Rohstoffe

Österreichs Papierindustrie leidet am Holzmangel

Der heimischen Papierindustrie macht in Zeiten der Coronakrise zusätzlich ein Mangel an Qualitätsholz und Altpapier zu schaffen. Weil Holz langsam nachwachse, nütze das jetzt ausreichend vorhandene Schadholz nichts. In der Branche ist Kurzarbeit weit verbreitet.

Außer der Coronakrise macht der heimischen Papierindustrie ein Mangel an Qualitätsholz und Altpapier zu schaffen. Für eine bessere Auftragslage hofft man auf eine Rückkehr zu einem normalen Wirtschaftsleben, derzeit nutzt man Kurzarbeit und stellt immer wieder tageweise Papiermaschinen ab. Beim Erneuerbaren-Ausbau will die Branche nicht Nachteile gegenüber der energetischen Holz-Nutzung haben.

Erzeuger hoffen auf Rückkehr zu normalem Wirtschaftsleben

"Eine schrittweise Ingangsetzung des Wirtschaftslebens ist das Wichtigste - dann wird sich die Auftragssituation bessern. Das Kurzarbeitsmodell hilft, die Arbeitsplätze zu sichern", sagte der Chef von Sappi Austria, Max Oberhumer, beim Online-Jahrespressegespräch des Branchenverbandes Austropapier.

Die Entwicklung in den nächsten Monaten lasse sich nicht abschätzen, meinte Austropapier-Vizepräsident Kurt Maier von Heinzel. Besonders unter Druck sei man aktuell bei Papieren für die grafische Industrie. Oberhumer sprach zum grafischen Papier von einem "dramatischen Rückgang" und einem "schweren Schlag". Darauf reagiere man mit einem "Stop-and-Go-Betrieb", Papiermaschinen würden tageweise stillstehen.

White Paper zum Thema

Durch den massiven Rückgang bei grafischem Papier werde auch weniger Recyclingmaterial retourkommen, befürchtet Maier. Und weil Holz langsam nachwachse, nütze das jetzt ausreichend vorhandene Schadholz dann nichts. Für die Exporte wichtig sei ein Beibehalten der Kreditversicherungsrahmen, so Maier, der auf den für die sonstige Papier- und Zellstoff-Industrie großen wichtigen Markt Italien verwies.

JETZT NEU - Corona Economy:
Der neue Nachrichten-Echtzeit-Dienst von INDUSTRIEMAGAZIN. Registrieren Sie sich hier >>

Kurzarbeit und Stillstände

Aktuell sei die Branche nicht ausreichend mit Rundholz versorgt, beklagte Austropapier-Präsident Christian Skilich von der Mondi Group. Es komme zwar sehr viel an Schadholz auf den Markt, man benötige aber für bestimmte Qualitäten auch frisches Holz. So benötige Lenzing teils zu 100 Prozent Buche, auch bestimmte hohe Kiefernanteile seien nötig. Es gebe ein Überangebot vor allem an Fichten aus dem Wald-, Wein- und Mühlviertel, "wir brauchen aber auch Frischholz, wie es in Österreich nicht ausreichend zur Verfügung steht". Deshalb müsse man sich hier immer wieder über Importe eindecken.

Genug Toilettenpapier

Zum Aufreger-Thema WC-Papier betonte Skilich, dass die Versorgung sichergestellt sei und der Bedarf ausreichend gedeckt werde - nachdem sich die Hamsterkäufe von Mitte März gelegt hätten.

Aktuelle Eckdaten zur Branche

2019 ging die gesamte Papierproduktion um 1,4 Prozent auf 4,98 Mio. Tonnen zurück, dabei sank sie bei grafischen Papieren um 4,9 Prozent auf 2,28 Mio. t und wuchs bei Verpackungspapieren um 2,3 Prozent auf 2,39 Mio. t. Erstmals hat damit der Verpackungsbereich den grafischen vom Volumen her überrundet.

Der Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten ging von 91,9 auf 90,1 Prozent zurück, die Umsätze sanken um 2,7 Prozent auf 4,17 Mrd. Euro. Der Mitarbeiterstand lag bei 8.020 (7.903), plus 1,5 Prozent.

An Holz verbrauchte die Papier- und Zellstoffindustrie voriges Jahr 8,74 Mio. Festmeter (-0,4 Prozent), davon 4,02 Mio. Fm Rundholz (-3,1 Prozent) und 4,72 Mio. Fm Hackschnitzel (+1,9 Prozent). Importiert wurden 2,53 Mio. Fm Holz (-6,0 Prozent), womit der Anteil der Importe am Einsatz 29 (nach 30) Prozent betrug.

Branche wartet auf das EAG

Das geplante Erneuerbaren-Energie-Gesetz (EAG) wünscht sich die Papierindustrie möglichst rasch, aber mit möglichst hohen Effizienzanforderungen an die Biomasse-Anlagen (insbesondere für feste Biomasse), denn das sind beim Holzeinsatz in Österreich die direkten Konkurrenten der Papierproduzenten. Es sollte Subventionen ausschließlich als Investitionsförderungen geben, forderte Oberhumer als Energiesprecher der Austropapier.

Die Papierindustrie betreibe eigene Kraftwerke, die zur Netzstabilisierung einsetzbar seien, wenn sie ins Redispatch-System eingebunden seien. Das Netz stützen könne man durch eine erhöhte Einspeisung ins Stromnetz oder Entnahmen aus dem Netz, je nachdem was gerade nötig sei. Seine Branche beliefere 100.000 Haushalte mit Wärme und Strom, im wesentlichen aus erneuerbarer Energie.

INDUSTRIEMAGAZIN-Service zum Thema Corona:
So sieht das Corona-Hilfspaket der EU aus >>
COVID-19: Die wichtigsten Infos zu Kurzarbeit, Versicherungsschutz & Co. >>
Corona-Economy: Push-Informationen in Echtzeit >>

Ansehnliche Erfolge hat die Papierindustrie nach ihren eigenen Angaben bei der Senkung der CO2-Emissionen erzielt - und diese Entwicklung werde noch weiter gehen, sagte Oberhumer. In absoluter Höhe habe man den CO2-Ausstoß seit 1990 um 20 Prozent gesenkt - spezifisch, pro Tonne Papier, sogar um 40 Prozent, weil gleichzeitig das Produktionsvolumen um 70 Prozent gewachsen sei. Gegenüber dem Ausgangspunkt für das europäische Emissionshandelssystem (ETS) im Jahr 2005 habe man die Emissionen um 30 Prozent vermindert. Weitere 15 bis 20 Prozent absolute Reduktion würden kommen, spezifisch seien das dann minus 50 Prozent. (apa/red)

Verwandte tecfindr-Einträge