Industrie 4.0

Die Zukunft hat begonnen - Teil 2

Vorausgesetzt freilich, das eine oder andere noch offene Problem aus dem Bereich der Sensorik wird gelöst. Auf der Datenverarbeitungsseite existieren die nötigen Werkzeuge hingegen bereits. In ihrer Präsentation zeigte Anja Schneider von der SAP, dass mit der S/4HANA-Plattform schon heute eine Grundlage vorhanden ist, auf der Daten für fast jede noch so komplizierte Anwendung in Realtime verarbeitet werden können. "Das passiert heute vor allem im Produktionsumfeld", sagt Christoph Kränkl von SAP. Weil SAP HANA aber gewissermaßen eine Core-Technologie ist, auf der individuelle Module aufgesetzt werden können, ist sie auch als Plattform für automatisiert ablaufende Aufgaben im Dienstleistungssektor einsetzbar, etwa im Pflege- oder Gesundheitswesen.

Datenhack live

Was freilich fast automatisch zur Frage der Datensicherheit führt. Denn personenbezogene Daten, an denen man im Gesundheitssektor naturgemäß nicht vorbeikommt, sind zumindest genauso heikel wie Produktionsdaten, die gestohlen werden können.
Dass Hacken gar nicht so schwer ist, bewies in Zell Thomas Grechenig von der TU Wien, indem er vor dem Publikum einen Live-Hack einer https-Verbindung vollbrachte. Für die schockierten Zuseher hatte Grechenig allerdings am Ende doch eine überaus gute Nachricht übrig: Weit über 99 Prozent aller Hackfälle können mit Abwehrmaßnahmen auf sehr einfachem Niveau bekämpft werden. Einen Doktortitel in Informatik braucht es dazu nicht, Grundlagenwissen und etwas Hausverstand reichen auch. Das wirkliche Problem, sagt Grechenig daher, ist nicht, dass viele Unternehmen eine falsche Strategie zur IT-Sicherheit haben, sondern gar keine.

Und weil im Rahmen einer Fachtagung wie industry.tech15 neben den großen Entwicklungslinien natürlich auch ganz konkrete Spezialfälle diskutiert wurden, soll zumindest eine wichtige Entwicklung aus dem Inneren von Industrie 4.0 erwähnt werden. Ausgerechnet in jenem Bereich, der letztlich über das großflächige Gelingen oder Misslingen einer neuen Produktionswelt entscheiden wird, scheint sich eine Lösung abzuzeichnen. Einiges lässt nun doch erwarten, so die einhellige Meinung der Experten, dass es bei der Frage der Schnittstellen zwischen der physischen Welt der Maschinen und der virtuellen Welt von Industrie 4.0 zu einer Vereinheitlichung kommt. Einen wichtigen Schritt auf diesem Weg könnte die sogenannte Referenzarchitektur Industrie 4.0 sein, auch bekannt als RAMI 4.0. Sie soll gewährleisten, dass alle Objekte einer Industrie-4.0-Umgebung, egal ob physische Maschine, Software oder Hardware, über dieselben standardisierten Konfigurationen verfügen und daher problemlos miteinander kommunizieren können.

Miteinander kommunizierende Systeme und Roboter geben übrigens aber auch ein gutes Sinnbild für die industry. tech15-Tagung ab. Die Partner SAP, FESTO, SICK und Phoenix können nämlich in Analogie auch wie Teile einer Maschine verstanden werden: FESTO steht für die Struktur in der Fertigung, SICK für die Sensorik wie Augen und Ohren, Phoenix für die Nervenbahnen und Schalter und bei SAP laufen alle Informationen in Big Data zusammen. Genau das wurde im Rahmen der Veranstaltung auch gezeigt.