BYD-Werk Ungarn : BYDs Europa-Werk: Österreich wittert den Anschluss an Chinas E-Auto-Riesen

Fertigung von Elektroautos bei BYD in China – stark gefördert durch staatliche Subventionen und Industriepolitik.

BYD will in Europa nicht mehr nur Autos verkaufen, sondern auch produzieren: Das erste Pkw-Werk des chinesischen E-Auto-Riesen entsteht im ungarischen Szeged – mit möglichen Chancen für österreichische Zulieferer.

- © BYD

BYD will in Europa nicht mehr nur Autos verkaufen, sondern auch produzieren. Das erste europäische Pkw-Werk des chinesischen Konzerns entsteht im südungarischen Szeged – nur wenige Autostunden von Österreich entfernt. Der ursprünglich angepeilte Produktionsstart bis Ende 2025 hat sich nach jüngsten Angaben allerdings erneut verschoben: Laut Reuters soll die Montage nun im vierten Quartal 2026 beginnen. BYD-Managerin Stella Li bezeichnete Ungarn dabei als „Nummer eins“-Priorität; das geplante Werk in der Türkei wurde vorerst zurückgestellt.

Der Zeitplan ist auch deshalb relevant, weil BYD unter Druck steht, seine Lieferketten in Europa zu lokalisieren. Seit Ende Oktober 2024 erhebt die EU definitive Ausgleichszölle auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China; für BYD liegt der zusätzliche Satz bei 17,0 Prozent, auf die regulären Importabgaben kommt er noch hinzu. Lokale Produktion kann diese Belastung künftig abfedern – und macht europäische Zulieferer für BYD interessanter.

Nie mehr die wichtigsten News aus Österreichs Industrie verpassen? Abonnieren Sie unser Daily Briefing: Was in der Industrie wichtig wird. Täglich um 7 Uhr in ihrer Inbox. Hier geht’s zur Anmeldung!

BYD-Fahrzeuge im Autoterminal Bremerhaven: Noch kommen viele E-Autos des chinesischen Herstellers per Schiff nach Europa – künftig soll das Werk im ungarischen Szeged einen Teil der Importe ersetzen.

- © Lars Penning / dpa / picturedesk.com

BYD und Voestalpine: Warum Linz bei Chinas E-Auto-Riesen schon drin ist

Der bisher wichtigste bestätigte österreichische Industrieauftrag kommt aus Linz. Voestalpine wird Stahlbleche für das BYD-Werk in Szeged liefern und zählt damit zu den ersten offiziell genannten Zulieferern des Projekts. Die Vereinbarung wurde im Juni 2025 in Wien bekanntgegeben; Details zu Liefermengen und Auftragsvolumen wurden nicht veröffentlicht. Voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner sprach von einem ersten Auftrag für hochwertigen Flachstahl für Karosserien und Außenhaut – und von einer möglichen Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit.

Für BYD ist der Deal mehr als ein Einkaufsvorgang. Der Konzern will sich in Europa als lokal verankerter Hersteller positionieren. Österreichischer Stahl passt in diese Erzählung: geografisch nahe am ungarischen Werk, industriell etabliert und politisch anschlussfähig an die Forderung nach europäischer Wertschöpfung.

Magna, AVL, AT&S: Die österreichischen Namen auf BYDs Zulieferliste

Schon im Juli 2024 hatte BYD in Wien eine eigene „Supplier Conference“ organisiert. Hochrangige Vertreter von BYD China und BYD Europe trafen dabei fast drei Dutzend österreichische Automobilzulieferer, um mögliche Partnerschaften für das Werk in Szeged auszuloten. Unter den Teilnehmern waren unter anderem Magna, AVL List, AT&S, AMAG, Miba Sinter Group, Engel Austria, Fronius, Hirschmann Automotive, TTTech, Kromberg & Schubert, Mahle, Lagermax, voestalpine und voestalpine Wire Tech.

Wichtig ist die Unterscheidung: Die Konferenz war ein Türöffner, aber kein Sammelabschluss von Lieferverträgen. Laut BYD konnten die Unternehmen ihr Portfolio präsentieren; anschließend fanden 1:1-Gespräche mit 14 BYD-Einkaufsmanagern und spezialisierten Ingenieuren statt. Öffentlich bestätigt ist daraus bislang vor allem die voestalpine-Vereinbarung. Für Magna, AVL, AT&S und andere gilt daher: Sie sind potenzielle Partner – nicht automatisch beauftragte Zulieferer.

Gerade für Magna wäre ein chinesischer Großkunde strategisch interessant. Das Grazer Werk stand 2024 nach dem Produktionsstopp des Fisker Ocean unter Druck; ORF Steiermark berichtete damals von rund 500 abzubauenden Stellen und verwies auf die schwache Auftragslage. Ein BYD-Auftrag ist daraus aber öffentlich nicht ableitbar.

Bei der BYD Supplier Conference in Wien trafen Vertreter von BYD China und BYD Europe auf österreichische Zulieferer wie Magna, AVL, AT&S, AMAG, Miba, Engel, Fronius und Voestalpine. Für viele war es ein Türöffner – fixe Aufträge sind bisher aber nur vereinzelt bestätigt.

- © BYD

BYD Österreich: Wie Denzel, Raiffeisen und UNIQA am E-Auto-Boom mitverdienen

Abseits der Produktion ist BYD in Österreich schon länger mit heimischen Unternehmen verflochten. Die Denzel Gruppe wurde 2022 als „Dealer+“-Partner für Österreich bestellt und startete mit dem Aufbau des Händlernetzes sowie dem Verkauf der ersten Modelle. Für BYD war diese Partnerschaft der Markteintritt in Österreich; für Denzel bedeutete sie den Einstieg in eine der weltweit am schnellsten wachsenden E-Auto-Marken. Wie stark BYD inzwischen auch am globalen Markenbild arbeitet, zeigt der mögliche Formel-1-Einstieg des chinesischen Autobauers.

Inzwischen ist BYD in Österreich nicht mehr nur über Schauräume präsent. Raiffeisen-Leasing und BYD starteten 2025 eine strategische Kooperation unter der Marke „BYD LEASE“. Raiffeisen-Leasing fungiert dabei als Finanzierungspartner; ein eigener Leasingrechner soll Privat- und Firmenkunden den Abschluss erleichtern.

Auch im Versicherungsgeschäft gibt es eine österreichische Partnerschaft. Im April 2026 kündigte BYD Österreich eine Kooperation mit UNIQA für maßgeschneiderte Versicherungslösungen an. BYD vermarktet die „BYD Versicherung“ ausdrücklich in Kooperation mit UNIQA.

BYD und Fronius: Warum der China-Konzern auch im Energiemarkt andockt

Nicht jede BYD-Kooperation in Österreich dreht sich um Autos. Fronius aus Oberösterreich arbeitet im Bereich Photovoltaik-Speicher mit BYD-Systemen zusammen. Bereits 2020 berichtete Fronius über eine engere Kooperation beim technischen Support für Gesamtsysteme aus Fronius-Wechselrichtern und BYD Battery-Box-Speichern. Das ist keine Zulieferbeziehung für das Werk in Szeged, zeigt aber, dass BYD in Österreich auch im Energiebereich Anschlussstellen hat.

Dazu passt, dass BYD Österreich zum EU-Pilotmarkt für Vehicle-to-Home-Technologie machen will. Dabei soll die Fahrzeugbatterie als Stromspeicher für Haushalte nutzbar werden. BYD sprach von einer Zusammenarbeit mit einem lokalen Industriepartner; dessen Name und der genaue Zeitplan wurden bislang jedoch nicht öffentlich genannt.

BYD in Europa: Für Österreich ist die Tür offen, aber der Auftrag noch nicht fix

Für Österreichs Zulieferindustrie ist BYDs Werk in Ungarn eine reale Chance. Die Nähe zu Szeged, die vorhandene Kompetenz in Stahl, Elektronik, Antriebstechnik, Kunststoff, Testsystemen und Logistik sprechen für österreichische Anbieter. Gleichzeitig bleibt die Beleglage nüchtern: Bestätigt sind vor allem voestalpine als industrieller Lieferant, Denzel als Vertriebs- und Marktpartner, Raiffeisen-Leasing als Finanzierungspartner, UNIQA als Versicherungspartner und Fronius im Energiespeicherumfeld.

Ob aus den Gesprächen mit Magna, AVL, AT&S und weiteren Zulieferern größere Serienaufträge werden, ist öffentlich noch nicht belegt. Genau darin liegt der eigentliche Nachrichtenkern: BYD öffnet die Tür zur europäischen Lieferkette – aber wer durchgeht, entscheidet sich erst mit dem Hochlauf der Produktion in Ungarn.

Sie wollen mehr zum Thema?