BYD Werk Ungarn : BYD und CATL: Ungarns Milliardenwette auf China bekommt neue Spielregeln

Ungarns neue Regierung prüft BYD und CATL

BYD und CATL investieren Milliarden in Ungarn: Während BYD sein erstes europäisches Pkw-Werk in Szeged hochfährt, baut CATL in Debrecen eine der größten Batteriefabriken Europas. Die neue ungarische Regierung verschärft nun die Kontrolle über große Industrieprojekte.

- © Wikipedia/BYD (mit KI bearbeitet)

Ungarn stellt seine Industriepolitik gegenüber chinesischen Batterie- und Elektroautoherstellern neu auf. Die seit Mai 2026 amtierende Regierung von Ministerpräsident Péter Magyar überprüft staatliche Förderungen, Steuervergünstigungen und Genehmigungen für große internationale Investitionsprojekte, die unter der vorherigen Regierung von Viktor Orbán vereinbart worden waren. Dazu gehören auch milliardenschwere Projekte chinesischer Unternehmen. Eine im Juli angekündigte Untersuchung soll unter anderem klären, unter welchen Bedingungen staatliche Unterstützung gewährt wurde und welche Belastungen daraus für Staat, Beschäftigte, Kommunen und Umwelt entstanden sind.

Im Mittelpunkt steht unter anderem der Elektroautohersteller BYD. Das chinesische Unternehmen baut im südungarischen Szeged sein erstes Pkw-Produktionswerk in Europa auf. Erste Produktionsaktivitäten haben inzwischen begonnen, der vollständige Hochlauf steht jedoch noch aus. Mitte September erklärte BYD, die Massenproduktion in Szeged solle im kommenden Jahr beginnen. Gleichzeitig plant der Konzern bereits weitere Produktionsstätten in Europa.

Für BYD ist Ungarn weit mehr als nur ein Produktionsstandort. Bereits 2025 kündigte das Unternehmen an, sein europäisches Hauptquartier in Budapest anzusiedeln. Dort sollen unter anderem Vertrieb, Kundenservice, Fahrzeugtests und die Entwicklung speziell für den europäischen Markt bestimmter Modelle gebündelt werden. Nach Angaben des Unternehmens und der damaligen ungarischen Regierung sollen dadurch rund 2.000 Arbeitsplätze entstehen. BYD betreibt zudem schon länger eine Elektrobus-Produktion in Komárom.

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BYD-Werk in Szeged: Arbeitsbedingungen und alte Investitionsregeln geraten unter die Lupe

Der Ausbau in Szeged wird allerdings von Vorwürfen über die Arbeitsbedingungen auf der Baustelle begleitet. Die Nichtregierungsorganisation China Labor Watch veröffentlichte im April 2026 einen Untersuchungsbericht, der auf mehreren Vor-Ort-Recherchen und mehr als 60 Gesprächen mit chinesischen Arbeitskräften beruht. Beschäftigte berichteten demnach unter anderem von Sieben-Tage-Wochen, fehlenden Ruhetagen, in einzelnen Fällen bis zu 14 Stunden langen Arbeitstagen sowie undurchsichtigen Lohn- und Rekrutierungspraktiken. Die Organisation sieht in den geschilderten Umständen mögliche Verstöße gegen ungarisches Arbeitsrecht und teilweise Indikatoren, wie sie die Internationale Arbeitsorganisation im Zusammenhang mit Zwangsarbeit definiert. Dabei handelt es sich jedoch um Vorwürfe und nicht um eine gerichtliche Feststellung.

Zusätzliche politische Aufmerksamkeit erhielt BYD durch den Wechsel des langjährigen ungarischen Außen- und Handelsministers Péter Szijjártó zum Konzern. Szijjártó, der von 2014 bis Mai 2026 Außenminister unter Orbán war und die Ansiedlung chinesischer Unternehmen maßgeblich unterstützte, legte im Juli sein Parlamentsmandat nieder und übernahm bei BYD eine internationale Führungsposition für externe Beziehungen und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder. Die neue Regierung erklärte anschließend, auch die während seiner Amtszeit ausgehandelten Rahmenbedingungen großer Investitionen überprüfen zu wollen.

Péter Szijjártó war von 2014 bis 2026 Ungarns Außen- und Handelsminister. Im Juli wechselte der langjährige Förderer chinesischer Investitionen zum Elektroautohersteller BYD, wo er die Bereiche externe Beziehungen und Entwicklung neuer Geschäftsfelder übernahm.

- © Wikipedia

CATL in Debrecen: 7,34 Milliarden Euro für Ungarns Batterie-Großprojekt

Noch größer ist das Investitionsvolumen beim chinesischen Batteriehersteller CATL. Der Konzern kündigte 2022 an, 7,34 Milliarden Euro in eine Batteriefabrik in Debrecen zu investieren. Langfristig ist dort eine jährliche Produktionskapazität von bis zu 100 Gigawattstunden vorgesehen. Auf einer Fläche von rund 221 Hektar sollen Batteriezellen und -module für europäische Fahrzeughersteller gefertigt werden.

Bei der Modulproduktion ist CATL bereits weiter: Seit Mai 2026 läuft in einem neu errichteten Gebäude eine Montagelinie mit einer Jahreskapazität von fünf Gigawattstunden. Der Start der eigentlichen Zellproduktion verzögert sich dagegen. CATL hatte ursprünglich einen früheren Produktionsbeginn vorgesehen.

CATL-Batteriefabrik: Nickelwerte und Behördenauflagen bremsen den Hochlauf in Debrecen

Ende August griffen die ungarischen Arbeitsschutzbehörden ein, nachdem CATL selbst erhöhte Nickelwerte bei neun Beschäftigten gemeldet hatte. Bei anschließenden Kontrollen stellten die Behörden Mängel bei der persönlichen Schutzausrüstung fest und untersagten vorübergehend Arbeiten in drei Bereichen des Zellfertigungsgebäudes. Gleichzeitig wurde eine Nutzungsgenehmigung für einen Teil des Gebäudes zunächst nicht erteilt; für einen anderen Abschnitt gab die Behörde nach Nachbesserungen grünes Licht.

Auch umweltrechtlich steht das Unternehmen unter Beobachtung. Im August wurde das CATL-Werk nach Medienberichten mit einer Geldbuße von zehn Millionen Forint belegt. Bei einer Kontrolle waren unter anderem Mängel bei der Kennzeichnung und Lagerung von Abfällen festgestellt worden.

Batteriefabriken in Ungarn: Neue Umweltbehörde verschärft die Kontrolle

Die verschärften Kontrollen sollen künftig institutionell verankert werden. Die ungarische Regierung hat angekündigt, zum 1. Januar 2027 wieder eine eigenständige, landesweit zuständige Umweltbehörde aufzubauen. Zu ihren Kernaufgaben soll ausdrücklich die Genehmigung und Überwachung von Batteriefabriken gehören. Parallel sollen die Sanktionen für Umweltverstöße deutlich steigen. Bei besonders schweren Fällen sollen Geldbußen von bis zu fünf Milliarden Forint möglich sein. Unternehmen, die innerhalb von fünf Jahren dreimal gegen Umweltvorschriften verstoßen, sollen zudem mit besonders hohen Strafen belegt werden können.

Dass die strengere Linie nicht nur CATL betrifft, zeigt der Fall des chinesischen Batterieseparator-Herstellers Semcorp in Debrecen. Die zuständige Behörde setzte dessen Produktion am 24. Juni aus, nachdem Proben aus Grundwasser, Entwässerungssystemen und einem Rückhaltebecken bei mehreren Metallen und Halbmetallen Werte oberhalb der festgelegten Grenzwerte gezeigt hatten.

Allerdings ist die Ursache der gemessenen Belastungen umstritten. Semcorp veröffentlichte im August Ergebnisse weiterer Untersuchungen durch vier akkreditierte Labore. Nach Darstellung des Unternehmens konnten diese keine entsprechende Metallverunreinigung im Boden oder Grundwasser bestätigen. Semcorp argumentiert außerdem, die ursprünglichen Messergebnisse könnten auf eine andere Analysemethode zurückzuführen sein. Die Daten wurden nach Unternehmensangaben den zuständigen Behörden übergeben.

China-Investitionen in Ungarn: Warum BYD und CATL für den Industriestandort so wichtig sind

Die strengeren Kontrollen bedeuten bislang keinen grundsätzlichen Abschied Ungarns von chinesischen Investitionen. Dafür ist deren wirtschaftliche Bedeutung inzwischen erheblich. Nach Berechnungen des Mercator Institute for China Studies und der Rhodium Group entfielen 2024 rund 31 Prozent aller chinesischen Direktinvestitionen in Europa auf Ungarn. Bei chinesischen Investitionen speziell in europäische Elektroauto- und Batterieprojekte lag der ungarische Anteil sogar bei 62 Prozent.

Die starke Konzentration ist das Ergebnis einer jahrelangen Ansiedlungspolitik unter Viktor Orbán. Beim Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Budapest im Mai 2024 bauten beide Länder ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit weiter aus. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich CATL und BYD bereits zu zentralen Bestandteilen der ungarischen Industriepolitik entwickelt.

BYD baut Budapest zu seiner Europa-Zentrale aus: In der ungarischen Hauptstadt sollen künftig Vertrieb, Kundenservice, Fahrzeugtests und die Entwicklung neuer Modelle für den europäischen Markt gebündelt werden. Rund 2.000 Arbeitsplätze sind geplant.

- © BYD

EU-Zölle auf Elektroautos aus China: Warum BYDs Werk in Ungarn strategisch wichtiger wird

Hinzu kommt der europäische Handelskonflikt um chinesische Elektroautos. Seit Ende 2024 erhebt die EU zusätzliche Ausgleichszölle auf in China produzierte batterieelektrische Pkw. Für BYD beträgt der derzeitige Satz 17 Prozent. Fahrzeuge, die vollständig innerhalb der EU produziert werden und die entsprechenden Ursprungsregeln erfüllen, fallen dagegen nicht automatisch unter diese Importmaßnahme. Damit gewinnt der Aufbau lokaler Produktion für chinesische Hersteller zusätzlich an strategischer Bedeutung.

Für die Regierung Magyar entsteht daraus ein Balanceakt: Sie will ausländische Investitionen weiterhin im Land halten, zugleich aber Umwelt-, Arbeits- und Transparenzvorschriften konsequenter durchsetzen. Für BYD, CATL und andere Batterieunternehmen bedeutet das, dass Ungarn als europäischer Produktionsstandort zwar wichtig bleibt – die Bedingungen für neue Fabriken und deren Betrieb jedoch deutlich stärker kontrolliert werden als in den vergangenen Jahren.

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