Nach Cyberbetrug

Finanzvorstand von FACC entlassen - erste Erkenntnisse zum Betrug

Beim oberösterreichischen Hersteller FACC muss die als Finanzvorstand tätige Managerin Minfen Gu gehen. Bei den Ermittlungen zum millionenschweren Betrug gibt es unterdessen erste Erkenntnisse.

Nach dem Betrug am oberösterreichischen Luftfahrtzulieferers FACC, bei dem Schaden von rund 50 Millionen Euro entstanden sein dürfte, muss die als Finanzvorstand tätige Managerin Minfen Gu gehen. Das gab das Unternehmen bekannt.

Das Mandat von Frau Minfen Gu als Finanzvorstand der FACC AG ende mit sofortiger Wirkung, heißt es in der Aussendung. Der Vorstand sei daran, die Finanzabteilung grundlegend neu aufzustellen sowie Schadenersatz- und Versicherungsansprüche zu verfolgen.

Zur seiner Unterstützung bei der Neuaufstellung der Finanzabteilung hat der Aufsichtsrat sein bisheriges Mitglied Yongsheng Wang interimsmäßig zum Mitglied des Vorstands bestellt.

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Aktionärsvertreter haben zuvor Entlassungen gefordert

Wie berichtet befindet sich der oberösterreichische Hersteller mehrheitlich in chinesischem Besitz. FACC verfügt über das Hauptwerk in Ried im Innkreis sowie zahlreiche weitere Standorte. Seit vielen Jahren arbeiten die Oberösterreicher mit allen wichtigen Flugzeugherstellern wie etwa Airbus, Boeing und Bombardier zusammen.

Nachdem der Millionenschaden bekannt wurde, haben Aktionärsvertreter diese Woche mehr Informationen gefordert - und auch Entlassungen. "Das schließt auch personelle Konsequenzen mit ein", sagte Anlegervertreter Wilhelm Rasinger gegenüber dem "WirtschaftsBlatt".

Erste Ergebnisse der Ermittlungen: Falsche Identität vorgespiegelt

Am 20. Jänner hatte FACC über den Betrug informiert, zu Details hielt sich das Unternehmen aber unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft bisher bedeckt. Nun gibt es offenbar erste Erkenntnisse zu dem Fall: Der Betrug erfolgte, indem der Finanzbuchhaltung von Außenstehenden eine falsche Identität vorgespiegelt wurde. Das gab das Unternehmen unter Berufung auf den derzeitigen Stand der forensischen und kriminalpolizeilichen Untersuchungen bekannt.

Bei dieser Betrugsmasche, die den Sicherheitsbehörden unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt ist - "Fake President Fraud", "CEO Fraud" oder "Business E-Mail Compromise" - wird der Finanzabteilung in Mails täuschend echt vorgespiegelt, ein Vorgesetzter gebe die Anweisung Geld zu überweisen.

FACC: Keine Hinweise auf zerstörerische Programme in eigenen Netzen

Im Fall von FACC ging es auf Konten in Asien und eines in der Slowakei, insgesamt rund 50 Millionen Euro. Die IT-Infrastruktur, Datensicherheit, IP-Rechte sowie die operativen Bereiche von FACC seien von den kriminellen Aktivitäten nicht betroffen, teilte FACC mit. Es seien keine Hinweise auf Malware identifiziert worden.

Auf das Verschwinden dieser erheblichen Finanzmittel will der Hersteller jetzt mit einem Sparprogramm reagieren, wie Vorstandschef Walter Stephan ankündigt. Die liquide Situation der FACC sei mit dem Angriff sicherlich belastet, doch im Fortbestand sei der Hersteller "nicht gefährdet" und müsse auch nicht Kapitalhilfen von seinen Eigentümern beziehen. Auch bestehende Arbeitsplätze seien nicht gefährdet, so Stephan gegenüber den "Oberösterreichischen Nachrichten".

Vorstandschef Walter Stephan kündigt Sparprogramm an

Doch der operative und strategische Spielraum der FACC sei eingeschränkt, so der Konzernchef weiter: "Wir werden sicher ein globales Sparprogramm fahren müssen. Es darf aber nicht zu Lasten bestehender Aufträge und des operativen Wachstumskurses gehen. Investitionsvorhaben müssen wir unter den neuen Vorzeichen genau prüfen und gegebenenfalls zurückstellen. Man muss sich überlegen, wie man den Wachstumskurs aufgrund des Finanzloches jetzt finanziert." Mehr zu der Position des Firmenchefs und den Plänen bei FACC hier: Betriebsversammlungen bei FACC nach Cyberangriff (red/apa)

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