Management

Berichte statt Verantwortung

Banken und Kapitalmarkt zwingen Unternehmern ein Berichtswesen auf, das in immer kürzeren Rhythmen immer detailliertere Rechenschaft über Sachverhalte abverlangt, die zur operativen Steuerung des Unternehmens gar nicht notwendig sind. So wird Reporting zunehmend zum zeitraubenden Selbstzweck. Immer mehr Spitzenmanager zweifeln am Nutzen des Reportings – und suchen nach Wegen, der Datenflut Sinn abzugewinnen. Von Piotr Dobrowolski

Die Zahlen, die auf Wunsch von Private-Equity-Fonds erhoben werden, sagt Dirnberger, haben schon ihren Sinn. Allerdings sei ihm zum Beispiel die Häufigkeit nicht immer einsichtig: „Viele Parameter ändern sich nicht so schnell, dass sie jedes Monat zwingend in einen Report geschrieben werden müssten. Weil es aber der Formalismus verlangt, wird es dennoch gemacht.“
 
Er habe allerdings das Glück, dass sein Unternehmen groß ist und er daher die meisten Zahlen tatsächlich zur operativen Steuerung brauchen kann. „Bei kleineren Unternehmen ist es aber so, dass, wenn ein Private-Equity-Fonds dabei ist, mehr interne Reports gemacht werden müssen als das ohne einer Fondsbeteiligung der Fall wäre.“
 
Reports schieben Verantwortung ab
 
Nicht immer steckt hinter der Zahlenwut aber ein Miteigentümer, der die Geschäftstätigkeit mit allen möglichen Tabellen und Charts untermauern will. Vielfach geht es bei der internen Dokumentationswut ganz einfach um Angst und um den Wunsch, für jeden erdenklichen Fall gerüstet zu sein.
 
„Oft wird intern jeder Schritt dokumentiert, bloß um sich abzusichern. Das ist eine Frage der Haltung. Wer unfähig ist, Verantwortung zu übernehmen, schreibt stattdessen Berichte“, ironisiert Jochen Pildner-Steinburg, Geschäftsführer und Eigentümer des Grazer Anlagenbauers GAW und zugleich Präsident der steirischen Industriellenvereinigung. „Wenn das im mittleren Management passiert, sind die Folgen verheerend. Denn der mittlere Manager lässt sich dann alles berichten und berichtet selbst penibel nach oben weiter. Die Leute unter ihm müssen also Berichte schreiben, die über ihm Berichte lesen. Nur zum Arbeiten kommt keiner mehr.“
 
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