Wachstumstreiber Exploration : Neue OMV-Strategie: Roiss bremst bei Raffinerien, setzt auf Gas

Diese neue Strategie stellte OMV-Generaldirektor Gerhard Roiss, der heuer seit 1. April am Ruder der OMV ist, am Mittwochabend in Istanbul beim Media Summit vor Journalisten und Analysten vor. Roiss erwartet vom integrierten Gasgeschäft - Produktionsstätte, Infrastruktur und europäischer Absatzmarkt - eine Stärkung der OMV in Europa. Bei der OMV ist man überzeugt, dass Erdgas "zur primären Energiequelle Europas" wird. Dem seit Jahren unter Federführung der OMV vorangetriebenen Gaspipeline-Projekt Nabucco komme eine Schlüsselrolle zu. Außerdem setzt der Konzern auf Gaskraftwerke, die "ein neues attraktives Outlet für das Gas aus Eigenproduktion" sein sollen. Darüber hinaus will die OMV auch neue, eigene Gaspositionen in der Kaspischen Region, im Mittleren Osten und Afrika erschließen. Auf diese Region will Roiss einen stärkeren Fokus legen. Das Portfolio aus dem R&M-Bereich - auch als Reaktion auf die fallende Erdölprodukte-Nachfrage in Europa - soll dagegen auch sukzessive in Gas und Power sowie Exploration und Produktion (E&P) verschoben werden. Die Raffineriemargen haben der OMV-Führung zuletzt bereits starke Kopfschmerzen bereitet: Im ersten Halbjahr gingen sie um 40 Prozent auf 1,90 Dollar (nach 3,15 Dollar) pro Barrel zurück und lagen damit auf dem Niveau der frühen 1990er Jahre. Hauptwachstumstreiber soll künftig aber das Geschäftsfeld Exploration und Produktion (E&P) werden, wo die OMV "zwei Drittel ihrer zukünftigen Investitionen tätigen will. Unter anderem soll die Produktionsperformance bei bestehenden Öl- und Gasfeldern erhöht und die Entwicklung neuer Ressourcen beschleunigt werden. Aber auch "gezielte Akquisitionen" sollen für weiteres Wachstum sorgen. Die Performance beim Return on Average Capital Employed (ROACE) will Roiss mit einem neuen Programm um 2 Prozentpunkte bis 2014 steigern. Dazu kündigte der Konzern Maßnahmen zur Ertragssteigerung, Kostensenkung und Kapitaloptimierung an.Bei der Upstream-Produktion will die OMV mittelfristig bis 2016 um 2 Prozent - inklusive Akquisitionen bis zu 4 Prozent - wachsen, sagte OMV-Chef Gerhard Roiss bei der Vorstellung der neue Strategie seines Konzerns. In Österreich und Rumänien soll dagegen die Produktion auf 200.000 bis 210.000 Fass pro Tag (boe/d) stabilisiert werden, was zwei Drittel der gesamten OMV-Produktion sei. Generell will die OMV in ihren Produktionsländern auf eine kritische Masse von zumindest 25.000 boe/d kommen, so Roiss. Weitere 50.000 boe/d sollen aus den eigenen internationalen Entwicklungen kommen. Dazu zählen etwa das tunesische Ölfeld Habban, das ab 2013 in Betrieb gehen soll oder die Beteiligung an dem Ölfeld Schiehallion, an dem die OMV mit 6 Prozent beteiligt ist. Dagegen erwartet sich Roiss aus dem geplanten Effizienzprogramm bis 2014, demzufolge der Return on Average Capital Employed (ROACE) um 2 Prozentpunkte gesteigert werden soll, rund 700 Millionen Euro. Raffinerie-Abverkauf um eine Milliarde Euro Der R&M-Bereich, wo bis 2014 Assets im Wert bis zu 1 Milliarde Euro verkauft werden sollen, soll von derzeit 53 Prozent des gesamten OMV-Portfolios bis 2021 auf rund ein Viertel schrumpfen. Hier wird laut der OMV derzeit alles genau unter die Lupe genommen, ein Rückzug aus einzelnen Ländern in Mittel- und Osteuropa (CEE) wird nicht ausgeschlossen. Dagegen sollen in einem Jahrzehnt die Bereiche Gas und Power von 12 auf 20 Prozent und Exploration und Production (E&P) von 35 auf rund 55 Prozent wachsen, so Roiss. 50 Prozent der weltweiten Öl- und Gasreserven liegen in der Kaspischen Region bzw. im Nahen Osten, unterstrich Roiss die Bedeutung der Türkei als Energiebrücke in diese Region. Langfristig komme dem Pipeline-Projekt Nabucco eine Schlüsselrolle zu, sagte der OMV-Chef vor zahlreichen Journalisten und Analysten. Die OMV ist derzeit ín der Türkei unter anderem mit dem Tankstellenbetreiber Petrol Ofisi (97 Prozent) und dem zweitgrößten Erdgashändler Enerco (40 Prozent) vertreten. Derzeit baue man darüber hinaus das Kraftwerk in der türkischen Stadt Samsun, das 2012 in Betrieb gehen soll, betonte Roiss. Für das Kraftwerk mit einer Leistung von 870 Megawatt nimmt die OMV rund 600 Millionen Euro in die Hand. Europa brauche eine südliche Gasroute, um eine Diversifikation bei den Gasquellen zu erreichen, unterstrich Roiss. Deshalb komme dem Pipelineprojekt Nabucco in der langfristigen Strategie eine Schlüsselrolle zu. (APA/red)