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ÖBB: Neue Züge und vier Millionen neue Zugkilometer

Die ÖBB wollen ab Dezember den Nahverkehr und Regionalverkehr stark ausbauen. Auch die Zugflotte wird modernisiert: In den kommenden Jahren rollen fast 200 neue Züge des Typs "Desiro ML" von Siemens durch Österreich. Vorarlberg bekommt neue Züge des Typs "Talent3" von Bombardier.

Am 15. Dezember tritt der neue ÖBB-Fahrplan in Kraft. Er bringt einen massiven Ausbau des Nah- und Regionalverkehrs: Vier Millionen zusätzliche Zugkilometer sind geplant. Dazu kommen neue Verbindungen im Fernverkehr und mit dem Nachtzug. Mit den ÖBB können so 14 europäische Länder bereist werden. Die Bahntickets werden im Schnitt um 1,9 Prozent teurer, hieß es bei einer Pressekonferenz in Wien.

Andreas Matthä erwartet neuen Fahrgastrekord

"Für 2019 wird ein neuer Fahrgastrekord erwartet", kündigte ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä an. Für neue Züge, Umrüstungen und eine Serviceinitiative habe die Bahn "ein Investitionsvolumen von 2,8 Milliarden Euro am Start", kündigte der Bahnchef an, der die ÖBB als "größtes Klimaschutzunternehmen Österreichs" sieht. Bei den geplanten zusätzlichen vier Millionen Zugkilometern handle es sich um "die größte Ausweitung der letzten Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte", sagte Matthä. In der Ostregion soll es ein Plus von zehn Prozent geben, mit verbesserten Intervallen und längeren Betriebszeiten. Auf der Strecke St. Pölten nach Wien sei so "niemand mehr auf das Auto angewiesen".

300 Fernverkehrszüge, davon mehr als die Hälfte im internationalen Fernverkehr, bieten die ÖBB bereits an. Der neue Fahrplan bringt zusätzliche Verbindungen. Von Wien über Salzburg und Innsbruck wollen die ÖBB ihre Fahrgäste täglich in die Südtiroler Landeshauptstadt Bozen bringen. Mit Direktverbindungen von Graz über Wien und Krakau nach Przemysl in Polen sowie von Wien über Debrecen nach Satu Mare in Rumänien werden weitere Destinationen in den Fahrplan 2020 aufgenommen. Ab dem 4. Mai 2020 steht Fahrgästen zudem eine weitere Direktverbindung nach Berlin zur Auswahl. Von Graz geht es über Wien ohne Umsteigen nach Dresden und in die deutsche Bundeshauptstadt.

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Siemens baut 189 Garnituren des Typs Desiro ML

Moderner werden soll auch die Zugflotte. Bereits im Sommer 2020 sollen in der Ostregion nach und nach weitere 24 Cityjets vom Typ Desiro ML auf Schiene kommen. Insgesamt sollen mit Ende 2021 österreichweit 189 dieser Züge unterwegs sein.

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Bombardier liefert Cityjets vom Typ Talent3

In Vorarlberg werden im nächsten Fahrplanjahr die neuen ÖBB Cityjets vom Typ Talent3 eingesetzt. Zusätzlich erhalten rund 100 Doppelstockwagen - wie auch schon viele Züge vom Typ Talent1 und Desiro Classic - ein Upgrade auf Cityjet-Niveau.

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Um ein Kapitel erweitert wird außerdem die Erfolgsgeschichte des ÖBB-Nightjets. Highlight wird die bereits angekündigte Nachtverbindung Wien - Brüssel. Der Start ist für Jänner 2020 vorgesehen, vorerst zweimal wöchentlich. Der Buchungsstart beginnt Anfang Dezember. Ein Jahr später soll eine direkte Nachtverbindung nach Amsterdam folgen. Das werden "nicht die letzten Destinationen sein", die ÖBB seien bereits mit einigen weiteren Staatsbahnen in Kontakt. So findet Matthä auf Nachfrage etwa Schweden "nicht uninteressant".

Fehdehandschuh an die Billigflieger

Bei den Nightjet-Tickets insgesamt - also Schlaf-, Liege- und Sitzplätze - verzeichnete die Bahn eine Steigerung von elf Prozent. Dabei spielt den ÖBB der Klimawandel und die steigende Kritik an Flugreisen in die Hände. Bei den Sitzplätzen in den Nachtzügen, die ab 19 Euro erhältlich sind, "matchen wir uns mit den Billigfliegern", sagte der Vorstandsvorsitzende. Sehr beliebt sind etwa die Nachtzüge nach Rom oder Hamburg, innerhalb Österreichs gibt es auf der Strecke Wien-Bregenz einen Zuwachs von 20 Prozent, sagte Matthä. Besonders gut gebucht wird der Schlafwagen. Der ÖBB-Chef rät dazu, auf jeden Fall rechtzeitig zu reservieren.

Vorteilscard als Geschenk der ÖBB zum 18. Geburtstag

Allgemein werden die Tickets mit dem neuen Fahrplan im Schnitt um 1,9 Prozent teurer, was für Matthä eine "sehr faire Preisanpassung in Verhältnis zur Leistung" ist. Verbundkarten sind davon nicht betroffen, ebenso wenig wie die Preise für die ÖBB Vorteilscard. Teuerer wird die Österreichcard, jene für Jugendliche bleibt gleich. Die Strecke Wien-Linz kostet beispielsweise mit der Vorteilscard künftig 19,30 statt bisher 18,70 Euro, ebenso um 60 Cent teurer wird die Strecke Wien-Innsbruck oder Wien-Salzburg.

Jugendliche erhalten 2020 zu ihrem 18. Geburtstag die Vorteilscard Jugend geschenkt. "Wir sind gespannt, wie viele von den 90.000 Jugendlichen, die im nächsten Jahr 18 werden, die Vorteilscard abholen", sagte Matthä.

Mehr als 4.000 Personenzüge sind jeden Tag in Österreich unterwegs. "Wir wollen, dass sich unsere Fahrgäste wohlfühlen", sagte der Vorstandsvorsitzende. Dafür sollen unter anderem neue Services wie beispielsweise eine Gepäcksicherung im Railjet sorgen. Die Absperrmöglichkeiten für Koffer und Reisetasche sollen im zweiten Halbjahr 2020 eingeführt werden, ein "modernes, pfiffiges System" ist geplant. Sperren und Entsperren soll via NFC-Funktion von Bankomat- oder Kreditkarte erfolgen, erklärte Matthä.

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Die Nightjets werden ab 2020 sukzessive mit WLAN ausgestattet, was der ÖBB-Chef selbst zwar zwiespältig sieht, aber "es gibt die Nachfrage, auch in der Nacht zu arbeiten", sagte er. Die Kinderecken in den Railjets sollen künftig analog statt digital - aus dem Kinderkino eine Spielecke - werden. Damit will die Bahn den jüngsten Fahrgästen eine "Elektronik-Pause" anbieten, erläuterte Matthä.

Im nationalen Fernverkehr werden zusätzliche Verbindungen am Tagesrand eingeführt. Von Wien Hauptbahnhof geht es spätabends direkt nach Graz, von Graz wiederum frühmorgens nach Villach. Auf der Weststrecke gibt es zudem eine späte Direktverbindung von Salzburg über Amstetten und Attnang-Puchheim mit Ankunft in Wien nach Mitternacht. Für die optimale Anreise in den Skiurlaub ist an den Winterwochenenden eine direkte Verbindung von Wien über Linz nach Bischofshofen vorgesehen.

Ausgebaut wird auch das Carshahring-Angebot "Rail & Drive". Aktuell können an 27 Standorten Autos ausgeliehen werden, an zwölf davon E-Fahrzeuge. Mehr als 5.000 Carsharing-Buchungen monatlich werden bereits verzeichnet, sagte Matthä, es handle sich "um die ideale Ergänzung zur Zugfahrt". Weitere E-Standorte sind in Innsbruck, Klagenfurt und Graz in Planung, langfristig will die Bahn "durchgängig E-Mobilität anbieten". (apa/red)

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