Dumpingstahl

EU will Druck auf China erhöhen - nennt aber keine konkreten Schritte

Wegen der Überflutung des Weltmarkts mit billigem Stahl verschärft die Europäische Union gegenüber China den Ton. Man werde "andere Maßnahmen ergreifen, wenn notwendig", sagt Kommissionspräsident Juncker. Konkrete Schritte nennt er nicht.

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Im Streit mit China wegen der Überflutung des Weltmarkts mit billigem Stahl verschärft die Europäische Union ihren Ton. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte Stahlarbeitern in Europa mit deutlichen Worten Unterstützung zu. Gegen ungerechte Handelsbedingungen müsse mit aller Energie vorgegangen werden, so Juncker vor dem EU-Parlament in Straßburg.

Verhandlungen mit Peking laufen

Die EU-Kommission verhandle derzeit mit China und prüfe die Stahlimporte aus der Volksrepublik nach Europa. Das Ergebnis der Verhandlungen ist derzeit offen. "Wir werden andere Maßnahmen ergreifen, wenn notwendig", so Juncker. Zuvor hat die EU-Kommission Strafzölle gegen Einfuhren bestimmter Stahlprodukte verhängt.

"Die Stahlindustrie ist der Ort zukünftiger Spitzentechnologie, und Stahlarbeiter sind keine Eisenträger, sondern hoch qualifizierte Fachkräfte", sagte Juncker weiter. In der EU gebe es 360.000 Stahlarbeiter sowie viele weitere Arbeitsplätze, die indirekt mit dem Sektor verbunden seien. "Diese Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben."

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China zeichnet für rund die Hälfte der weltweiten Stahlproduktion verantwortlich. Die Branche in dem Land ist von Überkapazitäten geprägt, zudem ist die Binnennachfrage angesichts des schwächsten Wachstums seit einem Vierteljahrhundert eingebrochen.

Ausfuhren von Stahl aus China steigen weiter

Das hat Auswirkungen auf den Export: Allein im März wurde 30 Prozent mehr Stahl ins Ausland verkauft als vor Jahresfrist. Die Regierung in Peking hat zwar angekündigt, unrentable Stahlwerke zu schließen. Erst Anfang der Woche sagte Regierungschef Li Keqiang zu, die Maßnahmen zum Abbau der Überkapazitäten zu beschleunigen.

Allerdings befürchten insbesondere Kommunalverwaltungen eine massiv steigende Arbeitslosigkeit und halten deswegen auch Verluste schreibende Werke am Leben. "Stabilität ist oberste Priorität", so ein Regierungsinsider. Da sich die Überproduktion in China in Jahren aufgebaut habe, brauche es auch Jahre, sie wieder in den Griff zu bekommen.

Massive Verwerfungen in der europäischen Stahlindustrie

Angesichts der Lage am Weltmarkt steht die Stahlbranche in Europa vor einem weitreichenden Umbruch. Während der finnische Edelstahlhersteller bekannt gegeben hat, 600 Arbeitsplätze abzubauen, will sich der indische Großkonzern Tata ganz aus Großbritannien zurückziehen. Tata machte die zunehmende Billigkonkurrenz aus China dafür mitverantwortlich.

Wie berichtet steht Tata Steel gerade in Verkaufsverhandlungen für die traditionsreichen Stahlwerke der ehemaligen British Steel. Offenbar laufen auch gerade Gespräche über eine mögliche Fusion des Europageschäfts mit dem größten deutschen Stahlkonzern Thyssenkrupp. (reuters/apa/red)