Textilindustrie

Linz Textil: Nach harten Jahren "den Boden erreicht"

Bei den Ergebnissen des oberösterreichischen Herstellers Linz Textil ging es in den vergangenen Jahren bergab - nun sei "der Boden erreicht", so Konzernchef Friedrich Schopf. Bis 2021 soll es eine Konsolidierungsphase geben, danach will Linz Textil wieder expandieren und vielleicht sogar akquirieren.

Die börsenotierte Linz Textil verordnet sich nach harten Jahren eine Konsolidierungsphase bis 2021. Danach will man wieder expandieren und vielleicht sogar akquirieren. 2018 sei mit 104 Mio. Euro (minus 6,2 Prozent) Umsatz der "Boden erreicht" worden, so Vorstand Friedrich Schopf und Dionys Lehner in der Bilanzpressekonferenz.

Rückgänge seit sieben Jahren

Von 2011 bis 2018 sank der Umsatz der Linz Textil kontinuierlich von 163 auf 104 Mio. Euro. Das Management macht dafür eine ganze Reihe von Ursachen namhaft: ein mittlerweile bereinigter Konflikt mit Kleinaktionären, mehrmalige Vorstandwechsel, die Reduktion von Viskose-Lieferungen durch die Lenzing AG und ein ungünstiges Marktumfeld.

Die Spinnerei in Linz wurde geschlossen, 35 Mitarbeiter mussten dort gehen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag 2018 zwar mit 5,8 Mio. Euro deutlich über jenem von 2017 (2,4 Mio. Euro), aber 4,6 Mio. davon sind Sondereffekte aus dem Verkauf nicht betriebsnotwendiger Liegenschaften. Bleibt unter dem Strich ein operativer Gewinn von 1,2 Mio. Euro.

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Allerdings gehe man davon aus, dass man nun mit 104 Mio. Euro Umsatz den Boden erreicht habe und es wieder aufwärtsgeht, erklärten Schopf und Lehner - der einstige CEO will nicht als Hauptaktionär bezeichnet werden, da ein Großteil des Besitzes in den Händen einer Stiftung liegt, gilt aber als Oberhaupt der Eigentümerfamilie und bezeichnet sich selbst als "Entscheidungsträger". Bis 2021 will man wieder bei 110 Mio. Euro Umsatz angekommen sein, danach wieder das Augenmerk auf Expansion richten. Das erste Quartal 2019 sei "sehr gut" verlaufen, verriet Schopf, betonte aber: "Wachstum hat nicht oberste Priorität."

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Neben der geplanten Konsolidierungsphase sieht die Unternehmensstrategie auch vor, die Eigenkapitalquote - einst 85, mittlerweile nur mehr rund 76 Prozent - wieder aufzustocken. Ziel seien "nachhaltige 80 Prozent", erläuterte Lehner. Dazu soll sich auch die Dividendenpolitik ändern: In den vergangenen Jahren wurde stets eine hohe Dividende ausbezahlt - auch in der Hoffnung, den Konflikt mit den Kleinaktionären zu entschärfen, was allerdings auf diesem Weg nicht gelungen sei. Künftig gelte: "Wir schütten nur mehr aus dem operativen Gewinn aus." Richtschnur sei die Wiener Börse, wo 30 bis 40 Prozent des operativen Gewinns üblich sind, so Lehner. Für 2018 werden vier Euro pro Aktie gezahlt, was mit 1,2 Mio. Euro dem gesamten operativen Gewinn entspricht.

Verlegung nach Kroatien

Nach der Schließung der Linzer Spinnerei Mitte des Vorjahres wurden rund 50 Prozent der Kapazität in das Werk nach Klanjec in Kroatien verlegt. Die Produktionskapazität in Klanjec stieg damit zwar von 7.130 auf 10.000 Jahrestonnen, durch die neue Ausrichtung auf Open-End-Garne werden aber weniger Leute benötigt und der Mitarbeiterstand sank von 138 auf 112. Insgesamt verringerte sich der Belegschaftsstand der Linz Textil zum Bilanzstichtag von 607 auf 560 Mitarbeiter.

Großauftrag in Linz

In der Weberei in Linz freute man sich über einen Großauftrag im Bereich Arbeitsschutzkleidung, der etwa einer Monatsproduktion entspricht. Die Baumwollspinnerei in Landeck ist voll ausgelastet. Ein großer Teil der dort produzierten Garne wird zu Afrika-Damast verarbeitet, der für den traditionellen afrikanischen Boubou benötigt wird. Die Handtuchmarke Vossen hat 2018 das nach Unternehmensangaben erste komplett vegane Handtuch auf den Markt gebracht. Dass üblicherweise aus Baumwolle bestehende Handtücher nicht ohne weiteres als vegan zertifiziert werden, liegt laut Linz Textil an Farb- und Zusatzstoffen. (apa/red)

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