AMS-Osram Premstätten : AMS-Osram plant 500-Millionen-Verkauf: Teilveräußerung soll Schuldenabbau ermöglichen
AMS-Osram muss zum Schuldenabbau einzelne Geschäftsteile verkaufen. Wird nun auch der Standort Premstätten aufgegeben?
- © Ams OsramWie das deutsche Handelsblatt heute berichtet, hat AMS-Osram einen Teil seiner Pensionsrückstellungen aufgelöst. Ziel ist es, finanzielle Spielräume zu schaffen, um das operative Geschäft zu stärken. Bestätigt wurde, dass rund 100 Millionen Euro in den Rückstellungen verbleiben, um unter anderem Inflationsausgleiche für einen Teil der deutschen Belegschaft weiterhin abzusichern. Die Maßnahme wurde mit dem Betriebsrat abgestimmt.
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Hintergrund dieser Entscheidung ist die anhaltend hohe Verschuldung des Unternehmens. Seit der Übernahme des deutschen Traditionsunternehmens Osram durch den österreichischen Sensorspezialisten AMS im Jahr 2019 ist der Konzern finanziell unter Druck geraten. Die Nettofinanzverbindlichkeiten beliefen sich zuletzt auf rund zwei Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres verzeichnete das Unternehmen leichte Verluste.
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Millionendeal in Vorbereitung: Infineon könnte sich AMS-Osram-Kerngeschäft sichern
Im Rahmen seiner Entschuldungsstrategie plant AMS-Osram, durch den Verkauf von Unternehmensteilen Erlöse von deutlich über 500 Millionen Euro zu erzielen. Besonders im Fokus steht dabei der Standort Premstätten, wie Branchenkreise berichten. Demnach laufen Gespräche mit dem Münchener Chiphersteller Infineon. Eine Einigung könnte bereits im Februar erfolgen.
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Der potenzielle Verkauf betrifft laut Kronen Zeitung das profitable Medizin- und Industriegeschäft. Anders als bei bisherigen Veräußerungen defizitärer Randbereiche soll dieser Deal substanziell zur Schuldenreduktion beitragen. Unternehmensinsider betonen, dass es entscheidend sei, einen finanzstarken und zuverlässigen Käufer zu finden.
Offiziell äußert sich Infineon nicht zu den Gerüchten. Ein Sprecher verweist auf die Unternehmenspolitik, grundsätzlich keine Stellung zu Marktgerüchten abzugeben. Allerdings hatte Infineon-Vorstandschef Jochen Hanebeck im Dezember gegenüber dem Handelsblatt betont, dass kleinere Zukäufe zur Portfolio-Erweiterung grundsätzlich Teil der Unternehmensstrategie seien – sofern diese strategisch, finanziell und kulturell passen.
Strategische Nähe: Warum Infineon als Käufer für AMS-Osram besonders geeignet wäre
Eine Übernahme durch Infineon erscheint strategisch plausibel. Das Unternehmen ist bereits im Sensorbereich aktiv und könnte durch den Zukauf sein Angebot sinnvoll ergänzen. Zudem bestehen personelle Verbindungen: Zwei ehemalige Infineon-Manager – Arunjai Mittal und Kin Wah Loh – sitzen im Aufsichtsrat von AMS-Osram. Auch die geografische Nähe spricht für die Transaktion: Infineon betreibt in Villach eine bedeutende Produktionsstätte und beschäftigt in Österreich insgesamt rund 6000 Mitarbeitende.
Standort unter Druck: Gewerkschaften und Politik warnen vor Jobabbau bei AMS-Osram
Die geplanten Verkäufe rufen jedoch auch scharfe Kritik von Arbeitnehmervertretern hervor. Die Gewerkschaften GPA und PRO-GE fordern rechtlich bindende Beschäftigungsgarantien und eine Sicherung des Standorts Premstätten. Rund 1300 Arbeitsplätze stehen dort auf dem Spiel.
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GPA-Vorsitzende Barbara Teiber warnte: „Ohne eindeutige, rechtlich bindende Zusagen ist dieser Deal brandgefährlich für Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Zukunftsfähigkeit des Standorts.“ Ähnlich äußerte sich PRO-GE-Chef Reinhold Binder: „Sollte das Filetstück des Unternehmens verkauft werden, ist der gesamte Standort in großer Gefahr.“
Auch politische Stimmen mischen sich ein. Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) verwies auf öffentliche Förderungen, die AMS-Osram für den Ausbau in Premstätten erhalten habe. Wer Steuergelder beziehe, müsse auch Verantwortung für Arbeitsplätze übernehmen, betonte PRO-GE-Landesgeschäftsführer Hubert Holzapfel.
Der steirische Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer betont die strategische Bedeutung der Mikroelektronik für die Region. Rund 80 Prozent der heimischen Wertschöpfung in diesem Sektor würden in der Steiermark und in Kärnten erwirtschaftet. Er verwies auf gemeinsame Initiativen wie das Cluster Silicon Alps und das Forschungszentrum Silicon Austria Labs, aber auch auf die Investitionsbereitschaft internationaler Player wie Infineon und AMS-Osram. Ehrenhöfer zeigt sich zuversichtlich: „Dort, wo hohe Investitionen getätigt wurden und werden, besteht die Absicht, die Standorte langfristig weiterzuführen.“
Übernahmespekulationen um Premstätten: Österreichisches Konsortium im Gespräch
Parallel zu den Gesprächen mit Infineon gibt es Spekulationen über ein mögliches Übernahmeinteresse eines österreichischen Investorenkonsortiums am gesamten Standort Premstätten. Bestätigt wurde dies von keiner Seite, die Gerüchte befeuern jedoch die Debatte um die Zukunft des Werkes. Die Gewerkschaften fordern, dass bei der Auswahl von Käufern auch Kriterien wie Standort- und Beschäftigungssicherheit berücksichtigt werden. „Es geht um die Zukunft des gesamten Werkes“, mahnt Binder.