Russland/Ukraine : Österreichische Industrie: Gas mit Kohle ersetzen?

"Wir können die Wirtschaft ohne Gas nicht aufrechterhalten." Georg Knill, IV
- © Marija KanizajIndustriellenvereinigungs-Präsident Georg Knill hält die "Idee", freiwillig auf russisches Öl und Gas zu verzichten, für "sehr gefährlich" - auch wenn manche Länder mit geringerer Abhängigkeit anders argumentieren würden. Zu glauben, die Menge an russischem Gas, von dem Österreich zu 80 Prozent abhängig ist, "kurzfristig ersetzen" zu können, sei "völlig utopisch", sagte der IV-Präsident im Interview mit der "Presse" (Freitag).
"Wir können die Wirtschaft ohne Gas nicht aufrechterhalten. Wir können nicht so schnell aus dieser Abhängigkeit aussteigen", warnte Knill. 40 Prozent des Erdgases in Österreich brauche der produzierende Sektor, 30 Prozent würden in die Energieversorgung gehen - vor allem in die Stabilisierung des Stromnetzes. Bei den Haushalten lande nur ein Fünftel.
Wenn Österreich seine Unabhängigkeit stärken wolle, müssten selbstverständlich auch der Green Deal und die Taxonomie neu bewertet werden, meinte der IV-Präsident. "Wir werden kurzfristig vielleicht auf Kohle ausweichen müssen - so schlimm es für das Klima ist." An der Zielsetzung, bis 2050 CO2-neutral zu werden, "sollten wir festhalten. Aber es kann sein, dass wir kurzfristig Umwege gehen müssen."
Heute sei Gas der Energieträger der Industrie, morgen werde es Wasserstoff sein. Die Strategien dazu, die Allianzen Europas und Österreichs, um hier die Versorgung zu sichern, würden aber fehlen, gab Knill zu verstehen.