Auswirkungen der US-Autozölle auf Österreichs Autozulieferer : US-Zölle setzen Österreichs Autoindustrie unter Druck – Branche warnt vor Produktions- und Jobverlusten

Ein Lager voller Autoteile bei einem Zulieferer

Die von den USA angekündigten Sonderzölle auf Autos nähren Sorgen um die Auto-Zulieferindustrie in Österreich.

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Die österreichische Fahrzeugzulieferindustrie schlägt angesichts der neuen US-Strafzölle Alarm. Die Fachvertretung innerhalb der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) warnt vor gravierenden wirtschaftlichen Folgen und fordert eine rasche, jedoch strategisch durchdachte Reaktion auf die protektionistische Handelspolitik der USA unter Präsident Donald Trump.

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„Die USA sind nach Deutschland der wichtigste Exportmarkt“, betonte Hansjörg Tutner, Branchenvertreter der Fahrzeugindustrie in der WKÖ, in einer Aussendung. Ein erheblicher Teil der in Österreich produzierten Zulieferkomponenten werde zudem in Deutschland weiterverarbeitet und anschließend in die Vereinigten Staaten exportiert.

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EU muss Stärke zeigen – Gemeinsames Auftreten gefordert

Tutner forderte ein entschlossenes, geeintes Vorgehen der Europäischen Union gegenüber Washington: „Angesichts der zusätzlichen US-Zölle wird es für Verhandlungen auf Augenhöhe notwendig sein, gegenüber der US-Regierung Stärke zu zeigen.“ Gleichzeitig betonte er, dass eine langfristige Vision nicht aus den Augen verloren werden dürfe: „Bei all dem sollte das übergeordnete Ziel die Abschaffung der gegenseitigen Zölle sein.“ Dieses Ziel sei jedoch angesichts der aktuellen Vorgehensweise der republikanischen US-Regierung vorerst kaum erreichbar.

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Ein außerordentlicher Handelsministerrat der Europäischen Union wird sich am kommenden Montag in Luxemburg mit einer abgestimmten Reaktion auf die jüngsten US-Zölle befassen. Ziel ist es, eine geschlossene europäische Linie im Umgang mit der amerikanischen Handelspolitik zu finden.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fand deutliche Worte zur Strategie der USA und warnte eindringlich vor den sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen: „Millionen von Menschen werden mit höheren Lebensmittelrechnungen konfrontiert sein. Medikamente werden teurer, ebenso der Transport. Die Inflation wird ansteigen“, erklärte sie am Rande eines EU-Gipfels in Usbekistan. „Dies schadet vor allem den wirtschaftlich schwächsten Bürgern.“

Die Europäische Kommission arbeitet laut von der Leyen bereits intensiv an einem Maßnahmenpaket als Antwort auf die US-Zölle. Gleichzeitig unterstrich sie jedoch die Notwendigkeit eines offenen Dialogs. Das übergeordnete Ziel müsse sein, bestehende Handelsbarrieren abzubauen – nicht neue zu schaffen.

Zölle schaden Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks

Tutner wies außerdem darauf hin, dass die Einführung einer Umsatzsteuer für alle Fahrzeuge unabhängig vom Ursprungsland gelte – „das kann kein Argument für US-Zölle sein“. Darüber hinaus seien nicht nur europäische Hersteller und Zulieferbetriebe negativ betroffen, sondern auch die amerikanischen Verbraucher: „Zudem gefährden sie hunderttausende Arbeitsplätze, da mehrere europäische Automobilhersteller große Werke in den USA betreiben und ihre Produkte teilweise wieder nach Europa exportieren.“

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Die neue US-Zollregelung sieht eine massive Erhöhung der Abgaben auf Fahrzeuge vor, die außerhalb der Vereinigten Staaten produziert werden – von bislang 2,5 Prozent auf künftig 25 Prozent. US-Präsident Donald Trump argumentiert, die Maßnahme solle Autokonzerne dazu bewegen, Produktionsstätten innerhalb der USA zu errichten. Trump hatte wiederholt die bestehenden EU-Zölle auf Kfz-Produkte kritisiert und mit eigenen Gegenmaßnahmen gedroht.

Als mögliche Strategie regt Tutner ein breiteres Bündnis auf internationaler Ebene an: Die EU solle über eine enge Zusammenarbeit mit Staaten wie China, Südkorea, Mexiko, Großbritannien und Japan nachdenken, um geschlossen auf die amerikanische Zollpolitik zu reagieren.

  • Hansjoerg tutner
    „Auch wenn die Gesamtexportquote der europäischen Länder in die USA nur wenige Prozent beträgt - für die österreichische Automobilindustrie sieht das anders aus: Hier sind die USA nach Deutschland der wichtigste Exportmarkt. Zudem werden viele Produkte österreichischer Zulieferbetriebe in Deutschland weiterverarbeitet und gelangen so über Deutschland in die Vereinigten Staaten.“

    Hansjörg Tutner, Obmann-Stellvertreter des Fachverbandes der Fahrzeugindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ),

Wirtschaftsexperten: Auswirkungen auf Produktion und Arbeitsplätze wahrscheinlich

Auch Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr erwartet negative Folgen für die heimische Automobilzulieferung. Bei der Konjunkturprognose-Pressekonferenz erklärte er: „Die US-Autozölle seien 'schlecht' für die deutsche Autoindustrie und die stark von Deutschland abhängige österreichische Auto-Zulieferindustrie.“ Felbermayr fordert eine konsequente Antwort aus Brüssel: „Die Europäische Union (EU) müsse in Reaktion auf die US-Autozölle nun 'die Drohungen wahr machen', etwa im Digitalbereich. Wenn man nichts tut, dann macht man es den Zollkriegern weltweit sehr leicht.“

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Österreich zählt mit Unternehmen wie Magna Steyr (Graz), BMW Motoren (Steyr), Pierer Mobility (Wels) und AVL List (Graz) zu den wichtigsten Akteuren der europäischen Fahrzeugzulieferung. Laut Eigenangaben erwirtschaftete die heimische Autozulieferbranche im Jahr 2024 einen Produktionswert von 28,5 Milliarden Euro. Rund 81.700 Arbeitsplätze entfallen direkt auf diesen Industriezweig.

ABD0114_20230207 - WIEN - ?STERREICH: ZU APA0176 VOM 7.2.2023 - WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr am Dienstag, 07. Februar 2023, im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema "Budget?re Entwicklung 2022 und aktuelle Wirtschaftsprognosen" in Wien. - FOTO: APA/HANS KLAUS TECHT
Gabriel Felbermayr - © APA/HANS KLAUS TECHT
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