Automatisierung Robotik Lager : Logistik-Revolution: Diese Wachstumszahlen zeigen, wohin die Automatisierung steuert
Autonome Roboter und KI-Systeme verändern Lagerhallen weltweit – Amazon setzt bereits über eine Million Einheiten ein.
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Laut aktuellen Branchenanalysen verzeichnete der globale Markt für Logistikrobotik im Jahr 2024 ein Volumen von rund 14,5 Milliarden US-Dollar. Für 2025 wird ein Anstieg auf über 17 Milliarden US-Dollar erwartet. Im Bereich Warehouse Robotics lag das Marktvolumen 2024 bei ca. 6 Milliarden US-Dollar, mit einer Prognose von 18 Milliarden US-Dollar bis 2032).
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Insgesamt wurden laut aktuellen Schätzungen im Jahr 2024 weltweit über 205.000 professionelle Service-Roboter verkauft – ein Wachstum von etwa 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Davon entfielen rund: 162.000 Einheiten auf den asiatisch-pazifischen Raum, 33.900 auf Europa und 8.900 auf Amerika.
„Die Service-Robotik ist auf Wachstumskurs“, bestätigt Marina Bill, Präsidentin der International Federation of Robotics IFR. Roboter sind heute nicht nur Unterstützer, sondern in vielen logistischen Kernprozessen unerlässlich – vom Lager bis zur letzten Meile.
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KI, AMRs und Co.: Diese Roboter treiben die Logistik voran
Die Logistikbranche profitiert enorm vom Einsatz professioneller Service-Roboter. Allein im Jahr 2024 wurden laut dem World Robotics Report 2025 der International Federation of Robotics (IFR) weltweit rund 102.900 Roboter für Anwendungen im Bereich Transport und Logistik verkauft. Damit bleibt dieser Bereich der mit Abstand wichtigste Sektor für professionelle Service-Roboter.
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Autonome Mobile Roboter (AMRs), automatische Fördertechnik und KI-gestützte Systeme übernehmen verstärkt Aufgaben wie das Kommissionieren, Sortieren und Transportieren in Lagern und Verteilzentren.
Auch in Außenbereichen ohne Publikumsverkehr, wie in Lagerhäusern oder bei großflächigen Transportaufgaben, nehmen Roboter eine immer wichtigere Rolle ein. Hier reicht das Spektrum von automatisierten konventionellen Fahrzeugen wie Gabelstaplern oder Traktoren bis hin zu spezialisierten, wetterfesten Lösungen für den Transport von Gütern.
Ein entscheidender Treiber bleibt der Fachkräftemangel: Automatisierung erlaubt es, Prozesse effizient zu gestalten und gleichzeitig die Belastung für das verbleibende Personal zu reduzieren. Besonders das Be- und Entladen von Lkw wird zunehmend von Robotern übernommen – schnell, präzise und rund um die Uhr.
Wichtig ist hierbei, dass die Akzeptanz solcher Roboterlösungen nicht nur von der Technik selbst abhängt, sondern auch davon, dass das Personal in der Lage ist, die Geräte einfach und intuitiv zu bedienen. Eine nutzerfreundliche Gestaltung der Schnittstellen ist daher essenziell, um den Einsatz von Robotern in der Logistik erfolgreich zu integrieren.
Robotik bei Amazon: So automatisiert der Konzern seine Fulfillment-Zentren
Amazon hat im Jahr 2025 weltweit die Marke von über einer Million eingesetzter Roboter überschritten. Diese Roboter übernehmen bereits bis zu 75 Prozent der logistischen Tätigkeiten in den Fulfillment-Zentren – vom Wareneingang über Kommissionierung bis hin zum Versand.
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Moderne Systeme wie der autonome Transportroboter „Proteus“ oder KI-basierte Pick&Place-Einheiten sind Beispiele für die neueste Generation an Lagerrobotik, die flexibel, lernfähig und skalierbar ist. Durch diese Technologien konnte Amazon seine Durchsatzraten teils um mehr als 40 Prozent steigern – bei gleichzeitiger Reduktion der Fehlerquote.
Amazon hat Ende 2024 nach eigenen Angaben im amerikanischen Louisiana ein Fulfillment Center der nächsten Generation aufgebaut, es vereine jahrelange Innovationen unter einem Dach, heißt es aus dem Unternehmen. Die Anlage erstreckt sich über fünf Stockwerke und mehr als drei Millionen Quadratmeter - das entspricht 55 Fußballfeldern - und ist damit einer der größten Standorte von Amazon.
Zum ersten Mal habe das Unternehmen in "allen wichtigen Produktionsbereichen des Standorts" Technologielösungen eingeführt. Damit arbeiten die Mitarbeiter nahtlos mit der wachsenden Flotte von Robotersystemen zusammen, was bisher nicht möglich gewesen sei. "Im Zentrum der Anlage steht Sequoia, ein hochmodernes, mehrstufiges, containerisiertes Inventarsystem, das es den Mitarbeitern ermöglicht, Waren schneller und sicherer zu lagern und zu entnehmen. In unserer Anlage der nächsten Generation kann Sequoia mehr als 30 Millionen Artikel aufnehmen. Damit ist es fünfmal so groß wie unser erstes System in Houston, Texas, und hilft uns, Produkte näher am Kunden zu lagern, damit wir schneller liefern können", schreibt Amazon in seinem Blog.
Das System koordiniere die Arbeit von Tausenden von mobilen Robotern und einer Reihe von Roboterarmen, um die Artikel zu den Mitarbeitern an ergonomischen Arbeitsplätzen zu bringen. Sobald die Kundenbestellungen kommissioniert sind, helfen eine Reihe von neuen Systemen dabei, sie schneller durch den Standort zu bewegen, damit sie für die Auslieferung verpackt werden können. Die Verpackungsautomatisierung optimiere den Verpackungsprozess und ersetze gleichzeitig Kunststoffmaterialien durch Papierlösungen, die recycelt werden können.
Mobile Robotik im Wandel: AMR-Technologie zwischen Hype und Realität
Die kontinuierliche Entwicklung der Robotertechnologie zeigt sich auch bei Unternehmen wie Safelog. Das Unternehmen, das mobile Robotik bietet, hat kürzlich angekündigt, seine Produktnamen zu überarbeiten, um eine bessere Orientierung im wachsenden Portfolio zu ermöglichen. Die bisherige Bezeichnung „AGV“ (Automated Guided Vehicle) wird dabei aufgegeben, da sie dem erweiterten Einsatzspektrum der modernen Roboter nicht mehr gerecht wird. Stattdessen werden neue, klar strukturierte Bezeichnungen eingeführt, die es den Kunden erleichtern sollen, das passende Gerät für ihre spezifischen Anforderungen zu identifizieren.
Die neuen Produktnamen von Safelog basieren auf den Kerneigenschaften der Roboter. Modelle mit Zugfunktion werden mit „tow“ gekennzeichnet, solche, die Lasten heben können, erhalten den Zusatz „lift“. Roboter mit Dreh- oder Hubeinheit werden als „spin“ bezeichnet, und das Basisfahrzeug wird unter dem Namen „core“ geführt. Diese neue Namensstruktur soll Kunden eine klare Orientierung bieten und verdeutlichen, welche Roboter für welche Aufgaben am besten geeignet sind.
Mathias Behounek, Geschäftsführer von Safelog, betont, dass die starre Einteilung in Kategorien wie „AGV“ oder „AMR“ (Autonomous Mobile Robot) überholt sei. Die neuen Roboter seien flexibel und vielseitig, um den sich ständig wandelnden Anforderungen in der Logistik gerecht zu werden. Gegenüber Dispo hat Behounek kürzlich ausgeführt, warum seiner Ansicht nach der Einsatz autonomer mobiler Roboter oft scheitert.
Auch Veit Kohnhauser, Studiengangsleiter für Logistik Engineering und Management am Logistikum an der FH Oberösterreich, Vorstandsmitglied des Supply Chain Intelligence Institut Austria ASCII und Geschäftsführer des VNL Österreich,hat kürzlich vor dem "AMR-Hype" gewarnt: "Die Vision von autonomen, mobilen Robotern (AMR), die Waren durch Lagerhallen navigieren und Mitarbeiter entlasten, beflügelte seit langem die Fantasie vieler LogistikerInnen. AMR befinden sich derzeit in einer entscheidenden Phase ihrer Entwicklung. Nachdem sie in den vergangenen Jahren auf dem Gipfel der Erwartungen im Gartner Hype Cycle standen, sind sie nun im "Tal der Enttäuschungen" angekommen. Die anfängliche Euphorie ist verflogen und die Technologie muss sich im harten Logistikalltag bewähren", schreibt er in einem Kommentar für Dispo.
Demnach sollten AMR nicht als Selbstzweck betrachtet werden, sondern als Mittel, um konkrete logistische Herausforderungen zu lösen und Effizienzgewinne zu erzielen. AMR hätten nach wie vor das Potenzial, die Logistik nachhaltig zu verändern.
Ware-zur-Person neu gedacht: Wie AMR den Kommissionierprozess verändert haben
Den Stellenwert von Robotik in der Logistik erkennt man unter anderem auch daran, dass die Logistics Hall of Fame 2024 die Kiva-Systems-Gründer für ihr Mobile Robotic Fulfillment Systems aufgenommen hat. Die Begründung: Sie hätten das Ware-zur-Person-Kommissionierkonzept zum globalen Standard gemacht und damit Arbeitsbedingungen im Lager vereinfacht. Mit ihrem System hätten sie zahlreichen E-Commerce-Unternehmen taggleiche, effiziente und fehlerfreie Warenlieferungen ermöglicht. Denn dadurch laufen Logistikmitarbeitende nicht mehr an Regalen entlang und suchen nach Bestellungen, sondern Autonome Mobile Roboter (AMR) bewegen ein Regal mit Ware zu den Kommissionierplätzen.
Technologische Trends und Herausforderungen bei intelligenter Automatisierung
Die Zukunft der Robotik in der Logistik wird von folgenden Entwicklungen geprägt:
- Autonome Mobile Roboter (AMRs): ersetzen klassische Fördermittel wie Gabelstapler.
- Künstliche Intelligenz (KI): verbessert Navigation, Ressourcenzuteilung und Aufgabenplanung.
- Cloud-Systeme: ermöglichen zentralisierte Steuerung, Echtzeit-Datenanalyse und vorausschauende Wartung.
Diese Technologien erlauben nicht nur höhere Produktivität, sondern auch eine hohe Flexibilität bei wechselnden Auftragslagen.
Trotz des Fortschritts bleiben einige Hürden bestehen:
- Systemvielfalt erschwert Standardisierung und Integration.
- Investitionskosten sind für kleinere Unternehmen noch hoch.
- Sicherheitsanforderungen beim gemeinsamen Arbeiten von Mensch und Roboter müssen beachtet werden.
Doch die Investitionen lohnen sich: Oft zeige sich der Return-on-Investment bei vielen Automatisierungslösungen bereits nach zwei Jahren, so etwa Jungheinrich-Österreich-Geschäftsführer Andreas Ausweger im Dispo-Gespräch vor einem Jahr.
Regionale Entwicklungen: Asien voraus, Europa im Aufschwung
Asien-Pazifik bleibt der bedeutendste Markt für Robotik, insbesondere China investiert massiv in eigene Produktionskapazitäten und Technologieführerschaft. Auch Europa wächst – mit einem Fokus auf smarte Integration, Datenschutz und Mensch-Maschine-Zusammenarbeit.
In Österreich, Deutschland und der Schweiz setzen Unternehmen verstärkt auf teilautomatisierte Systeme, um mit weniger Personal mehr Aufträge effizient abzuwickeln.