Chemische Industrie

FCIO: Große Sorgen in der heimischen Bauchemie wegen Engpässen

Die Coronakrise konnte der Bauwirtschaft und auch der Bauchemie in Österreich bisher nichts anhaben, die Auftragslage ist gut. Große Sorgen bereitet allerdings derzeit der Einkauf: Die Versorgung mit Rohstoffen ist teilweise unterbrochen oder nur zu massiv gestiegenen Preisen zu gewährleisten.

Die Coronakrise konnte der Bauwirtschaft und so auch der Bauchemie bisher nichts anhaben, die Auftragslage der Branche ist gut. Sorge bereitet allerdings der Einkauf, denn die Versorgung mit Rohstoffen ist teilweise unterbrochen oder sie sind nur sehr teuer zu bekommen, wie der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) meldet.

Drastische Erhöhung der Preise

Aktuell verzeichnet die Bauchemie drastische Preiserhöhungen bei vielen Rohstoffen, die für die Herstellung von bauchemischen Produkten notwendig sind. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einerseits bleiben viele Produkte in Asien, wo der konjunkturelle Aufschwung nach dem Corona-Schock als erstes eingesetzt hat. Andererseits kommt es aufgrund von mehreren Force Majeur Meldungen (Höhere Gewalt) einiger Schlüsselrohstoffhersteller für Kunstharzprodukte zu einer massiven Verknappung der Versorgungslage in ganz Europa.

Speziell Epoxidharz-Produkte, aber auch andere Kunstharze sind davon betroffen. Mittlerweile sind nur noch Grundmengen von weniger als 30 Prozent des üblichen Volumens in Europa verfügbar. Teilweise kommt es bereits zu Totalausfällen in der Rohstoffverfügbarkeit und damit zu drastisch verlängerten Lieferzeiten oder gar Stornierungen. Erschwerend kommt hinzu, dass mittlerweile auch andere petro-basierte Grundstoffe nicht mehr lieferbar sind.

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Die Unternehmen der Bauchemie sind dazu gezwungen, die extremen Steigerungen der Rohstoffpreise zu akzeptieren, denn die Lieferfähigkeit ihrer Produkte hat für sie oberste Priorität.

Prekäre Situation auch in der Bitumenemulsionsindustrie

Beim wichtigsten Rohstoff für die Bitumenemulsionsproduktion, dem Straßenbaubitumen, hat sich der Einkaufspreis um ca. 50 Prozent erhöht! Gleichzeitig war in den letzten Wochen die Verfügbarkeit nicht immer gegeben. Auch wichtige Zuschlagstoffe wie Polymere, Latex und Emulgatoren sind nicht immer kurzfristig verfügbar und aufgrund von Verknappungen ebenso einer Kostensteigerung unterworfen.

Diese Produkte müssen im Augenblick frühzeitig einkauft werden, womit sich zusätzliche Lagerkosten ergeben. Neben den Unsicherheiten bei der Versorgung durch Lieferanten, ist auch das Risiko für Betriebsunterbrechungen bis hin zum kompletten Betriebsstillstand aufgrund von Corona-Infektionen, enorm.

Sämtliche genannte Faktoren haben Auswirkungen auf die Preisgestaltung für das Endprodukt Bitumenemulsion.

Probleme auch in der Logistik

Die Lage wird außerdem durch starke Turbulenzen in internationalen Lieferketten verschärft. Bedingt durch den gestiegenen Onlinehandel und die hohe Nachfrage nach Hygieneartikeln aus Asien, sind große Mengen an Seecontainern belegt. Auch die verlangsamten Warenströme durch den Brexit wirken sich auf die Verfügbarkeit von Containern sowie Paletten aus. Europäische Produzenten berichten, dass die Containerpreise zwischen Asien und Europa seit Ende 2020 um mehr als das Doppelte angestiegen sind, was die Margen bis zur Unwirtschaftlichkeit schrumpfen lässt.

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Zusätzlich Engpässe bei Verpackungsmaterialien - Boom der Stahlindustrie

Hinzu kommen noch Preissteigerungen bei den Verpackungsmaterialien: Einerseits sind Kunststoffe aufgrund von Engpässen Mangelware – hier sind ausbleibende Importe aus den USA und Saudi-Arabien der Grund. Auch die gestiegene Nachfrage nach Verpackungen aus Hygienegründen in der Coronakrise bewirkt eine Verknappung von Kunststoffen.

Andererseits erlebt die Stahlindustrie momentan aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach dem dramatischen Einbruch infolge der Pandemie eine Sonderkonjunktur. Die Branche kommt mit der Produktion gar nicht hinterher. Auch wenn hier mit einer Entspannung bis zum Sommer gerechnet werden kann, müssen Hersteller, die ihre Produkte in Stahlblechgebinden verkaufen, aktuell mit sehr hohen Preisen kämpfen.

Ein Ende der weltweiten Rohstoffverknappung ist noch nicht absehbar. Europäische Fachleute sprechen sogar von einer prekären Rohstoffsituation, wie sie in jüngerer Geschichte noch nicht dagewesenen war. Er wird erwartet, dass sich die Versorgungslage über den Sommer noch zuspitzen wird. Viele Produzenten der Bauchemie sind gezwungen, trotz Ausschöpfen aller Rationalisierungspotentiale, die Preissteigerungen an ihre Kunden weiterzugeben.

(red)

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