Powerfrauen-Index

Das sind die 100 wichtigsten Frauen des Jahres

Sie sind erfolgreicher als ihre männlichen Mitstreiter, zielstrebiger als viele ihrer Geschlechtsgenossinnen, und werden oftmals erst gerufen, wenn der Karren festgefahren ist: Österreichs mächtigste Managerinnen. Wir haben im Februar diesen Jahres einige der 100 Top-Frauen portraitiert.

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Klare Strategie. Offene Kommunikation. Einbindung der Mitarbeiter. So beschreibt Margarete Schramböck selbst ihren Führungsstil. Als erste Frau in der Firmengeschichte übernahm die Mittvierzigerin im Mai 2016 die Geschicke des Telekomkonzerns A1 – und die Erleichterung unter den österreichischen Eigentümern war mit Händen zu greifen. Immerhin war damit dem – vom mexikanischen Mehrheitseigentümer bestellten – Interimschef Alejandro Plater endlich ein Gegenüber auf Augenhöhe bestellt. (Anm.: Zwei Tage nach der Nationalratswahl hat Margarethe ihren Chefposten nach einem internen Machtkampf aufgegeben. Nun soll sie neue Wirtschaftsministerin werden und damit auch für Digitalisierung zuständig sein.)

Die Frage, welche Eigenschaften Frauen im (männerdominierten) Management brauchen, findet Schramböck falsch gestellt. "Egal ob Mann oder Frau - man braucht Begeisterung und Leidenschaft und man muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und teamfähig sein" sagt die A1-Chefin. Erste Sträuße mit dem jetzt als Aufsichtsratschef fungierenden Plater hat Schramböck bereits ausgefochten, doch ihre erste Bilanz steht noch aus. In der Branche hat die Managerin, die trotz ihrer jungen Jahre bereits als IT-Urgestein gilt, durchaus Eindruck hinterlassen. Ihr wird ein tiefes Verständnis der durch Disruption geprägten Branche ebenso zugeschrieben wie eine auf persönliche Nähe ausgerichtete Führungsstrategie. „Sie stellt gerne die Warum-Frage. Das heißt, sie fragt nicht nur, wohin A1 will, sondern auch, wie das zur Identität des Unternehmens passt“, sagt ein Wegbegleiter über sie.

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Infineon-Chefin Sabine Herlitschka ist die wichtigste Frau des Jahres und auch im Ranking der Top-1000-Manager prominent auf dem 10. Platz vertreten.

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Die Frau, die für den A1-Konzern Antworten auf das Warum finden will, ist Exotin wie ihre Kolleginnen Sabine Herlitschka, Elisabeth Stadler oder Tatjana Oppitz. Rare Beispiele für eine weibliche Führungsspitze in einem österreichischen Unternehmen. Der Powerfrauen-Index, erstellt für INDUSTRIEMAGAZIN vom Netzwerkanalyseunternehmen FASresearch, weist exakt 108 Frauen in der Liste der 1.000 gewichtigsten Führungskräfte dieses Landes aus. Und je größer der Konzern, desto dünner wird die Luft: Von den 64 an der Wiener Börse notierten Unternehmen waren im Vorjahr nur 4,6 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich.

Schramböck © A1

Telekom-CEO Margarete Schramböck findet sich auf Platz 12 im Powerfrauen-Index.

Netzwerk-Nachteil

Doch was ist dieser seltenen Spezies, die die heimische Wirtschaft bereichert, gemein? Günther Tengel, Geschäftsführer der Personalberatung Amrop Jenewein, formuliert das Naheliegende: „Zeitliche Unabhängigkeit und/oder einen Partner mit Verständnis.“ Die  Babypause und die Tatsache, dass es meist die Frau ist, die zu Hause bleibt, wenn der Nachwuchs mit Fieber darniederliegt, sind wohl Karrierebremsen, die erst langsam abgebaut werden. Mitunter stehen sich Frauen aber auch selbst im Weg. So sagt man ihnen nach, weniger effizient Netzwerke aufzubauen als Männer. Das bestätigen auch die Zahlen des FAS Network Monitor Austria, der für die wichtigsten Entscheidungsnetzwerke in Österreichs Wirtschaft nur einen Frauenanteil von 17 Prozent ausweist.

Inland, Jahreszahl, 2014, weiblich, Geschlecht, Person, Freisteller, Wirtschaft, Personenbild © RHI

Die Finanzvorständin der RHI, Barbara Potisk-Eibensteiner, hat heuer ein herausforderndes Jahr vor sich.

Dazu existieren laut Harald Katzmair, Netzwerk-Experte und FASresearch-Gründer, geschlechtsspezifische Karrierestrategien: Frauen suchen sich gerne Mentoren, Männer hingegen bevorzugen die Brokerstrategie und halten an allen wichtigen Hebeln der Macht Ausschau nach Kontakten. Gegenüber einem Mentor verhalte man sich aber in der Regel loyal, „Männer hingegen sind viel nutzenorientierter und letztlich skrupelloser“, so Katzmair. Auch habe er bisher ausschließlich bei Männern beobachtet, „dass sie es irgendwie schaffen, sich unabkömmlich zu machen“.

An der gläsernen Klippe

In Expertenkreisen dreht sich die Debatte jedoch längst nicht mehr um die gläserne Decke. Vielmehr geistert dort der Begriff „glass cliff“, also die gläserne Klippe, umher. Frauen, so heißt es, würden allzu oft erst dann ans Steuer gelassen, wenn der Höhepunkt eines Unternehmenszyklus überschritten ist. Als Paradebeispiel dient den Verfechtern der Glass-cliff-These Marissa Mayer. Sie wurde 2012 zu einem Zeitpunkt Vorstandsvorsitzende des Internetkonzerns Yahoo, als dieser bereits unrettbar schien. Die einst als Überfliegerin der IT-Branche Gefeierte musste das Kerngeschäft von Yahoo an den Telekommunikationskonzern Verizon verkaufen.

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Wirtschaftlich wird 2017 ein forderndes Jahr für die Catharina Trierenberg-Wetzl, Geschäftsführerin der Tann Group.

Parallelen zu heimischen Karrieren sind nicht von der Hand zu weisen: So gilt die Versicherungsmathematikerin Elisabeth Stadler seit der Sanierung der 2014 in Schieflage geratenen VIG-Tochter Donau Versicherung als Hoffnungsträgerin für den Gesamtkonzern, der sich inmitten dramatischer Marktumbrüche aufgrund der Digitalisierung befindet. Vor ganz ähnlichen Herausforderungen stehen die immer zahlreicher werdenden Powerfrauen in der Mobilfunkbranche. War das Business in den Goldgräberjahren der 90er und 2000er noch eine absolute Männerdomäne, sind mittlerweile Frauen in die Vorstandsetagen von T-Mobile, 3 und A1 eingezogen. Ob die Erwartungen an Frauen dabei besonders hoch sind und Powerfrauen somit besondere Eigenschaften einen? Auch diese Frage hört Schramböck nicht gerne. Dementsprechend lapidar lautet ihr Kommentar: „Man braucht Begeisterung und Leidenschaft und muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen sowie Entscheidungen zu treffen – egal ob Mann oder Frau.“

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Powerfrauenindex © IM Grafik

Die 15 wichtigsten Frauen 2017 im Überblick.

Der Powerfrauen-Index: So entstand die Rangreihung

Im Auftrag von INDUSTRIEMAGAZIN ermittelt das Netzwerkanalyseinsitut FASresearch die einflussreichsten Frauen der österreichischen Wirtschaft. Die Basis der Ermittlung sind die operativ tätigen Personen (sowie die Aufsichtsräte) in Österreichs 5.000 umsatzstärksten Unternehmen sowie den verbundenen Privatstiftungen. Die Datenquellen sind dabei ausnahmslos öffentlich zugänglich: Das österreichische Firmenbuch, das Vereinsregister sowie Mediendatenbanken, mit denen Medienpräsenz in Print- und Onlinemedien erhoben wird.

Die Ressourcen sind durch die Umsätze der Unternehmen repräsentiert, in welchen die Person kraft Vorstands- oder Aufsichtsratstätigkeit Verfügungsgewalt hat.

Die Vernetzung errechnet sich aus den Positionen, die von einer Person in Aufsichtsratsfunktionen, Funktionen in Wirtschaftsverbänden sowie Klubs, Vereinen und Forschungsinstitutionen wahrgenommen werden. Hinzugezählt wird die Medienpräsenz in Print- und Onlinemedien in den vergangenen fünf Jahren. Die exakte Vorgangsweise finden Sie hier, die gesamte Rangreihung der 100 wichtigsten Frauen des Jahres finden Sie hier sowie rechts am Seitenende zum Download.

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Kommentar: Die guten Seiten der gläsernen Klippe

von Daniela Friedinger

Die Debatte um die gläserne Decke ist längst um eine Facette reicher. Denn britische Forscher der Universität Exeter wollen herausgefunden haben, dass jene Stellen überproportional häufig mit Frauen besetzt werden, in denen die Gefahr des Scheiterns besonders hoch ist. „The glass cliff“ – oder gläserne Klippe – nennen sie dieses Phänomen. Nach dem Motto „Jetzt ist es auch schon egal“ lässt man eine Frau oft erst dann übernehmen, wenn es mit dem Unternehmen bereits abwärts geht.

Ist an der These etwas dran, hat die Klippe möglicherweise aber auch ihre guten Seiten? So ist die Konjunktur nach wie vor schwach, viele Unternehmen durchleben eine Krise. Für Frauen könnte dies Chancen bieten, die ihnen weder 40 Jahre Emma (die feministische Zeitschrift von Herausgeberin Alice Schwarzer feierte dieser Tage ihren runden Geburtstag) noch die Ergänzung des Wörtchens „Töchter“ in der Bundeshymne eröffneten.

Und stimmt es außerdem, dass die Anforderungen an Frauen höher sind als an Männer und nur die Besten der Besten ganz nach oben kommen? Dann gelingt diesen vielleicht Außergewöhnliches: Sie könnten das Ruder herumreißen und das Unternehmen zurück auf Erfolgskurs führen. Einzig an den bestehenden Vorurteilen wird es, wenn man Frauen an die Klippe lässt, wenig ändern: Sind sie erfolgreich, gilt es den Skeptikern als Zufall. Scheitern sie, stellen sie es als ebenso vorhersagbar hin.