Autoindustrie

Carlos Ghosn fordert von Renault 800.000 Euro Pension

Der frühere Konzernchef von Renault und Nissan, der inzwischen aus der Haft in Japan in den Libanon geflohen ist, fordert vom französischen Autobauer 800.000 Euro Jahrespension und Aktien im Wert von 15 Mio. Euro. Französische Gewerkschafter und Politiker sprechen von "Skandal".

"Unanständig" - "ein Skandal": Der frühere Renault-Chef Carlos Ghosn will den französischen Autokonzern auf eine Summe in zweistelliger Millionenhöhe verklagen und stößt damit in Frankreich auf Empörung. Unter anderem will Ghosn Renault nach seiner Flucht aus Japan zur Herausgabe von Aktien im Wert von gut 15 Millionen Euro zwingen sowie zu einer jährlichen Pensionszahlung von fast 800.000 Euro.

Von einem "unanständigen" Manöver Ghosns sprach am Dienstag der Chef der einflussreichen Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez. "Carlos Ghosn hat zehntausende Arbeitsplätze in der Renault-Gruppe gestrichen", sagte er dem Sender LCI. "Nun will selbst er vor Gericht ziehen wie ein gefeuerter Renault-Angestellter." Ein Abgeordneter der französischen Linkspartei La France Insoumise (Das unbeugsame Frankreich) nannte Ghosns Vorgehen "skandalös".

Ghosn hatte zuvor aus dem libanesischen Exil bekanntgegeben, dass er gegen Renault vor das Pariser Handels- und Arbeitsgericht ziehen will. Der Autokonzern habe die vertraglich vereinbarten Zahlungen an ihn vor einem Jahr mit der Begründung gestrichen, er sei zurückgetreten, sagte Ghosn dem französischen Sender France 5. "Ich bin überhaupt nicht zurückgetreten: ich habe mich von meinem Posten zurückgezogen, weil ich im Gefängnis saß", sagte Ghosn.

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Nach Ansicht des 65-jährigen Ex-Managers stehen ihm 380.000 Renault-Aktien im Wert von heute 15,5 Millionen Euro zu, die ihm als Erfolgsprämie für die Jahre 2015 bis 2018 zugesagt waren. Zudem will er eine jährliche Zusatzpension für Führungskräfte in Höhe von rund 775.000 Euro erstreiten sowie eine Ruhestandsabfindung von 250.000 Euro.

Kurz vor Jahreswechsel hatte sich Ghosn aus Japan abgesetzt und war nach einer spektakulären Flucht in den Libanon gereist. In Japan droht dem Ex-Manager ein Prozess unter anderem wegen des Vorwurfs, Firmenkapital zweckentfremdet und private Verluste auf Nissan übertragen zu haben. In Frankreich laufen Ermittlungen gegen ihn wegen Vorteilsannahme im Zusammenhang mit seiner pompösen Hochzeit auf Schloss Versailles. (afp/apa/red)

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