unternehmen“ auf Abnehmer- aber insbesondere auf Lieferantenseite?
  • Wie kann der Working Capital-Bedarf wieder reduziert werden?
  • Wie lange kann durch Investitionszurückhaltung der Liquiditätsbedarf minimiert werden ohne einen Investitionsrückstau zu verursachen, der sich nachhaltig auf Kosten und Ertrag durchschlägt?

Entspannung durch Unterstützung der öffentlichen Hand?

Das Thema „Zombie-Unternehmen“ wird sich wohl in den nächsten Monaten auf schmerzvolle Art lösen. Das Thema Working Capital-Maßnahmen wird die Unternehmen unter steter Bedachtnahme auf Kunden und Lieferanten teilweise noch Jahre beschäftigen, um den Status vor der Krise näherungsweise zu erreichen. Bei den Finanzkennzahlen findet ohnehin schon vor dem Hintergrund von IFRS16 eine Neukalibrierung der Kennzahlen statt.

Am schwierigsten wird das Thema der langfristigen Finanzierungsstruktur und Schuldentragfähigkeit zu lösen sein. Unter Einbindung der Unterstützungsmöglichkeiten der öffentlichen Hand könnte es bei langfristigen Lösungen zu einer gewissen Entspannung führen. Im Sinne einer Erhöhung der Risikotragfähigkeit wird eine Öffnung, insbesondere von eigentümergeführten Unternehmen, in Hinblick auf neue Miteigner diese Organisationen noch vor große Herausforderungen stellen.

Einfache Lösungen wird es nicht geben, es wird vielmehr ein Zusammenwirken zahlreicher Maßnahmen notwendig sein, um die Thematik lösen zu können.

Manfred Seper ist als Kundenberater der OeKB Export Services zuständig für Oberösterreich und berät und betreut Großunternehmen.

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