hollu : hollu in Tirol: Vom Handwerksbetrieb zur Hightech-Fabrik

Simon Meinschad, bis Juni 2026 langjähriger Geschäftsführer des Familienunternehmens (li.), und Michael Koll, Bereichsleiter hollu Supply Chain

Simon Meinschad, bis Juni 2026 langjähriger Geschäftsführer des Familienunternehmens (li.), und Michael Koll, Bereichsleiter hollu Supply Chain: „Wir haben unser gesamtes Ecosystem verändert."

- © Matthias Heschl

hollu Systemhygiene hat am Standort in Tirol nicht nur ein neues Fabriksgebäude errichtet. Für Michael Koll, Bereichsleiter hollu Supply Chain, reicht die Transformation weiter. „Wir haben unser gesamtes Ecosystem verändert“, sagt er. Aus einem handwerklich geprägten Betrieb sei eine skalierbare Industrieplattform entstanden, die Produktion, Daten, Kundenprozesse und künftig KI enger verbindet. 

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Ausgangspunkt war eine Brownfield-Situation mit langen Wegen und aufwendiger Intralogistik. hollu entschied sich bewusst für eine Greenfield-Entwicklung. Prozesse wurden wissenschaftlich geplant, mit Mitarbeitenden analysiert, mit der Stoppuhr vermessen und ohne Tabus hinterfragt. Die Ergebnisse flossen direkt in das neue Werk ein.

Vier Unternehmen aus Österreich schafften es heuer ins Finale von Fabrik2026: neben Hirschmann Automotive, Fill Maschinenbau und Zotter Schokolade auch hollu Systemhygiene - Gewinner des Awards Green Factory. Der von Fraunhofer Austria und INDUSTRIEMAGAZIN ausgetragene Wettbewerb zeichnet keine Hochglanzfabriken aus, sondern Produktionsstandorte, die sich nachweislich weiterentwickeln – in Effizienz, Digitalisierung, Resilienz und Nachhaltigkeit.

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Bewertet wurden die Unternehmen in den Kategorien Efficient Factory, Smart Factory und Sustainable Factory. Im Finale galt es anschließend, die Besonderheiten der eigenen Produktion noch einmal auf den Punkt zu bringen: zehn Minuten Präsentation, gefolgt von zehn Minuten Fragen der Jury.

Allein der Neubau von hollu verfügt über Kapazitäten für mehr als 1,8 Millionen Liter Rohstoffe. Damit steigt auch die Resilienz. Engpässe wie während Corona bei Desinfektionsmitteln sollen sich nicht wiederholen: Mit den Lagerkapazitäten könne hollu Österreich zwei Monate versorgen. Für eine Tiroler Klinik wurden Vorkehrungen getroffen, um selbst bei einem Blackout einen Monat Ware liefern zu können. hollu entwickelte eine Lösung, mit der mehr als 300 Rohstoffe vollautomatisch aus der Produktionsleitstelle in Ansatzkessel gepumpt werden können. Parallel laufen Genehmigungen für den Umgang mit erhöhten Gefährdungspotenzialen. Neue Kapazitäten erschlossen bereits Geschäft, das früher nicht erreichbar gewesen wäre: hollu gewann einen millionenschweren Fünfjahresauftrag aus Deutschland. 

Der Neubau umfasst 18.000 Quadratmeter und kommt ohne Öl und Gas aus, eingesetzt werden Wärmepumpen. Seit 2018 bilden die 17 Sustainable Development Goals den strategischen Rahmen und sind in die Unternehmenssteuerung integriert. „Wir haben gelernt, dass sich die Frage wirtschaftlicher Erfolg oder Nachhaltigkeit nicht stellt“, sagt Koll. Dazu gehören CO2-Bilanzen auf Unternehmens- und Produktebene, Kreislaufwirtschaft und das Waschen von Gebinden. hollu produziert mit dem neuen Werk CO2- neutral.

Zur sozialen Dimension zählen Gesundheitsberatung und Massagen, psychotherapeutische Unterstützung, ein Kulturcoach, Gender Equality und finanzierte Kinderbetreuung bis zum siebten Lebensjahr. Die jüngste Mitarbeiterbefragung habe eine Weiterempfehlungsrate von 87 Prozent ergeben, die Strategie 2030 werde jedem Mitarbeitenden persönlich vermittelt. Auf dem Werksgelände entstand ein 5.000 Quadratmeter großer, dauerhaft unverbauter Naturerholungspark mit Kneippbereich. 

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Es gibt einen Löschteich, es gibt Bienen, Honiggewinnung sowie Tische, WLAN und Arbeitsmöglichkeiten im Freien. 

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Auch KI wird systematisch aufgebaut. Führungskräfte absolvierten Schulungen, gemeinsam mit Fraunhofer entstand eine Heatmap zu Reifegrad und Wirkung möglicher Anwendungen. Dabei zeigte sich, dass Software-, Hardware- und Datenarchitektur angepasst werden müssen. Ein Data Hub, Integrationsplattformen und Strukturen zur Überwachung der Datenqualität wurden bereits aufgebaut. hollu entwickelt eigene Software für Kunden, verbindet Verbrauchsdaten mit Arbeitsprozessen und arbeitet an IoT-Tools, Sales Automation und der Integration bis in die Produktion. KI soll etwa Dosiersysteme beim Kunden überwachen, Fehlermeldungen auswerten und anhand laufender Parameter und Erfahrungswerte Störungen früher erkennen. 

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Parallel prüft hollu Copilot, ChatGPT, und europäische Systeme. „Wir sind kein Unternehmen, das Trends sofort hinterherläuft. Wir prüfen den Einsatz zuerst“, sagt Koll. Die Mitarbeitenden wurden früh vorbereitet. Bereits 2018 bzw. 2019 installierte hollu in der alten Produktion zwei Anlagen und einen Verpackungsroboter, um die Belegschaft schrittweise an Automatisierung heranzuführen. 

Ein Kollege bezeichnet den Wechsel vom Handwerksbetrieb in ein vollautomatisiertes Umfeld als „kompletten Paradigmenwechsel“. Eine steigende Fluktuation sei nicht zu beobachten. Weil qualifiziertes Personal im chemischen Bereich schwer zu finden ist, setzt hollu auf interne Ausbildung und Lehrlinge, unter anderem in Mechatronik und mehreren Lehrberufen. 

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Tanklager und Abfüllung können erweitert werden, vorgesehen ist auch ein vollautomatisches, 38 Meter hohes Hochregallager. Parallel baut hollu seine Marktpräsenz aus. In Deutschland entstand ein neues Netzwerk; Österreich, Deutschland, Italien, Schweiz und Frankreich sollen stärker bearbeitet werden. Zusätzliche externe Zertifizierungen sollen neue Produktionsmöglichkeiten eröffnen.

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