Antriebstechnik

ATB Spielberg: "Knallharte Schließung und Arbeitsplatzvernichtung"

Statt der angekündigten Betriebsversammlung und Demonstration haben rund 300 Mitarbeiter der insolventen ATB Spielberg ihre Kündigungsschreiben überreicht bekommen. Die Maschinen sind, entgegen einer Ankündigung, noch im Werk.

Statt der angekündigten Betriebsversammlung der Belegschaft sowie einer Demonstration haben rund 300 Mitarbeiter der insolventen ATB Spielberg GmbH ihre Kündigungsschreiben über Stunden hinweg überreicht bekommen. Damit fielen die ursprünglichen Pläne der Gewerkschaften ins Wasser. Die Betriebsversammlung und Demo sollen nun am Mittwoch um 11.00 Uhr nachgeholt werden.

Die Maschinen stehen noch in Spielberg

Am ersten Tag nach dem Betriebsurlaub sind die rund 400 Mitarbeiter der ATB am Montag in Spielberg wieder zurück in die Firma gekommen. Die Maschinen standen laut Betriebsratsvorsitzenden Michael Leitner noch alle da. Leitner erklärte auf APA-Nachfrage, dass der befürchtete Abtransport der Maschinen vorerst noch nicht im Gange war. Darauf hätten die Mitarbeiter auch im Urlaub ein Auge geworfen. Wie es nun weitergeht, war vorerst offen.

Aktuell dazu:
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Vergangene Woche hatte die ATB-Gruppe ein Angebot für den Maschinenpark der insolventen GmbH gelegt und vom Konkursrichter den Zuschlag bekommen. Daraufhin wurde von der ATB-Gruppe angekündigt, dass die Maschinen demnächst nach Polen und Serbien zu anderen Unternehmen der ATB-Gruppe abtransportiert werden würden. Das sei Teil des Sanierungskonzepts und werde so auch umgesetzt. Die Betriebsräte haben daraufhin zusammen mit der Arbeiterkammer Steiermark Rekurs gegen die Entscheidung des Richters angekündigt.

Gewerkschaften: Schließung von langer Hand geplant

Die Gewerkschaften Pro-Ge und GPA-djp forderten in einer Aussendung die Bundesregierung auf, gegen die Praktiken des Eigentümers aufzutreten: "Dieses Sanierungsverfahren in Eigenverantwortung ist in Wahrheit eine knallharte Schließung und eine Arbeitsplatzvernichtung. Steuerzahler werden zusätzlich noch die Verlagerung der Produktion mitfinanzieren. Es kann doch nicht im Sinne des Staates sein, dass Eigentümer stärker geschützt werden als Beschäftigte und die Allgemeinheit", kritisierten die steirischen Gewerkschafter Hubert Holzapfel und Christian Jammerbund bei der Protestkundgebung in Spielberg.

Bei einer Solidaritätskundgebung hatten am Vormittag laut Gewerkschaft rund 250 ehemalige Beschäftigte sowie Menschen aus der Region vor dem Betriebsgelände teilgenommen. Mit dabei waren auch Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ), Landtagspräsidentin Manuela Khom (ÖVP) sowie ihre Stellvertreterin Gabriele Kolar (SPÖ).

Aus Sicht der Gewerkschaften müsste das gewählte Sanierungsverfahren sicherstellen, dass der Produktionsstandort in Spielberg erhalten bleibt. Dies sei aber nicht gegeben. Die Ankündigung der Unternehmensgruppe etwa 40 Arbeitsplätze für Forschung und Entwicklung in Spielberg zu halten, sei für die Gewerkschaften eine "reine Augenauswischerei". Vielmehr deute alles darauf hin, dass eine kostengünstige Schließung des Standortes und eine Verlagerung der Maschinen und Anlagen von langer Hand geplant wurde, hieß es in der Aussendung. (apa/red)

Hintergrund:
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