COVID-19

Kampf gegen Corona: Wie der Auftragsfertiger Wild Komponenten für Blutanalysegeräte produziert

Mit der Auftragsfertigung von Komponenten für Blutanalysegeräte hat sich das Kärntner Unternehmen Wild ein Standbein in der Medizintechnik geschaffen. Jetzt zieht die Nachfrage Coronavirus-bedingt an.

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Josef Hackl, CEO Wild: „Es gibt bei den überwiegend in Zentraleuropa beheimateten Herstellern großen Bedarf"

In der Wildstraße 4 in Völkermarkt herrscht dieser Tage Hochbetrieb. Ein Teil der 450 Mitarbeiter des auf die Auftragsfertigung für die Medizintechnik spezialisierten Unternehmens Wild ist im Home Office, das ja. Zudem herrscht eine Sonderform des Schichtbetriebs, Mitarbeiter arbeiten nun in drei Teams. Auch das Kurzarbeitsmodell wurde evaluiert. Davon Gebrauch zu machen, dafür sieht CEO Josef Hackl in der aktuellen Situation jedoch „keine Notwendigkeit“, sagt er. Neben stabilen Datenverbindungen, die eine ungehinderte Kommunikation im Unternehmen und mit Kunden und Lieferanten erlaube, sei jetzt vor allem der große Produktmix von Vorteil.

Schon länger setzen die Kärntner auf eine breite Streuung ihrer Produkte, um Volatilitäten auf Märkten abzufedern. Hackl registriert eine massive Produktverschiebung infolge der globalen Ausbreitung der Corona-Viruserkrankung. Gibt es Kunden, die aktuell deutlich nachließen, kompensiert Wild den Entfall unter anderem durch Mehrgeschäft in der In-vitro-Diagnostik - speziell der Auftragsfertigung von Komponenten für Blutanalysegeräte. „Es gibt hier bei den überwiegend in Zentraleuropa beheimateten Herstellern großen Bedarf“, sagt Hackl.  

Medizintechnik soll lieferfähig bleiben

Auf die Lieferfähigkeit von Unternehmen der Medizintechnik und deren Zulieferern ist in diesen Tagen ein besonderes Augenmerk gerichtet. So lautet der Appell des Elektronikfachverbands ZVEI, die Produktion in der Halbleiterindustrie aufrecht zu erhalten: „Sie muss am Laufen gehalten werden“, heißt es beim ZVEI. Die Halbleiterindustrie hat als Produzent für Komponenten medizinischer Geräte einige Meilensteine vorzuweisen. So fand 2018 ein Chip-Produkt bei der Erkennung des Ebola-Virus während der Epidemie seinen erfolgreichen Einsatz.

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Ebenso stammen Präzisionsdüsen für den Einsatz in Inhalatoren zur genauen Dosierung von Medikamenten aus der Branche. Auch die Steuerung von Beatmungsgeräten basiere auf Komponenten aus der Chipfertigung, heißt es beim Fachverband. Infineon etwa erhielt kürzlich einen Großauftrag zur Lieferung von 38 Millionen Leistungshalbleitern zur Steuerung von Elektromotoren in Beatmungsgeräten.

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Aufbereitung von Schutzmasken

Einen anderen Hebelpunkt fand Cristof Industries. Eine Modifizierung eines Gerätes zur Aufbereitung von medizinischem Abfall macht es möglich, Partikel-filternde Halbmasken (FFP) für die Wiederverwendung zu reinigen. Entwickelt wurde diese Maschine am Standort in Graz. Bis zu 150 Masken können so stündlich aufbereitet werden. "Wir haben die Not zum Anlass genommen, und geschaut, ob man vielleicht ja Masken aufbereiten kann", schildert Managing Director Wolfgang Nestler der APA.

Dank eines neuen Ministerium-Erlasses sei dies nun auch in Österreich erlaubt. Der Österreichische Hygiene-Ausschuss habe festgelegt, bei welcher Temperatur die Reinigung erfolgen muss. "Entweder mit 121 Grad für 20 Minuten oder 134 Grad für 5 Minuten, wobei bei den 134 Grad haben wir das Problem, dass es stark von der Qualität der Masken abhängt", sagt Nestler.

Im LKH Innsbruck ist so eine umfunktionierte Maschine namens Sintion bereits im Einsatz. Bis Mittwoch soll eine zweite im LKH Graz eingesetzt werden. Aktuell können Masken der Kategorien FFP2 und FFP3 mit Sicherheit aufbereitet werden. Man sei „in diesen Stunden dabei, diese zu testen“, heißt es bei Cristof Industries.

Lungenbeatmungsgerät

Auch aus der Industrielelektronik kommt Unterstützung. Die tschechische Tochterfirma des Herstellers Beckhoff unterstützt die Entwicklung eines Beatmungsgerätes.

Innerhalb kürzester Zeit wurde ein Prototyp eines kostengünstigen Lungenbeatmungsgerätes entwickelt, der dazu beitragen soll, den Zusammenbruch des tschechischen Gesundheitssystems zu verhindern, heißt es bei Beckhoff. Beckhoff ist für das Steuerungssystem verantwortlich, das für eine sehr einfache Gerätebedienung sorgt und somit auch den Einsatz durch ungeschultes Personal ermöglicht.

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