Volkswagen - Oliver Blume und das 12-Milliarden-Loch

12 Milliarden Euro Cash fehlen

Für Volkswagen wird finanziell die Luft dünn: Während die Einnahmen versiegen, müssen Milliarden weiter in E-Modelle, Software und Werke fließen. Fast 12 Milliarden Euro an Cash fehlen – und ohne ein massiv verschärftes Sparpaket droht dem Konzern eine echte Finanzkrise. Entscheidend ist ohnehin weniger ein Quartalsverlust als der Cashflow: Für das laufende Jahr erwartet Finanzvorstand Arno Antlitz erstmals einen Netto-Cashflow von exakt null, für 2026 prognostiziert der Konzern intern ein Minus von sieben Milliarden Euro. Das bedeutet: Volkswagen muss in etwas mehr als einem Jahr rund zwölf Milliarden Euro zusätzlich auftreiben – durch Einschnitte, Verkäufe und striktes Kostenmanagement. Denn die Ratingagenturen sitzen dem Konzern im Nacken wie der TÜV-Prüfer über einem alten Diesel: Moody’s (Baa1) und S&P (BBB+) liegen nur zwei Stufen über Junk. Eine Herabstufung ins Ramschniveau würde nicht nur Anleihen verteuern und Großanleger vertreiben, sondern auch die Volkswagen Financial Services treffen – jene Bank, über die ein erheblicher Teil der weltweiten Verkäufe finanziert wird. Oliver Blume, künftig voll auf VW fokussiert, übernimmt damit keinen Neuanfang, sondern einen Hochrisiko-Umbau unter Zeitdruck.

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Blumes Dilemma

Er spart den Konzern gesund – und schwächt zugleich das, was Volkswagen antreiben soll. Zum dritten Mal in Folge fällt der Gewinn deutlich: Nach Steuern sank er im ersten Halbjahr um über 38 Prozent, operativ rutschte die Marge auf 4,2 Prozent. Die Konsequenzen sind drastisch: Bei Porsche stehen bis zu 5.000 Jobs zur Disposition, bei Audi 10.000, in der Kernmarke Volkswagen sogar 35.000. Parallel werden Beteiligungen geprüft – von Italdesign über IAV bis Everllence und weiteren Töchtern. Doch die Baustellen reichen weit über Kosten hinaus. In China, einst Goldesel, liegt der Absatz auf einem Zwölfjahrestief; BYD hat die Marktführerschaft übernommen, Überkapazitäten drücken die Preise, neue lokal zugeschnittene E-Modelle wirken frühestens ab 2027. In Nordamerika bremst ein Absatzrückgang, der ID.4-Stopp in Chattanooga und ein Strategieknick bei Scout; zugleich belasten Importzölle die Bilanz, 2025 droht dort ein Milliardenverlust. Und ausgerechnet die Elektromobilität stockt: Der Konzern hält weiter Verbrenner-Investitionen vor, weil Nachfrage fehlt. Dazu kommt das Software-Chaos – erst Cariad, dann Rivian, jetzt teure Zwischenlösungen: Verzögerte Modelle, verschobene Programme, ein vertagter Trinity. Blumes Herkulesaufgabe heißt daher nicht Vision, sondern Stabilisierung: Cash sichern, Rating verteidigen, Märkte reparieren – bevor aus dem Milliardenloch ein Absturz wird.