Antriebstechnik

ATB: Verzweifelter - und vergeblicher - Kampf um österreichische Maschinen

In Spielberg kämpfen Beschäftigte von ATB in diesen Tagen verzweifelt um ihre Arbeitsplätze - und österreichische Hochtechnologie. Doch der chinesische Konzern Wolong darf mit dem Abtransport fortfahren, urteilt jetzt das Landesgericht Leoben.

ATB Wolong Antriebstechnik Standort Steiermark China Stellenabbau

"Gegen chinesische Verhältnisse" - Mitarbeiter von ATB bei einer Demonstration vor dem Werksgelände.

Das Landesgericht Leoben - bei dem die Insolvenz des obersteirischen Antriebstechnikherstellers ATB Spielberg verhandelt wird - hat dem Einspruch des Insolvenzschutzverband für Arbeitnehmer (ISA) gegen die Genehmigung des Maschinenparkverkaufes nicht stattgegeben. Dieser Einspruch hätte eine aufschiebende Wirkung erreicht.

Maschinen sollen nach Polen und Serbien

Die ATB-Gruppe könne mit der Verlagerung der Maschinen planmäßig fortfahren, wie von einer Sprecherin mitgeteilt wurde. "Es ist sehr wichtig, dass das Gericht zu dieser Entscheidung gekommen ist. Damit können wir mit der Umsetzung des Sanierungsplans fortfahren. Alles andere hätte den betroffenen Mitarbeitern erneut falsche Hoffnungen vermittelt," sagte Geschäftsführer Rolf Primigg.

Der Gläubigerausschuss hatte zunächst dem Kaufangebot der ATB-Gruppe für bestimmte Vermögenswerte der ATB Spielberg GmbH zugestimmt. Die Maschinen sollen nach Polen und Serbien in andere Betriebe der Gruppe gebracht werden.

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"Tiere auf der Weide werden besser behandelt"

Die Belegschaft kämpft in diesen Tagen verzweifelt gegen die Verlagerung der Maschinen in andere Unternehmen der Gruppe. Derzeit sind auf dem Werksgelände im Auftrag des chinesischen Konzerns Wolong Arbeiter aus Polen damit beschäftigt, die Maschinen abzubauen.

Vor wenigen Tagen bekamen hunderte steirische Mitarbeiter ihre Kündigung. Sie seien einzeln zur Personalleitung zitiert worden und hätten bis zu sieben Stunden warten müssen, bis sie vorgelassen worden seien. Ein Arbeiter sei zusammengebrochen, berichtet hier der "Standard". "Tiere auf der Weide werden besser behandelt", so Betriebsrat Michael Leitner gegenüber der Zeitung.

Scharfer Protest auch aus Deutschland

Scharfer Protest gegen das Vorgehen kommt auch aus Deutschland. Wie die Zeitung weiter berichtet, übt auch die Hamburger Innovation Holding scharfe Kritik am Vorgehen in Spielberg. Die Deutschen hatten zuvor ein verbindliches Angebot inklusive einer Standortgarantie bis 2025 gelegt. Der jetzige Verkauf und Abtransport der Maschinen stehe im Widerspruch zu Gläubigerinteressen und sei juristisch nichtig, so die Hamburger Gesellschaft. Ziel von Wolong sei es, ATB Spielberg auszuhöhlen und keine Mitbewerber zuzulassen.

(red mit apa)

Aktuell dazu:
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Hintergrund:
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Antriebstechnik, ATB, Spielberg, Wolong © APA/AKSTMK/TEMEL

"Gegen chinesische Verhältnisse" - Mitarbeiter von ATB bei einer Demonstration vor dem Werksgelände.

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