Chemische Industrie

BASF: Konjunkturelles Umfeld wird "kein Spaziergang"

Die Chemiebranche gilt als wichtiger Konjunkturindikator, da ihre Produkte in praktisch allen großen Industriezweigen benötigt werden. Chemieriese BASF erwartet für die kommenden Monate einen Gewinneinbruch und eine angespannte Situation.

Der deutsche Chemieriese BASF kämpft wegen der schwachen Weltkonjunktur mit niedrigeren Preisen und einer schleppenden Nachfrage der Kunden.

"Es gibt keine Anzeichen für eine Wiederbelebung des Marktes", sagte Vorstandschef Martin Brudermüller bei der Vorlage der Quartalsbilanz. Er gehe zwar davon aus, dass BASF die im Sommer gesenkten Ziele erreichen werde. Es sei aber auch klar, dass das in diesem Umfeld "kein Spaziergang" sei. Für 2019 rechnet Brudermüller weiter mit einem Rückgang des bereinigten operativen Gewinns um bis zu 30 Prozent. Der Umsatz dürfte leicht sinken.

Der BASF-Chef war ursprünglich heuer von einer leichten Erholung der Autoindustrie, einer Entspannung des Handelskonflikts zwischen den USA und China und einem Brexit ohne größere Verwerfungen ausgegangen. Doch es kam anders. Die Hängepartie um den geplanten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hält immer noch an und die Handelskonflikte haben sich nicht entschärft.

Operativer Gewinn fällt

Im dritten Quartal fiel der bereinigte operative Gewinn (Ebit) von BASF um fast ein Viertel auf 1,1 Mrd. Euro. Der Umsatz sank um 2 Prozent auf 15,2 Mrd. Euro. Unter dem Strich verdiente der deutsche Konzern 911 Mio. Euro nach 1,2 Milliarden vor Jahresfrist. "Besonders der Handelskonflikt zwischen den USA und China belastet unser Geschäft. Hinzu kommen die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit", sagte Brudermüller. Zudem sei die Produktion in der Autoindustrie - der wichtigsten Kundengruppe von BASF - im Vergleich zum schon niedrigen Niveau zum Ende des ersten Halbjahres nochmals gesunken.

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BASF-Aktien legten trotz des Gewinneinbruchs um gut zwei Prozent zu und gehörten zu den größten Gewinnern im Leitindex Dax. Die Ergebnisse seien zwar nicht besonders erfreulich, aber weniger schlecht als befürchtet, erklärte Analyst Gunther Zechmann von Bernstein. Auch der US-Rivale Dow leidet unter niedrigeren Preisen sowie einer schwachen Nachfrage und meldete einen Rückgang des bereinigen operativen Gewinns um mehr als 30 Prozent.

Gute Geschäfte mit Katalysatoren

Im abgelaufenen Quartal musste BASF vor allem für die Kunststoffvorprodukte TDI und MDI die Preise senken. Belastend wirkten sich auch Wartungsabstellungen der petrochemischen Großanlagen (Steamcracker). Rund lief es dagegen etwa im Geschäft mit Katalysatoren, trotz der schwachen Autoindustrie.

Das führte der Vorstand auf eine Sonderkonjunktur in China und Indien wegen der Vorbereitungen auf neue Emissionsstandards zurück, die zu einem höheren Absatz geführt habe. Der Konzern profitierte zudem von einer Erholung des Agrargeschäfts dank eines guten Saisonstarts in Südamerika. In der ersten Jahreshälfte hatte dieses noch unter den Überschwemmungen in den Farmstaaten im Mittleren Westen der USA gelitten.

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Chemiebranche: Ein wichtiger Konjunkturindikator

Die Chemiebranche gilt als wichtiger Konjunkturindikator, da ihre Produkte praktisch in allen großen Industriezweigen benötigt werden. Der Branchenverband VCI senkte wegen der unsicheren wirtschaftlichen Aussichten bereits mehrmals seine Prognose für dieses Jahr. "An den ungünstigen Rahmenbedingungen können wir nichts ändern", sagte Brudermüller.

Tausende Arbeitsplätze verschwinden

BASF arbeite deshalb mit Hochdruck weiter an seinem Konzernumbau, der auch den Abbau von weltweit 6.000 Stellen vorsieht. Bis Ende September wurden rund 1.800 Positionen gestrichen. Für den geplanten Verkauf des Geschäfts mit Bauchemikalien strebt Brudermüller weiterhin bis Jahresende eine Vereinbarung an. "Wir gehen jetzt mit einer kleineren Anzahl von Bietern in die nächste Phase." (reuters/apa/red)