Stellantis günstiges Elektroauto : Stellantis: Wie China-Technik den 15.000-Euro-Stromer aus Italien möglich machen könnte
Stellantis plant ab 2028 die Produktion eines neuen, besonders günstigen Elektroautos im italienischen Werk Pomigliano d’Arco. Die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor könnte dabei zeigen, wie sich die Kosten deutlich senken lassen.
- © StellantisStellantis arbeitet an einer neuen Generation besonders günstiger Elektroautos für Europa. Produziert werden sollen die Fahrzeuge ab 2028 im italienischen Werk Pomigliano d’Arco. Noch offen ist allerdings, woher zentrale technische Komponenten stammen werden. Hinweise verdichten sich darauf, dass dabei die chinesische Stellantis-Beteiligung Leapmotor eine wichtige Rolle übernehmen könnte.
Fest steht zunächst: Stellantis hat sein sogenanntes E-Car-Projekt im Mai 2026 offiziell angekündigt. Geplant ist ein kleines, vollelektrisches und ausdrücklich auf einen niedrigen Preis ausgerichtetes Fahrzeug. Die ersten Autos sollen 2028 im Werk Pomigliano d’Arco bei Neapel vom Band laufen. Dabei soll es nicht bei einem einzelnen Markenmodell bleiben. Konzernchef Antonio Filosa erklärte bei der Vorstellung, Stellantis wolle entsprechende Fahrzeuge für mehrere Marken anbieten.
Damit kommen insbesondere die volumenstarken europäischen Marken des Konzerns ins Spiel. Zu Stellantis gehören unter anderem Fiat, Citroën, Peugeot, Opel und Lancia. Welche Marken tatsächlich Varianten des E-Car erhalten, hat der Konzern bisher allerdings nicht abschließend bekannt gegeben.
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Stellantis und Leapmotor: China-Technik soll Elektroautos günstiger machen
Bemerkenswert ist eine weitere Formulierung in der offiziellen Ankündigung. Stellantis erklärte, die E-Car-Modelle sollten mit moderner Elektrofahrzeugtechnik ausgestattet werden, die gemeinsam mit „ausgewählten Partnern“ entwickelt werde. Ziel sei es, die Fahrzeuge günstiger zu machen und gleichzeitig die Entwicklungszeit zu verkürzen.
Genau an dieser Stelle rückt Leapmotor in den Mittelpunkt.
Stellantis hatte sich bereits 2023 mit rund 21 Prozent an dem chinesischen Elektroautohersteller beteiligt. Gleichzeitig gründeten die beiden Unternehmen Leapmotor International. An diesem Gemeinschaftsunternehmen hält Stellantis 51 Prozent und Leapmotor 49 Prozent. Es besitzt die exklusiven Rechte für Vertrieb und Produktion von Leapmotor-Fahrzeugen außerhalb des chinesischen Heimatmarktes.
Die Partnerschaft geht inzwischen deutlich über den Import chinesischer Fahrzeuge hinaus. Stellantis und Leapmotor erklärten im Mai 2026 offiziell, ihre Zusammenarbeit ausweiten zu wollen. Dabei geht es ausdrücklich auch darum, chinesische Komponenten und Beschaffungsstrukturen zu nutzen, um Elektroautos des Stellantis-Konzerns in Europa günstiger anbieten zu können.
Opel mit Leapmotor-Technik: So könnte Stellantis das China-Modell übertragen
Wie weit die Zusammenarbeit gehen kann, zeigt ein geplantes Opel-Modell.
Im Stellantis-Werk Figueruelas bei Saragossa soll ein neuer elektrischer Opel-SUV der Kompaktklasse entstehen. Ein Produktionsstart ab 2028 wird geprüft. Stellantis bestätigte, dass dieses Fahrzeug von besonders wettbewerbsfähigen Komponenten aus dem Ökosystem von Leapmotor International profitieren soll. Parallel dazu soll auch der Leapmotor B10 in Saragossa produziert werden.
Das ist strategisch bedeutsam. Stellantis übernimmt also nicht einfach ein fertiges chinesisches Fahrzeug und versieht es mit einem europäischen Markenzeichen. Vielmehr können einzelne Komponenten, Entwicklungsbausteine und Einkaufsvorteile aus dem Leapmotor-Netzwerk mit einem Fahrzeug einer traditionellen Stellantis-Marke kombiniert werden.
Zusätzlich wollen die beiden Unternehmen ihre gemeinsamen Einkaufsaktivitäten ausbauen. Stellantis spricht ausdrücklich davon, das chinesische Ökosystem für sogenannte New Energy Vehicles zu nutzen, um die Kosten zu reduzieren. Gleichzeitig sollen europäische Lieferketten erhalten beziehungsweise ausgebaut und neue Modelle schneller auf den Markt gebracht werden.
Ein ähnliches Konzept wäre deshalb grundsätzlich auch für die kommenden Kleinwagen aus Pomigliano denkbar.
15.000-Euro-Elektroauto: Warum Stellantis auf Pomigliano setzt
Für das italienische Werk ist das E-Car-Projekt von großer industriepolitischer Bedeutung. Pomigliano ist eng mit der Fiat-Panda-Produktion verbunden und gehört zu den traditionsreichsten Standorten des Konzerns in Italien.
Bereits Ende 2024 hatte Stellantis angekündigt, den Standort ab 2028 für eine neue Generation kompakter Fahrzeuge vorzubereiten. Damals war von zwei neuen Kompaktmodellen und der Einführung der Plattform STLA Small die Rede. Mit der E-Car-Ankündigung von 2026 konkretisierte der Konzern seine Pläne für erschwingliche elektrische Kleinwagen.
Reuters berichtete im Mai 2026 unter Berufung auf die Pläne des Unternehmens von einem angepeilten Preisniveau von rund 15.000 Euro. Das Projekt soll damit in einen Markt vorstoßen, in dem europäische Hersteller in den vergangenen Jahren zunehmend Schwierigkeiten hatten, kleine Fahrzeuge zu konkurrenzfähigen Preisen anzubieten.
Gerade bei einem derart niedrigen Verkaufspreis spielt die Kostenstruktur eine entscheidende Rolle. Batterien, Leistungselektronik, Steuergeräte und Software machen inzwischen einen erheblichen Anteil der Entwicklungskosten eines Elektroautos aus. Eine bereits erprobte technische Architektur und gemeinsame Beschaffung könnten deshalb helfen, die Investitionen auf größere Stückzahlen zu verteilen.
Stellantis und Leapmotor: China-Technik trifft auf „Made in Europe“
Eine solche Arbeitsteilung würde zudem zu Stellantis' bisheriger Europa-Strategie mit Leapmotor passen. Der Konzern versucht zunehmend, chinesische Technologie und Kostenvorteile mit europäischer Fertigung zu kombinieren.
In Spanien sollen beispielsweise nicht nur Stellantis-Modelle von Leapmotor-Komponenten profitieren. Auch Leapmotor selbst baut seine europäische Produktionsbasis aus. Für das Werk Villaverde in Madrid prüfen die Partner weitere Leapmotor-Modelle ab 2028. Stellantis verweist ausdrücklich darauf, dass die dort gefertigten Fahrzeuge künftigen „Made in Europe“-Anforderungen entsprechen sollen.
Leapmotor baut gleichzeitig seine Entwicklungsstrukturen in Europa aus. Im März 2026 eröffnete das Unternehmen in München sein erstes Innovationszentrum außerhalb Chinas. Der Standort soll unter anderem europäische Design- und Entwicklungsarbeit unterstützen.
Die Kooperation ist damit längst mehr als eine klassische Hersteller-Zulieferer-Beziehung.
Fiat und Citroën mit Leapmotor-Technik? Die entscheidende Frage bleibt offen
Trotz aller Indizien gibt es jedoch einen entscheidenden Vorbehalt: Weder Stellantis noch Leapmotor haben bislang offiziell bestätigt, dass die E-Car-Fahrzeuge aus Pomigliano tatsächlich mit einem Technikpaket von Leapmotor ausgerüstet werden.
Bestätigt ist lediglich, dass Stellantis für das E-Car-Projekt mit externen Partnern an kostengünstiger Elektrofahrzeugtechnik arbeitet. Ebenfalls bestätigt ist, dass der Konzern bei einem künftigen Opel-Modell bereits Komponenten aus dem Leapmotor-International-Ökosystem einsetzen will.
Damit ist das Szenario technisch und strategisch durchaus plausibel, aber noch keine beschlossene Sache.
Sollte Stellantis diesen Weg tatsächlich einschlagen, könnte daraus ein neues Produktionsmodell für europäische Kleinwagen entstehen: Fahrzeuge mit Karosserie, Markenidentität, Abstimmung und Endmontage in Europa, deren zentrale elektrische und elektronische Komponenten teilweise aus einem chinesischen Technologieökosystem stammen.
Für Fiat und Citroën wäre das keine bloße Detailfrage. Die Entscheidung könnte maßgeblich beeinflussen, ob der Konzern wieder Elektroautos zu Preisen anbieten kann, die deutlich unter denen heutiger Modelle liegen – und gleichzeitig Werke wie Pomigliano mit ausreichend hohen Stückzahlen auslasten kann.
Die entscheidende Frage lautet deshalb inzwischen weniger, ob Stellantis Leapmotor-Technologie grundsätzlich für eigene europäische Marken einsetzen wird. Beim geplanten Opel-SUV ist dieser Schritt bereits offiziell vorgesehen. Offen ist vielmehr, ob dieses Konzept ab 2028 auch auf die kleinsten und günstigsten Elektroautos des Konzerns übertragen wird.