Volkswagen Batterieproduktion : Volkswagen: Die chinesische Abhängigkeit hinter der großen Batterie-Wette

From left to right: Thomas Dahlem, CEO PowerCo Spain, Felipe VI., His Majesty the King of Spain, Darío Moreno, Mayor of Sagunto, Javier Rivera, CFO PowerCo Spain, Thomas Schmall, Member of the Volkswagen AG Board of Management for Technology and Chairman of the Supervisory Board of PowerCo

Volkswagen baut in Spanien eine der wichtigsten Batteriefabriken Europas. Doch beim Weg zur eigenen E-Auto-Batterie wird der chinesische Partner Gotion für den Konzern immer bedeutender ((v. l.) Thomas Dahlem, CEO PowerCo Spain, Seine Majestät König Felipe VI. von Spanien, Darío Moreno, Bürgermeister von Sagunto, Javier Rivera, CFO PowerCo Spain, Thomas Schmall, Konzernvorstand Group Technology und Aufsichtsratsvorsitzender der PowerCo SE)

- © Volkswagen AG

Über Jahrzehnte haben die deutschen Autohersteller ihre Verbrennungsmotoren selbst entwickelt und perfektioniert. Bei der Batterie, dem Herzstück des Elektroautos, gehen sie unterschiedliche Wege. BMW entwickelt Batteriezellen mit, überlässt die Großserienfertigung aber spezialisierten Herstellern. Mercedes setzt auf eigene Entwicklung, Zulieferer und Beteiligungen. Volkswagen verfolgt einen anderen Ansatz: Der Konzern will einen erheblichen Teil seiner Batteriezellen künftig selbst produzieren. Doch ausgerechnet dabei wird ein chinesischer Partner immer wichtiger.

In Sagunto, nördlich der spanischen Stadt Valencia, entsteht eine der zentralen Batteriefabriken von Volkswagen. Rund 2,3 Milliarden Euro sind für das Projekt vorgesehen. In der ersten Ausbaustufe soll das Werk eine jährliche Produktionskapazität von bis zu 30 Gigawattstunden erreichen. Das entspricht ungefähr der Batteriekapazität für 750.000 kleinere Elektroautos wie den elektrischen Polo oder den Cupra Raval – pro Jahr.

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Volkswagens Batteriewerk verzögert sich – und Gotion steigt groß ein

Die Bauarbeiten sind weit fortgeschritten. Im Juni wurde das erste Produktionsgebäude fertiggestellt, mehr als 500 Container mit Ausrüstung waren bereits eingetroffen. Im Inneren entstanden Rein- und Trockenräume, in denen die empfindlichen Batteriezellen unter streng kontrollierten Bedingungen gefertigt werden sollen.

Doch eine fertige Fabrikhalle ist noch keine funktionierende Batteriefabrik. Die Inbetriebnahme erweist sich als aufwendig. Ursprünglich sollten die ersten Zellen im September 2026 produziert werden. Später wurde der Termin auf das Jahresende verschoben. Inzwischen nennt die VW-Batterietochter PowerCo das Jahr 2027.

Noch bedeutender ist allerdings eine andere Veränderung: Ende September kündigte Volkswagen an, den chinesischen Batteriehersteller Gotion an der Fabrik zu beteiligen. Für rund 1,1 Milliarden Euro soll Gotion 49 Prozent übernehmen. PowerCo behält mit 51 Prozent die Mehrheit. Es handelt sich also nicht um eine chinesische Übernahme, sondern um ein Gemeinschaftsprojekt.

Der Cupra Raval gehört zu den kleineren Elektroautos, für die Volkswagens Batteriewerk in Sagunto künftig Zellen liefern soll. Gerade bei günstigen E-Autos entscheidet die Batterie über Preis, Reichweite und Wettbewerbsfähigkeit.

- © Volkswagen AG

VW, Gotion und die Batteriefrage: Wie unabhängig bleibt Volkswagen wirklich?

Gleichzeitig beteiligt sich Volkswagen an einer Gotion-Zellfabrik in der Slowakei sowie an einer Anlage zur Herstellung von Kathodenmaterial in Marokko.

Damit werden künftig nicht nur der Kapitalbedarf, sondern auch industrielle Verantwortung und Teile der Wertschöpfung geteilt. Für Volkswagen stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie unabhängig wird ein Hersteller, der seine Batterien selbst produzieren will, dafür aber zunehmend auf chinesische Technologie und Partner angewiesen ist?

VW Einheitszelle: Der Plan, der Elektroautos billiger machen sollte

Die Ursprünge der heutigen Strategie reichen in den März 2021 zurück. Damals präsentierte der damalige Volkswagen-Chef Herbert Diess eine ehrgeizige Batterieoffensive. Bis 2030 sollten sechs Zellfabriken in Europa entstehen, mit einer gemeinsamen Jahreskapazität von 240 Gigawattstunden.

Im Mittelpunkt stand die sogenannte Einheitszelle. Statt zahlreicher unterschiedlicher Batteriezellen sollte eine standardisierte Lösung die Komplexität reduzieren und die Kosten deutlich senken. Für Einstiegsmodelle stellte Volkswagen Einsparungen von bis zu 50 Prozent in Aussicht, für Volumenmodelle bis zu 30 Prozent.

Dahinter stand ein strategisches Ziel: Volkswagen wollte bei der Batterie mehr Kontrolle gewinnen – über Entwicklung, Verfügbarkeit und Preise. Schließlich entscheidet die Batterie maßgeblich darüber, wie weit ein Elektroauto fahren kann und wie teuer es wird.

Doch die eigene Zellproduktion birgt erhebliche Risiken. Zwischen einer leistungsfähigen Batteriezelle und einer wirtschaftlich rentablen Großserienfertigung liegen Milliardeninvestitionen, komplexe Produktionsprozesse und zahlreiche technische Herausforderungen.

Europas Batterieproblem: Warum VW trotz Salzgitter weiter auf Zulieferer setzt

Wie schwierig der Aufbau einer europäischen Batterieindustrie ist, zeigte sich besonders deutlich am schwedischen Hersteller Northvolt. Das Unternehmen galt lange als Hoffnungsträger und war ursprünglich Teil der Fabrikplanungen von Volkswagen. Im März 2025 meldete Northvolt in Schweden Insolvenz an.

Volkswagen selbst hat inzwischen einen wichtigen Schritt geschafft. Seit Dezember 2025 produziert PowerCo am Standort Salzgitter eigene Einheitszellen. Zunächst kommt dabei die Nickel-Mangan-Kobalt-Chemie, kurz NMC, zum Einsatz.

Salzgitter soll als Vorbild für weitere Werke in Spanien und Kanada dienen. Produktionswissen, Erfahrungen und Personal werden zwischen den Standorten ausgetauscht.

Allerdings plant Volkswagen auch künftig keine vollständige Eigenversorgung. PowerCo soll nach Konzernangaben ungefähr die Hälfte des Bedarfs an Einheitszellen decken. Die übrigen Zellen sollen weiterhin von externen Herstellern kommen.

Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob Volkswagen eigene Batterien produzieren kann, sondern ob diese gegenüber den Produkten etablierter Lieferanten wirtschaftlich konkurrenzfähig sind.

Visualisierung der PowerCo-Gigafactory in Sagunto bei Valencia: Volkswagen will dort Batteriezellen für künftige Elektroautos produzieren. Mit dem Einstieg des chinesischen Partners Gotion wird das spanische Werk zum Schlüsselprojekt der Batterie-Strategie.

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LFP-Batterien: Warum China bei günstigen E-Auto-Batterien so weit vorne liegt

Besonders groß ist diese Herausforderung bei preiswerten Elektroautos. Für kleinere Modelle spielen Lithium-Eisenphosphat-Batterien, kurz LFP, eine zunehmend wichtige Rolle.

Anders als NMC-Zellen benötigen sie für ihre Kathoden weder Nickel noch Kobalt. Sie gelten als robust und langlebig, besitzen allerdings typischerweise eine geringere Energiedichte. Ihr entscheidender Vorteil liegt in den geringeren Kosten.

Bei dieser Batterietechnologie ist China der europäischen Industrie weit voraus. Im Jahr 2025 entfielen weltweit bereits mehr als 55 Prozent der neu eingesetzten Batteriekapazität in Elektrofahrzeugen auf LFP-Zellen. Innerhalb der Europäischen Union lag ihr Anteil dagegen bei etwas mehr als zehn Prozent.

Nahezu sämtliche dort eingesetzten LFP-Batterien stammten aus China – entweder als importierte Batteriezellen oder bereits eingebaut in Fahrzeuge.

35 Prozent Preisvorteil: Warum Chinas Batterien Europa unter Druck setzen

Auch bei den Preisen ist der Abstand erheblich. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur lagen die durchschnittlichen Batteriepackpreise in China 2025 rund 35 Prozent unter denen in Europa.

Dieser Vergleich beschreibt zwar regionale Preisniveaus und nicht die konkreten Produktionskosten einzelner PowerCo-Zellen. Er zeigt jedoch, welchem wirtschaftlichen Druck neue europäische Batteriefabriken ausgesetzt sind.

Während europäische Hersteller ihre Fertigung erst aufbauen und Produktionsprozesse stabilisieren müssen, profitieren etablierte chinesische Anbieter bereits von ihrer Erfahrung in der Massenproduktion. Sie können ihre Fertigung kontinuierlich verbessern, Ausschuss reduzieren und Kosten senken.

Volkswagens Batterie-Wette: Warum Gotion vom Helfer zum Schlüsselpartner wird

Vor diesem Hintergrund erhält der Einstieg von Gotion in Sagunto eine wirtschaftliche Logik. Volkswagen gewinnt einen Partner, der sowohl die Batterietechnologie als auch deren industrielle Umsetzung bereits kennt.

Die Zusammenarbeit ist allerdings keineswegs neu. Schon 2021 kündigte Volkswagen an, dass Gotion die erste Generation der Einheitszelle für das Volumensegment entwickeln sollte. Auch beim Aufbau des Batteriewerks in Salzgitter unterstützte das chinesische Unternehmen PowerCo als Technologiepartner – unter anderem beim Fabriklayout, bei den Anlagen und den Produktionsprozessen.

Chinesisches Know-how war somit von Beginn an ein Bestandteil von Volkswagens Batterieoffensive. Mit der Beteiligung an Sagunto geht die Kooperation nun einen Schritt weiter: Aus technologischer Unterstützung wird eine gemeinsame Fabrikgesellschaft.

Für Volkswagen bedeutet das einerseits geteilte Investitionen und Zugang zu industrieller Erfahrung. Andererseits wird sichtbar, wie schwierig es für europäische Autohersteller ist, bei der Batterie eine eigenständige und zugleich wettbewerbsfähige Produktion aufzubauen.

PowerCo behält in Spanien die Mehrheit. Doch die entscheidende Frage bleibt, wie viel wirtschaftliche und technologische Unabhängigkeit Volkswagen mit seiner eigenen Zellfertigung tatsächlich gewinnt.

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